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Prekäre Arbeit

Faire Jobs statt Arbeit um jeden Preis

16.11.2011 Ι Eigentlich ein Grund zur Freude: Die Wirtschaft brummt. Konzerne streichen Milliardengewinne ein. Doch dafür ist der Arbeitsmarkt in Schieflage geraten. Denn die Leiharbeit boomt und jungen Menschen wird der Berufseinstieg erschwert. Statt Arbeit um jeden Preis fordert die IG Metall eine nachhaltige Arbeitsmarktpolitik.

Zunehmend wälzen die Arbeitgeber ihr unternehmerisches Risiko auf Beschäftigte ab.

Nach der Krise entstehen zwar neue Jobs, jedoch vor allem in der Leiharbeit oder sie sind befristet. Statt fester Arbeitsverträge bieten die Firmen selbst gut und hoch qualifizierten Fachkräften nur noch befristete Verträge oder stellen sie als Leiharbeitnehmer ein. In anderen Fällen wird Arbeit ausgelagert oder per Werkvertrag eingekauft. Dieser Trend führt dazu, dass immer mehr Menschen von ihrem Job nicht mehr leben können.


Leiharbeit trifft auch Stammbeschäftigte

Etwa sieben Millionen der rund 41 Millionen Erwerbstätigen sind Minijobber. Eine Million sind Leiharbeitnehmer. Der immer größer werdende Niedriglohnsektor führt dazu, dass auch die durchschnittlichen Einkommen sinken. Im Bundesdurchschnitt über alle Branchen und Berufe hinweg gingen die durchschnittlichen Monatseinkommen real in den letzten zehn Jahren um 93 Euro zurück. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet. Dass das so ist, liegt vor allem an der Zunahme prekärer Beschäftigung. Zwar liegen die Verdienste von Stammbeschäftigten in den Metall- und Elektrounternehmen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Doch auch in diesen Branchen ziehen Leiharbeit und Minijobs die durchschnittliche Einkommensentwicklung nach unten. Auch wenn Stammbeschäftigte ein tarifliches Entgelt bekommen, die zerstörerische Kraft, die von der Leiharbeit ausgeht, wirkt sich nicht nur auf die Leiharbeitnehmer aus, sie trifft auch die Stammbelegschaft. Nicht wenige Unternehmen setzen Stammbeschäftigte vor die Tür und stellen sie alles Leiharbeitnehmer wieder ein. "Noch eindeutigere Belege kann es nicht geben: Wir brauchen eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt", fordert Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall.


Ungleiche Bezahlung ist nicht fair

Ein Beispiel für die Ungleichheit: In Nordrhein-Westfalen bekommt ein Leiharbeitnehmer, der in der Metall- und Elektroindustrie eingesetzt ist und über eine zweijährige Ausbildung verfügt, nach dem BZA/DGB-Tarif einen Stundenlohn von 9,84 Euro. Ein Festangestellter mit vergleichbaren Aufgaben verdient nach Tarif 14,45 Euro in der Stunde. Somit bekommt der ausgebildete Leiharbeiter etwa 32 Prozent weniger als sein festangestellter Kollege. Noch größer sind die Unterschiede bei ungelernten Beschäftigten: Hier liegt der Stundenlohn in der Metall- und Elektrobranche NRW tariflich bei 7,79 Euro. Ein Festangestellter erhält hingegen für Tätigkeiten, die keine oder nur eine kurze Anlernzeit erfordern, einen Stundenlohn von 12,91 Euro. Das ist eine Differenz von 40 Prozent.


"Wenn wir nicht wollen, dass Arbeit als wertvollster Rohstoff Deutschlands zur Ramschware verkommt, muss das Prinzip 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' endlich umgesetzt werden. Wir brauchen eine faire Ordnung am Arbeitsmarkt. Das erreichen wir mit wirkungsvollen Gesetzen und Tarifregelungen", begründet Berthold Huber die Forderung der IG Metall nach Equal Pay bei der Leiharbeit. 

Es geht nicht um eine pauschale Gleichbezahlung. Die IG Metall fordert, dass jeder Beschäftigte entsprechend seiner Tätigkeit bezahlt wird. Demnach müssen Leiharbeiter so bezahlt werden wie Tarif-Beschäftigte, wenn sie vergleichbare Tätigkeiten verrichten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Jungen nicht die Zukunft verwehren

Aber es geht nicht nur um faire Löhne. Gerade der jungen Generation werden die Chancen auf eine gute Zukunft verbaut. Jeder Dritte unter 35 hat noch nie in einem festem Arbeitsverhältnis gestanden. Und gerade die Berufseinsteiger werden mit einem verrohten Arbeitsmarkt konfrontiert. Nach der Ausbildung wird ein Großteil der Auszubildenden entweder gar nicht oder nur befristet übernommen. Das erschwert die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Denn beim Wechsel in eine andere Firma wird häufig Berufserfahrung erwartet und die bringen Berufseinsteiger nicht mit, wenn sie nach der Ausbildung keinen festen Arbeitsvertrag bekommen. Tatsächlich wurde 2009 jeder zweite Jungfacharbeiter im Osten nach bestandener Prüfung arbeitslos, im Westen waren es über 31 Prozent. Ein materiell gesichertes und selbstbestimmtes Leben ist so nicht möglich. Deshalb hat die IG Metall die Zukunftschancen und Perspektiven der jungen Generation auf ihrer Agenda ganz oben angesiedelt. Junge Menschen haben das Recht auf Arbeit. Und zwar nicht auf irgendeinen Job, sondern auf einen sicheren und guten Arbeitsplatz. Deshalb fordert die IG Metall in der laufenden Stahltarifrunde neben höheren Entgelten, einem verbesserten tariflichen Anspruch auf Altersteilzeit die  unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. 

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