IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Beriebsrätepreis 2014: Jenoptik Essen. Foto: Dieter Kröhn, privat

Beriebsrätepreis 2014: Jenoptik Essen

"Der Zusammenhalt war unsere Rettung"

08.08.2014 Ι Das erklärt Dieter Kröhn, Betriebsratsvorsitzender von Jenoptik Essen. Belegschaft und Betriebsrat kämpften gemeinsam und verhinderten, dass der Standort Essen nach Wedel verlagert wurde. Die Beschäftigten in Essen behielten ihre Jobs, ebenso wie die Mitarbeiter in Wedel.

Der gemeinsame Kampf dauert mehr als ein halbes Jahr, eine Zeit voller Höhen und Tiefen, Fortschritten und Rückschlägen, aber am Ende, am Ende ist es gut gegangen: Die Standortverlegung konnte verhindert werden, die 80 Beschäftigten in Essen behielten ihre Arbeitsplätze. Dieter Kröhn, Betriebsratsvorsitzender von Jenoptik in Essen, ist stolz darauf. "Ohne den Mut und die Standhaftigkeit der Belegschaft hätten wir das nicht geschafft."

Beides war von Anfang an da, vom ersten Tag, als die Geschäftsführung ihre Umzugspläne bekannt gab. Es war der 12. Dezember 2012, ein Donnerstag, und Dieter Kröhn war, wie er heute sagt, in "Schockstarre". Am Morgen hatte die Geschäftsführung die Beschäftigten informiert. Der Standort Essen rechne sich nicht mehr, sagten sie. Es sollen aber keine Mitarbeiter gekündigt werden, es sollen alle einen neuen Vertrag bekommen. Für den Standort in Wedel, rund 350 Kilometer weit weg. Weil die Zusammenlegung mit dem Standort Wedel Synergien schaffe.

 

Gute Argumente reichten nicht aus

Die Argumente der Geschäftsführung - dass der Standort in Essen wirtschaftliche Probleme habe und eine Zusammenlegung große Synergien bringe - konnte der Betriebsrat schnell widerlegen. Aber es war allen klar, dass Argumente allein nicht ausreichen werden. "Die Belegschaft musste einen Beitrag leisten", sagt Kröhn, "unsere Aufgabe bestand darin, die Kolleginnen und Kollegen an der Diskussion zu beteiligen, für sie zu kämpfen und zwischen den Standorten Solidarität herzustellen und zu halten."

Eigenes Konzept entwickelt

Das ist gelungen. Aber es brauchte dafür viel Kraft. Und eine Menge guter Ideen. Sie haben Betriebsversammlungen abgehalten, jeden Tag eine, sie haben Workshops ins Leben gerufen, die Kolleginnen und Kollegen dazu angetrieben, eigene Ideen zu entwickeln, selbst ein Konzept darüber auszuarbeiten, wie der Standort gehalten werden könne. Irgendwann kamen sie dann auf die Idee "rollende Betriebsversammlungen" abzuhalten: Es wurden Busse organisiert, die von einem Standort zum anderen fuhren. Während der Fahrt diskutierten Beschäftigte und Betriebsrat darüber, was sie als nächstes tun könnten. Die Geschäftsführung reagierte mit Drohungen und Abmahnungen.

Am Ende aber ließen sie sich nicht einschüchtern, nicht die Beschäftigten, nicht der Betriebsrat. Am Ende kam es doch noch zu einer Einigung: Die Beschäftigten in Essen verzichten auf die Tariferhöhung von 3,4 Prozent und arbeiten unbezahlt eine Stunde pro Woche länger. Und die Kollegen in Wedel machen es genauso. "Der Zusammenhalt war unsere Rettung", sagt Dieter Kröhn, "nur so konnten wir die Geschäftsführung überzeugen".

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
box_extranet_login
Exklusiv für Betriebsräte
vb_box_br_preis_2014

Auf Initiative der Zeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb" wird einmal jährlich der Deutsche Betriebsrätepreis verliehen. Mit dem Preis wird die vorbildliche Arbeit von Betriebsräten anerkannt, gewürdigt und ausgezeichnet.

 

Sechs IG Metall-Betriebsräte nominiert
In diesem Jahr sind sechs Gremien aus dem Organisationsbereich der IG Metall für den Betriebsrätepreis nominiert.  

Betriebsrätepreis
Der Betriebsrätepreis in den Vorjahren
Servicebereich