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Beschäftigungssicherung im Maschinenbau: Betriebsräte sichern Arbeitsplätze

Beschäftigungssicherung im Maschinenbau

Hier haben Betriebsräte geholfen

29.03.2010 Ι Arbeitsplätze retten, Fachkräfte halten - damit sind auch die Betriebsräte in Unternehmen des Maschinenbau beschäftigt. Bei Oerlikon, Otis und ThyssenKrupp Fahrtreppen haben die Betriebsräte erfolgreich Arbeitsplätze gesichert.

Oerlikon: Nachhaltig Beschäftigung sichern
Die Krise kam für Oerlikon nicht überraschend. Als die Zölle für China-Exporte 2008 angehoben wurden, brachen die Aufträge für den Textilmaschinenbauer dramatisch ein. Der vom Unternehmen geplante Stellenabbau konnte jedoch in engen Grenzen gehalten werden. "Die Krise war für uns regelrecht absehbar", sagt Sabine Kuhlmann, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Oerlikon in Remscheid. "Deshalb konnten wir frühzeitig mit Beschäftigungssicherungsmaßnahmen zunächst Schlimmeres verhindern." Inzwischen zieht das Geschäft wieder an. Insbesondere im Bereich der Chemiefasermaschinen sind die Kapazitäten bis 2011 voll ausgelastet. "Der Textilmaschinenbau unterliegt sehr kurzen Zyklen", sagt die Gesamtbetriebsratsvorsitzende. "Aber an die Aufs und Abs sind wir inzwischen gewöhnt. Deshalb setzen wir auf nachhaltige Maßnahmen, um Beschäftigung zu sichern: Zeitwertkonten und Kurzarbeit. Auch den demografischen Wandel nehmen wir verstärkt in den Blick." Anders der Arbeitgeber, der vor einigen Jahren im Textilsegment aus der Flächentarifbindung ausgestiegen ist: Kurzfristig möchte er Stellen streichen, zwei Standorte schließen und beim Entgelt sparen. "Damit ist aber keine Zukunft zu machen", so Sabine Kuhlmann. "Denn auf Neuentwicklungen kommt es an. Und die finden nicht in China statt. Für uns heißt das: Facharbeit und betriebliches Know-how dauerhaft zu erhalten und unsere Kernkompetenzen weiter auszubauen."


Durch den Auftragseinbruch ging der Umsatz im Maschinenbau um über 22 Prozent zurück, die Produktion sank um mehr als ein Viertel und die Produktivität um 16 Prozent. Bisher konnten Massenentlassungen vermieden werden. Trotzdem gibt es im Vergleich zu 2008 zwei Prozent weniger Beschäftigte.

Aktionen bei Otis gegen Stellenabbau
Mit Protestaktionen wehren sich die Beschäftigten des Aufzugsherstellers Otis gegen den vom Arbeitgeber geplanten Stellenabbau. Höhepunkt war ein Autokorso in Berlin aus Anlass der Aufsichtsratssitzung Anfang November 2009 mit rund 300 Autos, an dem sich 1200 Kolleginnen und Kollegen beteiligten. Zuvor hatte der Betriebsrat eine Umfrage unter den Beschäftigten organisiert, um ein Feedback zu den Forderungen des Arbeitgebers zu erhalten. "Nach einem Auftragseinbruch 2009 um 15 Prozent will Otis jeden vierten Arbeitsplatz streichen", sagt Christof Loscher, Betriebsratsvorsitzender am Standort Frankfurt. "Klare Meinung der Beschäftigten: Das gefährdet die Kompetenz sowie das Knowhow des Unternehmens und damit unsere Zukunft." Der Betriebsrat legte sein Alternativkonzept vor: Er sprach sich unter anderem für kürzere und flexiblere Arbeitszeiten aus und dafür, gegebenenfalls Kurzarbeit zu nutzen. Außerdem setzt er sich dafür ein, Prozesse zu analysieren und effizienter zu gestalten. Erste Erfolge kann die Belegschaft bereits verbuchen: Der Arbeitgeber korrigierte den geplanten Stellenabbau nach unten und ist offen für weitere Gespräche.

Kampf um Arbeitsplätze in Hamburg
Die Redaktion des Maschinebau-Magazins kompakt der IG Metall hat mit Diethelm Skudza, Betriebsratsvorsitzender, und Volker Teichert, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von ThyssenKrupp Fahrtreppen über ihre Arbeit gesprochen.
kompakt: Mit welcher Forderung wurdet Ihr konfrontiert?
Skudza: Aufgrund der Auftragsflaute sowie des starken Wettbewerbsdrucks hatte der Thyssen-Krupp-Konzern für uns ein radikales Sparziel ausgegeben. Als positives Signal war zu vernehmen, dass der Standort definitiv erhalten bleiben soll. Jedoch nicht ohne Stellenabbau. Nach den derzeitigen Plänen der Geschäftsführung stehen "nur" noch 169 Beschäftigte zur Disposition. Die Geschäftsführung will - bei einem zu erwartenden Auftragseingang von 830 Fahrtreppen im Geschäftsjahr 2010/2011 - 520 in Hamburg fertigen sowie 310 aus China importierte Anlagen hier nur noch final komplettieren.
kompakt: Und was wollt Ihr?
Teichert: Der Betriebsrat fordert, dass 700 der 830 Fahrtreppen in Hamburg gefertigt werden. Darüber hinaus ist die Belegschaft bereit, die Arbeitszeit von derzeit 35 Stunden in derWoche auf 32 Stunden zu reduzieren. Damit wollen wir insgesamt 460 Arbeitsplätze erhalten. Entgegen der düsteren Prognose der Arbeitgeberseite gehen wir von einer positiven Entwicklung des Auftragseingangs aus. Wir sind strikt gegen betriebbedingte Kündigungen und fordern eine Standortsicherung bis 30. September 2014.

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