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Fünf Jahre Hartz IV: Forscher ziehen Bilanz. Foto: mkorsakov / flickr.com

Fünf Jahre Hartz IV: Forscher ziehen Bilanz

Nur wenigen Arbeitslosen gelingt der Ausstieg

16.12.2009 Ι Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat Bilanz zu fünf Jahren Hartz IV gezogen. Hartz IV sei besser als sein Ruf, so der Tenor der Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Doch immer weniger Arbeitslosen gelingt die Rückkehr in ein normales Berufsleben. Viele ehemalige ALG-II-Bezieher finden nur noch Billigjobs. Immer mehr Arbeitnehmer kommen mit einer Stelle nicht über die Runden.

Immer weniger Menschen finden eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle, berichtet die Bundesregierung in einer Antwort auf Anfrage der Linkspartei, die der "Frankfurter Rundschau" vorliegt. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten reduzierte sich demnach zwischen Juni 1999 und Juni 2008 um 1,4 Millionen bzw. sechs Prozent auf 22,4 Millionen Menschen. Auf dem Vormarsch sind Minijobs. Binnen sechs Jahren wuchs deren Zahl um 29 Prozent auf über sieben Millionen an. Immer mehr Arbeitnehmer kommen mit einer Stelle nicht mehr über die Runden. Nach Angaben der Bundesregierung verdoppelte sich die Zahl der Menschen mit zwei Jobs zwischen 2002 und 2007 auf 1,8 Millionen.

Bilanz zu frünf Jahren Hartz IV
Welche Rolle Hartz IV dabei spielt, ist umstritten. Gestern legte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Bilanz zu fünf Jahren Hartz IV vor. Alles in allem wirke Hartz IV positiv. Die Langzeitarbeitslosigkeit sei deutlich zurückgegangen, betonte der Direktor des IAB, Joachim Möller. Allerdings weisen die Forscher in ihrer Bilanz auch auf erhebliche Mängel hin. Nur relativ wenige Menschen schafften es, aus der staatlichen Hilfe auszusteigen, bemängelt das Institut. Drei von vier Hartz-IV-Empfängern beziehen diese Leistung mindestens ein Jahr ohne Unterbrechung.

Arbeitssuchende werden in prekäre Jobs gedrückt
Claus Schäfer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sieht die Bilanz der Hartz IV-Reform skeptisch. Hartz IV habe eindeutig die Armut erhöht, kritisierte der Arbeitsmarktexperte im Interview mit "tagesschau.de". Selbst wenn Langzeitarbeitslose wieder einen Job fänden, könnten sie durch die "Hintertür" erneut bei Hartz IV landen. Nämlich dann, wenn es sich um einen prekären und schlecht bezahlten Job handele, von dem eine Familie nicht leben kann, sodass "aufstockendes" Hartz IV fällig wird. "Durch den Zwang von Hartz IV, so gut wie jede Arbeit anzunehmen, werden die Arbeitsuchenden häufig in diese Jobs hineingedrückt."

Ähnlich äußerte sich Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktexperte vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in "taz.de" . Die Ausweitung des Niedriglohnsektor sei zweifellos durch das System begünstigt worden. Auch die sogenannten Ein-Euro-Jobs seien kein geeignetes Instrument für die Rückführung in den Arbeitsmarkt. "Kurzfristige Maßnahmen wie Ein-Euro-Jobs dominieren", so Adamy. Faktoren, die Hartz IV verhinderten, wie etwa der Kindergeldzuschlag oder die Verbesserung beim Wohngeld, müssten bei einer Bilanz mit berücksichtigt werden. "Die verdeckte Armut hat vielleicht abgenommen", so Adamy, "doch die Angst vor Hartz IV und dem drohenden Statusverlust hat zugenommen."

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