Tarifrunde Metall und Elektro 2026
Tarifkommissionen beschließen Kündigung der Entgelt-Tarifverträge

Die Tarifbewegung in der Metall- und Elektroindustrie ist gestartet. Die Tarifkommissionen der IG Metall haben sich zusammengeschaltet, um die Lage und erste Forderungen zu diskutieren. Die Lage ist extrem differenziert: Viele Betriebe stecken in der Krise, andere wiederum machen gute Gewinne.

25. Juni 202625. 6. 2026


Ab Oktober verhandelt die IG Metall wieder über höhere Entgelte für 3,8 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Zum Auftakt zur Tarifbewegung haben die Tarifkommissionen der IG Metall am Mittwoch die Kündigung der derzeitigen Entgelttarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie beschlossen – die Voraussetzung für Tarifverhandlungen – und die Diskussion über die wirtschaftliche Lage und mögliche Forderungen für die Tarifverhandlungen gestartet.

Dazu haben sich die Tarifkommissionen aller sieben IG Metall-Bezirke live zusammengeschaltet. Zwischenzeitlich liefen die Debatten in den regionalen Tarifkommissionen vor Ort. Die Betriebsräte und Vertrauensleute brachten ihre Erfahrungen und Diskussionen aus den Betrieben ein. Einige berichteten über Auftragsmangel, Kurzarbeit, Beschäftigungsabbau, sowie drohende Verlagerungen und Schließungen – andere über eine gute und langfristig gesicherte Auftragslage. Klar ist: Die Lage in den Betrieben ist sehr unterschiedlich – und genau das wird die Tarifrunde prägen.
 

Betriebe in der Krise – Betriebe, die gut laufen

„Die wirtschaftliche Situation ist extrem differenziert“, erklärte Nadine Boguslawski, Tarif-Vorständin der IG Metall in der Live-Schalte. „Einerseits haben wir viele Betriebe in wirtschaftlicher Schieflage. Wir haben aber auch weiterhin Betriebe, denen es richtig gut geht. Die Kunst wird sein, Tarifforderungen aufzustellen, die für alle passen.“

Schwierig ist die Lage vor allem in der Autoindustrie und im Maschinenbau. Deutlich besser läuft es der Luft- und Raumfahrtindustrie, in der Rüstungsindustrie, bei Halbleitern und Erneuerbaren Energien. Das zeigt eine Analyse, die Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) den Tarifkommissionen vorstellte.

Der deutschen Industrie macht vor allem die immer aggressivere Industrie- und Handelspolitik von China und den USA zu schaffen. China etwa subventioniert seit Jahren massiv die eigene Industrie, um Weltmarktführer bei Elektroautos und Erneuerbaren Energien zu werden. Als Folge sind die deutschen Exporte nach China in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent eingebrochen.

Von daher macht das von den Arbeitgebern propagierte Sparen an den Arbeitskosten gar keinen Sinn, betonte Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall. Vielmehr müssten hier die Unternehmen durch eine deutsche und europäische Industriepolitik gestützt, Innovationen und Investitionen vorangetrieben, der Sozialstaat verteidigt – und vor allem die Kaufkraft und damit die Binnennachfrage gestärkt werden: „Wir können unsere Wirtschaft nicht gesund sparen. Es kann auf keinen Fall um Verzicht gehen in der Tarifrunde. Wir werden differenzierte Lösungen finden müssen.“
 

Kaufkraft und Beschäftigung im Blick

„Der Anspruch in der Tarifrunde wird sein, nicht nur Entgelte zu stärken, sondern auch für Zukunft und Beschäftigung zu stehen“, meint IG Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski. Es gehe darum, die Beschäftigten spürbar zu entlasten und gleichzeitig die wirtschaftliche Entwicklung zu stabilisieren. „Kaufkraft ist ein Treiber für Wachstum in diesem Land.“

EIn blinkendes Herz für Tarif: Bei der Tarifkommissionssitzung der Metall- und Elektroindustrie im Juni in Sindelfingen beschließen die Tarifkommissionsmitglieder den Antrag zur Kündigung der Entgelt-Tarifverträge und beginnen mit der Diskussion um die Forderungen.

In Sindelfingen beschließt die Tarifkommission die Kündigung der Entgelt-Tarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie.

In vielen Bezirken betonten die Mitglieder der Tarifkommissionen, dass die Beschäftigten die gestiegenen Preise unmittelbar spüren, entsprechend hoch sei der Druck, eine Entgeltentwicklung zu erreichen, die das auffängt. Zudem hätten die Beschäftigten in den vergangenen Jahren viel geleistet, was auch honoriert werden muss. Daneben gehe es darum, Perspektiven für Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. Es brauche Antworten darauf, wie Zukunft gestaltet werden kann.
 

So geht es weiter zur gemeinsamen Tarifforderung

In den kommenden Wochen diskutieren die Mitglieder der IG Metall in den Betrieben und auf Versammlungen über Forderungen. Parallel befragt die IG Metall vom 1. Juni bis 28. August die Beschäftigten in 3200 Betrieben.

Am 22. September beschließen die Tarifkommissionen für die Metall- und Elektroindustrie der sieben IG Metall-Bezirke ihre Forderungen. Danach verabschiedet der Vorstand der IG Metall die gemeinsame Tarifforderungen für die Tarifverhandlungen im Oktober.

Am Ende geht es darum, aus unterschiedlichen Lagen eine Tarifforderung zu machen, die trägt: für die Beschäftigten und für die Zukunft der Industrie. 

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