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Jürgen Rüttgers stellte das Buch von Detlef Wetzel vor. Foto: Thomas Range

Jürgen Rüttgers stellte das Buch von Detlef Wetzel vor

"Der Neoliberalismus musste gegen die Wand fahren"

01.11.2012 Ι Es war ein Abend mit Gemeinsamkeiten und mit Gegensätzen. In Düsseldorf stellte der ehemalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das Buch des Zweiten Vorsitzenden der IG Metall, Detlef Wetzel, "Mehr Gerechtigkeit wagen" vor.

Wenn Arbeitsplätze auf der Kippe stehen und Menschen um ihre Existenz kämpfen, haben Politiker immer warme Worte parat. Doch es gibt einen Unterschied. Die einen lesen sie ab. Die anderen meinen sie ernst. Zu letzteren zählt der Metaller Detlef Wetzel den Politiker Jürgen Rüttgers. Sicher ein Grund, warum der CDU-Mann am Dienstagabend das Buch des Zweiten Vorsitzenden der IG Metall in Düsseldorf vorstellte. In der Stadt, in der die Wege der beiden ein Zeit lang parallel liefen. 2004 übernahm Wetzel hier die Leitung des IG Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen. Jürgen Rüttgers im Jahr darauf das Amt des Ministerpräsidenten. Eine interessante Paarung für die Vorstellung eines Buches, in dem es nicht nur um die Geschichte der Gewerkschaft in den letzten 40 Jahren geht, sondern auch darum, wie sich die politischen Verhältnisse in diesen Jahrzehnten verändert haben.

In seiner Rede erinnerte Rüttgers dann auch an die Kämpfe um BenQ, Nokia und Opel, bei denen er gemeinsam mit den Metallerinnen und Metallern vor den Werkstoren gestanden hatte. Dort, erzählte Rüttgers, erlebte er hautnah, warum Detlef Wetzel in seinem Buch schreibt: "Für mich ist die Mitgliederfrage die politischste überhaupt."

"Ohne ihre Mitglieder wären die Gewerkschaften Organisationen ohne Biss", sagte Rüttgers. Der ehemalige Ministerpräsident stimmte dem Autor in vielen Punkten zu. Auch er sei für eine Wiederbelebung der sozialen Marktwirtschaft. Aber dazu reiche es nicht, eine Konfliktlinie zwischen Gewerkschaften auf der einen und den Reichen, den Eliten und der Politik auf der anderen Seite zu ziehen. "Wenn wir die soziale Marktwirtschaft wiederbeleben wollen, müssen wir eine soziale Ordnung schaffen", sagte Rüttgers. Anders als Wetzel sieht Rüttgers die soziale Marktwirtschaft allerdings nicht völlig am Boden. Gerade die Krise habe gezeigt, wie gut die Sozialpartnerschaft funktioniert, und dass sie die einzig richtige Antwort darauf war.

Detlef Wetzel stimmte zu, dass Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Krise gut zusammengearbeitet haben. "Aber nach der Krise", sagte Wetzel, "hatte ich das Gefühl: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen."


Detlef Wetzel, Jürgen Rüttgers, Zuhörer während der Buchvorstellung


Auch bei den Krisenursachen waren sich Autor und Laudator einig. Für Rüttgers war schon vor Ausbruch der Krise klar, dass der Neoliberalismus gegen die Wand fahren musste. "Es kann nicht funktionieren, wenn der Aktienkurs das einzige Kriterium ist, das im Betrieb zählt."

Bei der Frage, welche Lehren die Politik daraus gezogen hat, gingen die Meinungen dann wieder auseinander. So hat sich für Jürgen Rüttgers seit der Krise einiges verändert. Die Änderungen seien allerdings sehr weit gestreut und deshalb nicht immer so offensichtlich. Wetzel zog dagegen eine vernichtende Bilanz: "Ich glaube, wir haben gar nichts aus der Krise gelernt. Die Banken machen weiter ihre Geschäfte. Sie leihen sich für ein Prozent Geld bei der EZB, um es für sechs, sieben oder acht Prozent an Länder wie Spanien oder Griechenland zu verleihen."

Für Wetzel kein unveränderlicher Zustand: "Ich bin ein grenzenloser Optimist und ich glaube, dass das Pendel wieder zurückschlagen kann. Aber das wird nicht von allein passieren. Da müssen wir alle etwas für tun." Damit sich das Pendel wieder in Richtung mehr Gerechtigkeit bewegt, brauche die Gesellschaft eine neue Übereinkunft für ein gutes Leben und für mehr Beteiligung in der Politik aber auch in den Betrieben. "Es kann doch nicht sein, dass ein Betrieb Gewinne macht und geschlossen wird, ohne dass die Beschäftigten gefragt werden", sagte Wetzel.

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