IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Betriebsräteumfrage zur Leiharbeit

Betriebsräteumfrage zur Leiharbeit

Arbeitsministerin von der Leyen vernichtet reguläre Jobs

27.09.2010 Ι Deutschland wird zum Land der Leiharbeit. Das belegt eine Umfrage der IG Metall unter rund 5150 Betriebsräten. Darin wird deutlich, dass neue Stellen vor allem mit Leiharbeitern und befristet Beschäftigten besetzt werden. Und Arbeitsministerin von der Leyen weigert sich, eine gesetzliche Regulierung umzusetzen. Dabei ist das jetzt EU-Recht.

Die IG Metall hat zur aktuellen Situation von Leiharbeit eine Befragung durchgeführt, an der sich 5159 Betriebsratsvorsitzende aus den Branchen der IG Metall beteiligt haben.

Leiharbeit findet nicht nur bei Schlecker statt
Obwohl die Drogeriemarktkette die vermutlich bekanntesten und skandalösesten Leiharbeitspraktiken aufweist, nimmt die Ausbeutung von Arbeitnehmern durch Leiharbeit auch in den Branchen der IG Metall zu.
Nach der Krise gibt es einen großen Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften. Etwa 85 Prozent der befragten Betriebsratsvorsitzenden gaben an, dass dies in ihrem Unternehmen der Fall sei. Aufgebaut werden aber vor allem prekäre Arbeitsverhältnisse: Zusammengenommen wird zusätzliche Beschäftigung fast sechsmal häufiger durch Leiharbeit und Befristung abgedeckt als über unbefristete Einstellungen. Nur bei einer kleinen Minderheit überwiegen unbefristete Neueinstellungen. 85 Prozent der Betriebe mit zusätzlichem Arbeitskräftebedarf setzen überwiegend auf prekäre Arbeitsverhältnisse, davon 43 Prozent auf Leiharbeit und 42 Prozent auf Befristung.



Bereits wieder 825 000 Leiharbeiter
Bereits am Anfang des Aufschwungs ist das Niveau des Jahres 2008 in der Leiharbeit wieder erreicht und in vielen Betrieben bereits überschritten. Derzeit sind in Deutschland rund 825 000 Leiharbeiter angestellt. 
Durch den Einsatz von Kurzarbeit konnten Massenentlassungen in der Krise vermieden werden. Unmittelbar nach dem Ende der Kurzarbeit müssen schon 20 Prozent (hochgerechnet entspricht das rund 2000 Betrieben im Organisationsbereich der IG Metall) der befragten Betriebsräte feststellen, dass Stammbelegschaften durch Leiharbeit ersetzt worden sind. In Betrieben mit 1000 bis 2000 Beschäftigten ist dies besonders deutlich festzustellen. 27 Prozent der Betriebsräte geben an, dass in ihren Betrieben Stammarbeitsplätze verdrängt werden.



Bundesregierung verhöhnt EU
Statt den Missbrauch von Leiharbeit in Deutschland zu begrenzen, öffnet Arbeitsministerin Ursula von der Leyen mit ihrem kürzlich vorgestellten Gesetzesentwurf Tür und Tor für den ungebremsten Abbau von Stammarbeitsplätzen. Weder eine Höchstüberlassungsdauer noch ein Verbot der Synchronisation (Koppelung von Arbeitsvertrag und Leiharbeitseinsatz) sind dabei vorgesehen. Stammbelegschaften können weiter durch Leiharbeitnehmer ersetzt werden.

Es gibt im Gesetzentwurf keine Bestimmungen, die eine gleiche Bezahlung von Leiharbeitnehmern sichern. Die Unternehmen, die sich mit Leiharbeit ein zweites, niedrigeres Entlohnungsniveau schaffen wollen, können munter weitermachen. Sie werden mit dieser Gesetzesregelung geradezu eingeladen, Teile der Belegschaft auszugliedern und sie dann als Leiharbeitnehmer und Leiharbeitnehmerinnen wieder direkt einzusetzen. Sprach man bisher in solchen Fällen von Missbrauch, so können sich die Arbeitgeber in Zukunft auf eine gesetzliche Regelung berufen.

Die EU-Richtlinie Leiharbeit fordert einen wirksamen "Gesamtschutz" der Leiharbeitnehmer. Die Leiharbeitsbranche ist nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit knapp 12 Prozent der Wirtschaftszweig mit den meisten Hartz-IV-Aufstockern. Das zeigt, dass der notwendige "Schutz" nicht vorhanden ist. Die IG Metall geht davon aus, dass dieser Gesetzentwurf einer Überprüfung des Europäischen Gerichtshofes nicht standhält.

Daher fordert die IG Metall von der Bundesregierung eine Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG), die folgende Punkte berücksichtigt:

  • Die gleiche Bezahlung von Stammbeschäftigten und Leiharbeitnehmern
  • Kein dauerhafter, strategischer Einsatz von Leiharbeit
  • Einführung einer Höchstüberlassungsdauer
  • Wiedereinführung des Synchronisationsverbots
  • Stärkung der Rechte des Entleiherbetriebsrates

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen


Detlef Wetzel fordert im Rahmen der Betriebspolitischen Konferenz in Leipzig Nachbesserungen beim Leiharbeitsgesetz.

Leiharbeit fair gestalten.
Fragen zur Leiharbeit? Rufen Sie an!

Für alle Fragen rund um die Leiharbeit hat die IG Metall für Leiharbeitnehmer, die Mitglied sind, eine Hotline eingerichtet. Unter 0800 - 4463488 können sie sich kostenfrei beraten lassen.

Servicebereich