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Werkverträge Industrienahe Dienstleistungen; Foto: fotolia

Werkverträge Industrienahe Dienstleistungen

Den Webfehler im System beseitigen

22.09.2015 Ι Hersteller vergeben immer mehr Arbeit, die zu ihrem Kerngeschäft gehört, per Werkvertrag nach draußen. Arbeit wandert so oft vom tarifgebundenen Betrieb in tarifvertragsfreie Zonen. Beschäftigte haben nicht mehr die gleichen Rechte und verdienen ganz unterschiedlich. Doch es gibt Gegenwehr.

Werkverträge gab es immer, oft auch zurecht. Auch in Unternehmen gibt es Arbeit, für die man Spezialisten braucht, die es im Betrieb nicht gibt. Werkverträge an sich sind nicht das Problem, ihr Missbrauch schon. Er beginnt dann, wenn Unternehmen Arbeit an Dienstleister vergeben, um auf dem Rücken der Beschäftigten Geld zu sparen, Sozialstandards zu senken oder Mitbestimmung zu umgehen. "Die Arbeitgeber sollen nicht glauben, sie könnten durch Outsourcing widerstandslos Löhne und Arbeitsbedingungen absenken und sich der Zuständigkeit der IG Metall entziehen", sagt Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

Toast und Tütensuppen

Die IG Metall Küste hat in ihrem Dossier Werkverträge Beispiele aus mehreren Branchen zusammen getragen. In Rostock arbeiteten griechische Arbeiter über Werkverträge auf Werften. 80 von ihnen lebten in Containern. Die Arbeiter hatten wochenlang kein Geld bekommen und sich von Toast und Tütensuppen ernährt. Solche Auswüchse sind die Ausnahme, aber es gibt sie.

Fakten belegen eindeutig, dass der Trend zu Werkverträgen anhält. In der Produktion erledigen Fremdfirmen bereits mehr als ein Drittel der Arbeit, in der Montage 28 Prozent und in Forschung, Entwicklung und Engineering fast ein Fünftel. Oft arbeiten Beschäftigte der Dienstleister Seite an Seite mit Kollegen der Stammbelegschaft, erledigen die gleichen Aufgaben aber zu schlechteren Bedingungen.

Vom Betriebskindergarten ausgeschlossen

Der Metaller Tekin Yildirim hat es selbst erlebt. Er ist stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei ISS Facility Services. Das Unternehmen macht fast alles von Catering und Technik über interne Logistik bis zu Industriereinigung. Angefangen hat Yildirim vor 20 Jahren bei Daimler in der Produktion, später in der Logistik. 1996 gründete Daimler den Bereich aus und verkaufte ihn 2007 an ISS.

Von einem Tag auf den anderen bekamen sie andere Ausweise und durften ihre Autos nicht mehr auf dem Firmenparkplatz abstellen. In den Betriebskindergarten durften die Beschäftigten ihre Kinder nicht mehr schicken. Seit 2011 gibt es keinen Tarifvertrag und keine Tariferhöhungen mehr. Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen nur die Älteren, die noch den IG Metall-Tarifen unterliegen. Das Einzige, was sich für Yildirim und seine Kollegen nicht geändert hat, ist die Arbeit.  

Beschäftigte organisieren sich

Das Beispiel ISS zeigt, dass es bei Werkverträgen noch vieles zu verbessern gibt. Erstes Ziel der IG Metall: Die Arbeit im Betrieb halten. Wo das nicht gelingt, will sie die Konditionen für die Beschäftigten in den Werkvertragsfirmen fair gestalten, gute Arbeitsbedingungen und eine anständige Bezahlung. Denn der Webfehler in Unternehmensstrategien, die auf kurzfristigen Profit und nicht auf die langfristige Sicherung des Know-hows von Kernkompetenzen setzen, ist nicht hinnehmbar. 

Das Recht auf faire Arbeitsbedingungen endet für die IG Metall nicht bei den Endherstellern. Es gilt für die gesamte Wertschöpfungskette entlang ihrer Industrien. Das heißt gleiche Rechte, Mitbestimmung und Tarifverträge für die Beschäftigten in Werkvertragsfirmen. Ob bei Entwicklern, Kontraktlogistikern oder im Facility Management - wenn sich Beschäftigte organisieren, einen Betriebsrat wählen, verbessert sich vieles im Betrieb. Bei ISS kämpft der Betriebsrat jetzt dafür, einen Haustarifvertrag abzuschließen. "Wir wollen eine Entwicklung erreichen, gerade bei den Löhnen", sagt Betriebsrat Yildirim.

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Links und Zusatzinformationen
Wann hört die Ungerechtigkeit bei Werkverträgen auf?
Was ist ein Werkvertrag?

Ein Werkvertrag ist ein Vertrag, bei dem sich der Auftragnehmer (Hersteller) ver-pflichtet, ein Werk gegen Zahlung (Werk-lohn) durch den Auftraggeber (Besteller) herzustellen. Im Werkvertrag wird die Arbeit nach dem Ergebnis beurteilt und nicht nach dem Aufwand der geleisteten Arbeit.

Werkverträge können von natürlichen Personen (Werkvertragsnehmern) und von juristischen Personen (Unternehmen) geschlossen werden. Die meisten Solo-Selbstständigen erbringen ihre Leis-tungen auf Grundlage von Werkver-trägen, besonders im IT- und Medien-bereich. Vergibt ein Betrieb Werkverträge an andere Unternehmen, ist das eine Auslagerung der Tätigkeit an eine Fremd-firma. Diese lässt die Arbeiten entweder durch ihre eigenen Beschäftigten durch-führen oder beauftragt Subunternehmer damit.

Ein Werkvertrag dient also dazu, einen Teil der Tätigkeiten eines Unternehmens an eine Person oder einen anderen Betrieb auszulagern.

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