Doch die Beschäftigten von gleich mehreren Betrieben müssen sich Sorgen um die Zukunft machen. Ein paar Beispiele: Die Geschäftsleitung von ZF hat den Sparkurs ausgerufen: Am Standort Schweinfurt könnte das nach Einschätzung von Betriebsrat und IG Metall zu einem tröpfchenweisen Abbau von insgesamt mehr als 2000 Arbeitsplätzen kommen. SKF hat in den vergangenen 18 Monaten bereits 500 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut. In den kommenden zwei Jahren könnten es 400 weitere Stellen werden, die dem Betrieb und der Region verlorengehen. Die Werksleitung von Bosch Rexroth teilte den Beschäftigten gerade mit, dass 240 Stellen bis Ende 2028 sozialverträglich abgebaut werden sollen. Und Schaeffler startet in Schweinfurt jetzt ein Freiwilligenprogramm, mit dem 50 Personen aus dem indirekten produktionsnahen Bereich ausscheiden sollen.
Besonders hart getroffen hat es die Kolleginnen und Kollegen vom Automobilzulieferer Valeo, rund 40 Kilometer nördlich von Schweinfurt in Bad Neustadt an der Saale: Bis Ende Juni 2024 werden 310 der 510 Valeo-Beschäftigten im Elektromotorenwerk ihren Job verlieren. Die Produktion wird nach Polen verlagert. Der Anfang Februar beschlossene Interessenausgleich sieht zudem die Stilllegung des Musterbaus sowie weiterer Bereiche vor.
Industriearbeitsplätze sind im ganzen Land in Gefahr
Falsche Sparprogramme und zu geringe Investitionen bedrohen nicht nur in Schweinfurt Arbeitsplätze. Rund die Hälfte der Unternehmen in Deutschland investieren zu wenig. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der IG Metall unter Betriebsräten von knapp 2600 Firmen. Statt die gegenwärtigen Herausforderungen aktiv anzugehen, stellen Unternehmen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen vermehrt Standorte und Beschäftigung infrage. 31 Prozent der befragten Betriebsräte sehen ein „hohes“ oder „eher hohes“ Verlagerungsrisiko von Beschäftigung ins Ausland. Im Fahrzeugbau schätzen sogar 59 Prozent das Risiko als „hoch“ oder „eher hoch“ ein.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, kritisiert das scharf: „Investieren im Inland, muss das Gebot der Stunde lauten. Die Beschäftigten brauchen Sicherheit und Perspektiven“, betont sie. Aber auch die Politik nimmt die Erste Vorsitzende der IG Metall in die Pflicht: „Die Politik muss sich klar zum Industriestandort bekennen. Die Regierung muss jetzt die richtigen Weichen stellen, um Deindustrialisierung zu vermeiden. Statt Schuldenbremse und Sparpaketen brauchen wir eine aktive Industriepolitik mit ambitionierten öffentlichen Investitionen, auch in Infrastruktur und Bildung“, so Benner.
Politik und Unternehmen in der Pflicht
Die Metallerinnen und Metaller aus Schweinfurt wollen, dass die Industriearbeit in ihrer Region erhalten bleibt, denn sie sorgt für Wohlstand und Attraktivität des gesamten Gebiets Schweinfurt-Main-Rhön. „Um die Zukunft der Region zu sichern, braucht es jetzt einen engen Schulterschluss zwischen Beschäftigten, Unternehmen und Politik“, betont Thomas Höhn auf dem Aktionstag. Deshalb fordern die Metallerinnen und Metaller in Schweinfurt die Politik und Unternehmen auf, ihrer Verantwortung für die Region nachzukommen. Konkret heißt das:
Von den Unternehmen fordert die IG Metall:
- Investitionen und Produktinnovationen
- Klares Bekenntnis zu den Standorten, statt Verlagerungen in Niedriglohnländer
- Den industriellen Wandel im Schulterschluss mit den Beschäftigten zu gestalten
- Verantwortung zu übernehmen
Von der Politik fordert die IG Metall:
- Massive Investitionen, statt Sparkurs
- Faire und verlässliche Energiepreise
- Gezielter Einsatz von Fördermitteln für industrielle Zukunftsfelder
- Mehr Einsatz für gute Arbeit und ökologische Nachhaltigkeit
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