IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
panthermedia_fachkraefte_120

Fachkräftewoche: In Deutschland steckt mehr

Fachkräftemangel kann man vorbeugen

26.10.2015 Ι In einigen Regionen und Berufen spüren Arbeitgeber bereits heute, dass Fachkräfte rar werden. Dennoch beugen nur wenige vor. Dabei sind manche Antworten überraschend einfach. Eine Antwort ist Qualifizierung, beispielsweise über eine Bildungsteilzeit. Diese gilt seit dem Frühjahr in der Metall- und Elektroindustrie.

Die einen kümmern sich um Nachwuchs, die anderen klagen über Facharbeitermangel und wollen ihn mit längeren Lebensarbeitszeiten oder einem niedrigeren Mindestlohn für Flüchtlinge bekämpfen. Die öffentliche Diskussion bestimmen oft letztere und liefern die Katastrophenszenarien gleich mit. So prophezeite das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft 2009 einen dramatischen Mangel in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen - für 2014.

 

Bereits seit November 2014 gibt es die Partnerschaft für Fachkräfte in Deutschland. Beteiligt sind die Bundesregierung, die Bundesagentur für Arbeit, BDA, ZDH, DIHK, der DGB und einige Einzelgewerkschaften, auch die IG Metall. Um die Fachkräftebasis zu stärken, gibt es zurzeit bundesweit viele Veranstaltungen. Im Mittelpunkt steht dabei, welche Potenziale für die Fachkräftesicherung bestehen und wie diese noch besser genutzt werden können.


"In einigen Regionen und Berufen spüren wir bereits jetzt, dass Fachkräfte nicht auf Bäumen wachsen", erklärte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall anlässlich der Eröffnung der Fachkräftewoche heute in Berlin. Doch einen flächendeckenden Fachkräftemangel sieht die IG Metall noch nicht. Es fehlen Fachleute in einigen Berufen und in einigen Regionen. Die Lücke könnte in den nächsten Jahren größer werden. Der demografische Wandel muss aus Sicht der IG Metall aber nicht zwangsläufig zu einem dramatischen Einbruch führen, wenn Arbeitgeber vorsorgen. 

Die Gewerkschaft fordert, Menschen mehr Aufstiegschancen und gute Arbeitsbedingungen, eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben sowie gute Arbeitsbeziehungen zu bieten und sie zu qualifizieren. So kann man dem Fachkräftemangel begegnen. "Die im Frühjahr in der Metall- und Elektroindustrie vereinbarte Bildungsteilzeit ist ein erster Schritt in die richtige Richtung", so Hofmann.


 

Vorsorgen hilft

Thomas Steinhäuser hat für die Klagen kein Verständnis. "Auf der einen Seite jammern die Arbeitgeber, dass sie kein qualifiziertes Personal kriegen, und auf der anderen Seite wollen sie in Thüringen das Recht auf Bildungsfreistellung verhindern", sagt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Eisenach. In Südthüringen liegt die Arbeitslosenquote bei fünf Prozent. Dennoch gebe es keine Probleme, Stellen zu besetzen. Bei Tarifverträgen winken Arbeitgeber oft ab. Sie wollen die Bedingungen mit den Bewerbern aushandeln. "Vielleicht begreifen sie ja, dass sie mit Tarifverträgen Fachkräfte halten können, wenn kein Bewerber mehr kommt. Aber so weit ist es noch nicht."

Etwa mit dem Tarifvertrag zur Bildungsteilzeit. Damit hat die IG Metall gemeinsam mit den Arbeitgebern ein Instrument geschaffen, mit dem Unternehmen Fachkräfte aufbauen können. Beschäftigte können ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren und sich neben der Teilzeit oder im Blockmodell fortbilden und etwa nach der Ausbildung noch ein Studium machen. Aus Sicht der IG Metall wertet er das duale System für qualifizierte junge Menschen auf und sichert den Unternehmen den Nachwuchs. Vorausgesetzt, sie bilden aus.

Anfang des Jahres erfuhr Werner Cappel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Homburg-Saarpfalz, dass Terex in Zweibrücken in diesem Jahr nicht ausbilden wolle. Betriebsrat und IG Metall protestierten gegen diese Pläne mit Erfolg: Terex stellte wieder Auszubildende ein. "Sie haben die Zahl der Ausbildungsplätze zwar halbiert", sagt Cappel, "aber sie bilden weiter aus." Wichtig für eine Region mit einer Ausbildungsquote von nur knapp drei Prozent. Der Durchschnitt liegt bei fünf.

Wenn Unternehmen Ausbildung vernachlässigen, kann ein plötzlicher Aufschwung heilsam wirken. Bei ZF TRW in Koblenz kämpfte der Betriebsrat jahrelang darum, mehr junge Menschen auszubilden. Dann wuchs das Unternehmen in wenigen Jahren von 600 auf 1000 Beschäftigte und plötzlich war die Einsicht da. Betriebsrat Erdal Tahta hätte sie sich früher gewünscht. "Wir hatten Probleme, Fachkräfte zu bekommen. Es sind noch viele Stellen unbesetzt." Um attraktiv für Fachkräfte zu sein, hat der Betriebsrat mit der Geschäftsführung die Arbeitsbedingungen verbessert, psychische Belastungen am Arbeitsplatz ermittelt und abgestellt und verschiedene Arbeitszeitmodelle eingeführt. "Und wir sind tarifgebunden", sagt Tahta. "Das ist ein Riesenargument für uns." Und: ZF TRW stellte zehn Azubis mehr ein.  

 

Chance für Hauptschüler

Wer Fachkräfte will, muss auch denen eine Chance geben, die nicht die besten Noten und Schulabschlüsse mitbringen. Der Autobauer Porsche tut das bereits. Der Betriebsrat setzte durch, dass 40 Prozent der Ausbildungsplätze an Bewerber mit Hauptschulabschluss vergeben werden. Betriebsrat und Vorstand haben vor vier Jahren ein Förderjahr für junge Menschen, deren Leben nicht schnurgerade verlief, eingeführt. Sie werden zwölf Monate auf die Ausbildung vorbereitet und von Sozialpädagogen unterstützt. Uwe Hück, Vorsitzender des Betriebsrats: "Wir beklagen den Fachkräftemangel nicht, wir tun etwas dagegen. Deshalb haben wir die Zahl unserer Ausbildungsplätze von 100 auf 150 erhöht und garantieren die unbefristete Übernahme. Die Leute stehen zu 100 Prozent hinter dem Unternehmen, der Betriebsrat und der IG Metall. Sie sagen uns: "Ohne Euch hätte ich das nicht geschafft."

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
box_fachkraeftewoche

Die Initiative "Partnerschaft für Fachkräfte in Deutschland", der die IG Metall angehört, setzt sich dafür ein, Arbeits- bedingungen attraktiv zu gestalten, um Fachkräfte zu sichern. Wie das geht, will die Partnerschaft in einer Fachkräfte- woche vom 26. Oktober bis 1. November zeigen. Bundesweit stellen sich Betriebe vor, die ihren Fachkräftebedarf mit guten Arbeitsbedingungen sichern.

Im Rahmen der Fachkräftewoche besucht Arbeitsministerin Andrea Nahles Ende Oktober den Waiblinger Motor-sägenhersteller Stihl. Sie nimmt an einer Diskussion zur Fachkräftesicherung teil, die IG Metall und Südwestmetall in Baden-Württemberg initiiert haben.

Servicebereich