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Deutscher Betriebsrätepreis 2011: Betriebsrat von Risse & Wilke GmbH erhält Bronze

Bronze für ''gelebte Solidarität''

25.10.2011 Ι Keine Leiharbeit bis 2015. Mehr Ausbildungsplätze. Und: Die Wiedereinstellung aller Beschäftigten, die in der Krise 2009 entlassen wurden. Der Betriebsrat des Kaltwalzwerks Risse & Wilke GmbH in Iserlohn hat sich erfolgreich für jeden Einzelnen eingesetzt. Dafür bekam er den Deutschen Betriebsrätepreis 2011 in Bronze.

Stammbeschäftigte raus, Leiharbeiter rein - das war und ist die gängige Praxis in vielen Unternehmen. Vor allem in denen, die krisenbedingt in den Jahren 2009 und 2010 Mitarbeiter entlassen haben. Als die Konjunktur wieder anzog, haben die meisten Firmen Leiharbeiter eingestellt und nicht unbefristete Stellen geschaffen. Nicht so die Firma Risse-Wilke GmbH in Iserlohn. Das haben die Betriebsräte verhindert. Von Beginn der Krise an haben die Arbeitnehmervertreter dort für jeden einzelnen Arbeitsplatz gekämpft, die Wiedereinstellung von Entlassenen organisiert und Leiharbeit bis 2015 mit einer Betriebsvereinbarung verhindert. An diesem Prozess war die Belegschaft von Anfang an beteiligt.

Für dieses Engagement wurde der Betriebrat des Iserlohner Kaltwalzwerks mit dem "Deutschen Betriebsrätepreis 2011" in Bronze ausgezeichnet. Der Betriebsrat von Risse & Wilke habe dafür gesorgt, dass alle Beschäftigten, die 2009 in der Krise gehen und in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln mussten, wieder eingestellt wurden, lobte Professor Heinrich Wottawa von der Ruhr-Uni Bochum die Arbeit der Arbeitnehmervertreter. Das sei "gelebte Solidarität". Zu sagen, "hier kommt kein Neuer rein, solange die Alten nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind", sei richtig gewesen. Denn normalerweise gelte für Entlassene, "einmal weg ist weg". Diese Art der Krisenbewältigung habe der Betriebsrat durchkreuzt - und darauf könne er stolz sein.

Jobs im Betrieb gehalten

2009 brachen bei Risse & Wilke die Bestellungen weg. Die Einbußen summierten sich auf 60 bis 65 Prozent. Der Arbeitgeber wollte aus dem Tarifvertrag aussteigen. Das kam für den Betriebsrat nicht in Frage. Er hatte vor allem ein Ziel: So viele Arbeitsplätze wie möglich halten, stellte Klaus-Peter Neumaier, Vorsitzender des Betriebsrats, klar.

Die Arbeitnehmervertreter setzten auf eine Palette verschiedenster Maßnahmen: Die Arbeitszeit wurde flexibilisiert. Das bedeutete Kurzarbeit an elf von 20 Arbeitstagen im Monat. Außerdem bauten die Beschäftigten ihre Arbeitszeitkonten und die Freischichten ab. Doch das reichte nicht. Deshalb wechselten etwa 60 Beschäftigte in die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (PEAG). Diese Mitarbeiter nahmen dort an Qualifizierungsmaßnahmen teil, mitfinanziert auch vom Arbeitgeber.  



Ursprünglich wollte das Management mehr als 100 Leute zur PEAG schicken. Damit war der Betriebsrat jedoch nicht einverstanden. "Wir haben um jeden einzelnen gestritten", sagte Neumaier. Die Interessenvertretung hatte Sozialkriterien festgelegt und nach diesen Kriterien entschieden, wer in die Qualifizierungsgesellschaft geht. Am Ende waren es dann 60 Leute. 

Der Betriebsrat hat stets darauf gepocht, dass diese Kolleginnen und Kollegen nach der Krise wieder in das Unternehmen zurückkehren können. "Hier wird niemand eingestellt, bevor Du nicht wieder drin bist" - das hat der Betriebsrat jedem einzelnen versprochen. Und es klappte. Alle, bis auf diejenigen, die nicht mehr zurück wollten, sind wieder bei Risse & Wilke beschäftigt - zu den alten Konditionen. Das bedeutet, Dienstzeiten und Betriebsrente werden angerechnet. Ende 2010 gab es dann die ersten zusätzlichen Neueinstellungen. Darauf ist Neumaier besonders stolz. Seit 30 Jahren gehört der gelernte Starkstromelektriker dem Betriebsrat an. Seit 1983 ist er Vorsitzender des Gremiums.

Beschäftigte beteiligt

Dass die Belegschaft diesen Prozess mitgetragen hat, lag vor allem daran, dass der Betriebsrat alle in jeder Phase beteiligt hat. Die Beschäftigten wurden immer wieder in Betriebs- und Abteilungsversammlungen und in Einzelgesprächen informiert. Das hat allen - Betriebsrat und Belegschaft - Rückhalt gegeben und es war der entscheidende Faktor, erklärt Klaus-Peter Neumaier.

Von Anfang an hat der Betriebsrat mitgedacht, was nach der Krise kommt. Deshalb hat er es auch abgelehnt, über Abfindungen zu verhandeln. Denn der Betriebsratsvorsitzende wusste von anderen Firmen: Wer einmal eine Abfindung kassiert hat, der kommt nie mehr zurück. Diese Rechnung ist aufgegangen: Alle die, die zurückwollten, sind wieder bei Risse & Wilke beschäftigt. Zu ihren alten Konditionen. Leiharbeit gibt es nicht. Das blockiert bis 2015 eine Betriebsvereinbarung.

Und es gibt einen weiteren Erfolg zu melden: Die Ausbildungsquote wurde hochgefahren. Sie liegt inzwischen bei acht Prozent.

Gold und Sonderpreise an weitere IG Metall-Betriebsräte

Den Betriebsrätepreis in Gold erhielt der Betriebsrat des Flugzeugbauers Airbus. Mit seinem Engineering-Forum konnte er Ingenieure, technische Angestellte und Hochqualifizierte in die betriebliche Interessenvertretung einbinden. Sonderpreise erhielten außerdem die IG Metall-Betriebsräte von Aesculap AG in Tuttlingen und ATIKA GmbH & Co. KG in Ahlen sowie die Interessenvertreter von B. Braun Melsungen AG und der Deutschen Post AG, Briefzustellung Nürnberg.

Der Gesamtbetriebsrat der Schott AG, Mainz, erhielt den Betriebsrätepreis in Silber. Die Interessenvertreter des Technologiekonzerns haben ein umfangreiches Projekt zum Thema Demografie initiiert.

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Worum es geht

Einmal jährlich wird auf Initiative der Zeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb" der "Deutsche Betriebsrätepreis" verliehen. Mit dem Preis wird die vorbildliche Arbeit von Betriebsräten anerkannt, gewürdigt und ausgezeichnet.

Vier Preise an IG Metall-Betriebsräte
In diesem Jahr wurden für den Preis sechs Betriebsratsgremien aus dem Organisationsbereich der IG Metall nominiert. Davon haben vier Betriebsräte einen Preis erhalten: Gold ging an die Arbeitnehmervertreter des Flugzeug- bauers Airbus und Bronze an den Betriebsrat des Iserlohner Kaltwalzwerks Risse & Wilke GmbH. Die IG Metall-Betriebsräte von Aesculap AG in Tuttlingen und ATIKA GmbH & Co. KG in Ahlen erhielten jeweils einen Sonderpreis.

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