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Gefahren durch Asbest in Handwerksberufen

Irgendwann muss der Krempel wieder raus

24.02.2016 Ι Bei Asbest denken viele, das Thema hat sich erledigt, weil es ja seit Jahren verboten ist. Leider gefährdet das Material auch die Gesundheit von Menschen. Zum Beispiel Beschäftigte im Handwerk, wenn sie ältere Gebäude sanieren. IG Metall und Betriebsräte wollen das Risikobewusstsein schärfen.

Noch immer lauern auf Baustellen Gefahren durch den Krebserreger Asbest. Vor allem bei der Renovierung und beim Innenausbau von älteren Gebäuden können Asbestfasern freigesetzt werden. Denn bis in die 1990er Jahre wurde das langlebige Material in West und Ostdeutschland verbaut. Die nahezu weißen Fasern haben eine hohe Festigkeit und sind sehr leicht. Sie wurden im Schiffbau, zur Isolation von Kraftwerksteilen, in Fahrzeugen und in der Bauindustrie eingesetzt. In Gebäuden dienten sie zum Beispiel zur Brandschutzisolierung von Aufzugsschächten und Fußböden.

Jetzt sind die Gebäude in die Jahre gekommen. Überall da, wo Brandschutz angesagt war, griff man früher zu dem krebserregenden Material, das sich in der Lunge festsetzt. Immer wieder berichten Elektriker und Aufzugsmonteure von Fällen, wo sie auf Asbest stoßen. "Und dann kommt der alte Krempel wieder zutage, ohne dass sich alle Beschäftigten gleich der Gefahren bewusst sind", sagt Heinz Fritsche, der bei der IG Metall für Gesundheitsschutz zuständig ist. Gerade junge Handwerker ohne langjährige Berufserfahrung merken erst nach einer Weile, welches Material ihnen da entgegen quillt

In Europa gilt ein vollständiges Asbestverbot. Noch immer kommt es zu Importen von belasteten Produkten, zum Beispiel asbestbelastete Abgasdichtungen für Autos. Zum anderen werden heute tausende in den 1970er Jahren mit Spritzasbest isolierte Gebäude abgebrochen, alte Kraftwerke zurück gebaut, werden Dächer saniert, die mit Eternitplatten gedeckt sind. Schon eine einzelne Faser kann einen Tumor auslösen. Zwischen Exposition und Erkrankung können bis zu 40 Jahre vergehen. Allein in Deutschland starben 2011 rund 1500 Menschen an Berufskrankheiten, die durch Asbest verursacht wurden. 

Kein Relikt der Vergangenheit

Es gibt vier Berufskrankheiten durch Asbest: Die Staublungenerkrankung Asbestose, Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs durch Asbest, die besonders aggressive Krebserkrankung Mesotheliom und Lungenkrebs im Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Die Berufsgenossenschaften rechnen für Deutschland bis 2020 mit rund 20 000 Todesopfern nach Asbestexposition.

Die IG Metall will jetzt verstärkt die Beschäftigten über die Gefahren aufklären. Weil das Thema Asbest noch lange nicht erledigt ist, sondern im Gegenteil neue Aktualität hat, steht es diese Woche auch auf der Tagesordnung der Handwerkskonferenz der IG Metall. Dort kommen Betriebsräte aus den unterschiedlichen Betrieben und Gewerken zusammen. Die diesjährige Konferenz steht unter dem Thema "Gute Arbeit im Handwerk - sicher und gesund".

"Gefährdungen durch Asbest sind immer noch aktuell und keinesfalls ein Relikt aus der Vergangenheit", sagt Heinz Fritsche. "Wir empfehlen zum Beispiel, an den Baustellen abzuklären, von wann der Bau stammt und welche Materialien verbaut wurden." Auch eine Materialprobe, die kostenlos vom Institut der Berufsgenossenschaft analysiert wird, hilft, den Befund abzuklären, bevor größere Renovierungsarbeiten starten. Die IG Metall fordert deshalb, Gebäudebeschaffenheit und Baupläne vorher genau zu analysieren, bevor Arbeiten vorgenommen werde, durch die gefährliche Stoffe freigesetzt werden. Hier sind auch die Arbeitgeber und Bauleitungen in der Pflicht. Sie müssen eine genaue Bestandsaufnahme vornehmen, damit Beschäftigte nicht gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind.

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