Die Maschinenfabrik Alfing Kessler GmbH stand durch die Veränderungen in der Automobilindustrie, die Debatte um das Verbrenner-Aus, die Folgen der Corona-Pandemie, gestörte Lieferketten und die Energiekrise unter massivem Druck. Für das Unternehmen hatte diese Entwicklung sehr konkrete Folgen. Teilbereichsschließungen und ein Personalabbau von mehr als 20 bis 25 Prozent waren bereits in konkreter Planung. Statt rund 1.200 Beschäftigten wurde langfristig nur noch mit etwa 800 bis 900 Arbeitsplätzen gerechnet.

Engagiert für die Beschäftigten: Oliver Hirsch, Klaus Vaas, Rainer Lehnert (von links).
Gleichzeitig litt das Bild des Unternehmens nach außen: In der Region wurde der Betrieb auch zunehmend von jüngeren Menschen als Unternehmen ohne Zukunft wahrgenommen. Das blieb auch intern nicht ohne Folgen. Die Verunsicherung in der Belegschaft war groß, die Fluktuation stieg, und auch das Betriebsklima verschlechterte sich spürbar. Abteilungen arbeiteten immer weniger miteinander und immer häufiger nebeneinander oder sogar gegeneinander.
Abwarten ist keine Option
Für den Betriebsrat war früh klar: Abwarten ist keine Option. Es ging darum, Arbeitsplätze zu sichern, neue Perspektiven zu schaffen und den Standort dauerhaft wettbewerbsfähig aufzustellen. Gemeinsam mit der IG Metall, der Geschäftsführung und unter aktiver Beteiligung der Belegschaft wurde deshalb ein Veränderungsprozess gestartet, der weit über reine Produktveränderungen hinausging. Im Mittelpunkt standen neue Geschäftsfelder, eine breitere Aufstellung des Unternehmens, mehr Mitwirkung und eine spürbare Verbesserung der Unternehmenskultur.
Ein wichtiger Schritt war die gemeinsame Qualifizierung. Im September 2020 fand eine Modulreihe für Betriebsrat und Vertrauenskörper statt. Damit wurde ein gemeinsames Verständnis für die Herausforderungen geschaffen. Kurz darauf folgte ein entscheidender Meilenstein: Am 22. September 2020 wurde ein Eckpunktepapier unterzeichnet. Es enthielt die Beschäftigungssicherung bis Ende 2021, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, die Einrichtung eines Transformationsteams, in dem auch die Unternehmenskultur ausdrücklich mitgedacht wurde.
Ein weiterer wichtiger Schritt war im Dezember 2022 der Aufbau eines Showrooms mit Transformationsprodukten im Rahmen der Weihnachtsfeier. Dadurch wurde der Wandel für die Beschäftigten sichtbar, erlebbar, ganz konkret greifbar. Ab 2023 ging das Projekt in eine neue Phase über: weg von der reinen Anschubphase, hin zur strukturierten Verstetigung.
Beschäftigung gesichert
Bis heute ist der Weg nicht abgeschlossen. Darin liegt seine besondere Qualität: Veränderung wurde nicht als kurzfristige Reaktion verstanden, sondern als langfristiger Gestaltungsprozess, der auch in Zukunft weitergeführt werden muss.
Und bei dem bislang schon viel gelungen ist: Aus dem stark vom Verbrennungsmotor abhängigen Kurbelwellenhersteller wurde Schritt für Schritt ein Anbieter hochpräziser Bauteile für unterschiedliche Anwendungen. Statt eines drohenden Personalabbaus von bis zu 25 Prozent der Belegschaft konnte die Beschäftigung nicht nur gesichert, sondern deutlich ausgebaut werden. Gleichzeitig verbesserten sich das Betriebsklima, das Vertrauen im Unternehmen und das Image des Standorts. Das Projekt zeigt, dass Mitbestimmung Transformation nicht nur begleiten, sondern erfolgreich gestalten kann.