Rentenreform
„Rente ab 63“: Warum wir sie unbedingt erhalten müssen

Wer 45 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, hat sich den Ruhestand verdient. An diesem Grundsatz sollten wir nicht rütteln. Denn sonst drohen massive Ungerechtigkeiten.

22. Juni 202622. 6. 2026


Lebensleistung: Dieses Wort fällt im aktuellen Streit um die Rente häufig. Ein langes Arbeitsleben, darin sind sich fast alle einig, sollte etwas wert sein. Wer jahrzehntelang in die Rentenkasse einzahlt, hat sich die Rente verdient.

Die sogenannte „Rente ab 63“ setzt diesen Gedanken um. Offiziell heißt sie: „Rente für besonders langjährig Versicherte“.

Bedeutet konkret: Wer mindestens 45 Versicherungsjahre nachweisen kann, darf vor Erreichen des regulären Renteneintrittsalters in den Ruhestand gehen – und zwar ohne, dass die Rente dadurch gekürzt wird.

In der Regel werden nämlich Abschläge fällig, wenn die Rente vor dem allgemeinen Renteneintrittsalter beantragt wird. Diese Abschläge sind hoch: Für jeden Monat, den jemand vorzeitig in Rente geht, zieht die Rentenversicherung 0,3 Prozent von der Rente ab. Dieser Abschlag bleibt für die gesamte Rentenzeit bestehen.

Eine „Rente mit 63“ gibt es übrigens schon lange nicht mehr. Mit 63 Jahren konnten nur wenige Jahrgänge in Rente gehen. Ab dem Geburtsjahr 1953 steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate an. Ab dem Jahrgang 1964 ist die abschlagsfreie Rente erst mit 65 Jahren möglich.


Verdient, nicht geschenkt

Die IG Metall hat die „Rente ab 63“ von Anfang an unterstützt. Denn sie korrigiert eine Ungerechtigkeit: Dass am Ende eines langen Erwerbslebens die Lebensleistung durch Rentenkürzungen entwertet wird.

Außerdem entspricht sie der Lebensrealität vieler Arbeitnehmer, die froh sind, wenn sie überhaupt 45 Jahre körperlich durchhalten.

Umfragen zeigen immer wieder: Mehr als die Hälfte der Deutschen glauben nicht, dass sie unter ihren aktuellen Arbeitsbedingungen bis zum 67. Lebensjahr arbeiten können. Über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten zu können, glauben nur rund 23 Prozent der befragten Erwerbstätigen unter 67 Jahren.


Großer Rückhalt für die „Rente ab 63“

Entsprechend groß ist der Rückhalt für die „Rente ab 63“. Neun von zehn Befragten sprechen sich für einen abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Jahren aus.

Diese Rente ist verdient – so empfinden es die allermeisten Menschen im Land.

Besonders für Beschäftigte, die körperlich hart arbeiten, ist die „Rente ab 63“ wichtig. Viele von ihnen könnten gar nicht länger arbeiten. Ohne die „Rente für besonders langjährig Versicherte“ müssten sie Rentenabschläge hinnehmen.

Das wäre doppelt ungerecht: Denn ein früher Berufsstart, viele Jahre harte Arbeit, oft im Schichtbetrieb, senken die Lebenserwartung und verringern die Zeit des Rentenbezugs.

Eins ist außerdem klar: Rente kann nicht gesundheitliche Fürsorgeleistung sein. Menschen müssen gesund in Rente gehen können. Aktuelle Pläne, die „Rente ab 63“ durch eine Gesundheitsprüfung für Leistungsgeminderte zu ersetzen, lehnt die IG Metall ab.

Die „Rente ab 63“ hat vielen tausend Menschen eine Anerkennung ihrer Lebensleistung gebracht.

Wir sollten sie erhalten.

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