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Arbeitsmarktstudie der OECD

Lob und Tadel von der OECD für Deutschland

11.07.2012 Ι Ein robuster Arbeitsmarkt, aber Niedriglöhne und große Einkommensunterschiede - die neueste OECD-Arbeitsmarktstudie enthielt für Deutschland Lob und Tadel. Für eine zukunftsorientierte Beschäftigung, sind ein starkes Flächentarifsystem, faire Löhne, gute Arbeit und eine ausreichende soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit notwendig, so Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall heute in Frankfurt.

Monat für Monat meldet die Bundesagentur für Arbeit neue Erfolge auf dem Arbeitsmarkt. Doch der Schein trügt. Das zeigt sich, wenn man die Arbeitslosenstatistik genauer unter die Lupe nimmt. Und das hat auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer neuen Arbeitsmarktanalyse festgestellt. Die Experten loben zwar die sinkende Zahl der Arbeitslosen. Kritik gibt es aber für die Entwicklung der Einkommen. Minijobs und Leiharbeit - neue Jobs entstehen in Deutschland vor allem im Niedriglohnbereich.

"Es entwickelt sich ein gespaltener Arbeitsmarkt, mit gut bezahlten Fachkräften einerseits und prekär und zu Niedriglöhnen Beschäftigten andererseits. Viele Menschen können von ihrer Arbeit nicht mehr leben. Vor allem viele junge Menschen arbeiten in unsicheren Verhältnissen", sagt Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Tatsächlich wird gerade für viele junge Menschen eine Festanstellung zum Luxus.


Hohe Quote an Langzeitarbeitslosen in Deutschland

Ein weiterer dunkler Fleck auf der Fassade der Arbeitsmarktstatistik ist die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland. Die OECD hat in ihrer Studie festgestellt, dass hierzulande der Anteil der Langzeitarbeitslosen deutlich höher als in anderen Industriestaaten ist. So sind in Deutschland fast die Hälfte der Arbeitslosen länger als ein Jahr ohne Job. Das ist im Vergleich zum OECD-Durchschnitt deutlich mehr. Dort sind es nur 35 Prozent. Zu den Langzeitarbeitslosen zählen Arbeitslose, die länger als zwölf Monate arbeitslos gemeldet sind.


Wer in Deutschland länger als ein Jahr arbeitslos ist, hat es schwer, einen neuen Job zu finden. Nur jeder vierte von zehn Langzeitarbeitslosen schafft das. Dagegen finden Arbeitslose, die kürzer arbeitslos sind, noch mit 80prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Beschäftigung.


Zudem werden die Einkommensunterschiede in Deutschland immer größer. Grund dafür sind der immer größer werdende Niedriglohnbereich. Mehr als 7 Millionen Menschen arbeiten in Minijobs und die Zahl der Leihbeschäftigten nähert sich der Millionengrenze. Auch ihr Einkommen liegt im Durchschnitt deutlich unter dem von Normalverdienern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verdienen atypisch Beschäftigte lediglich 66,4 Prozent des Entgeltes von Normalarbeitnehmern. Zudem sind von den 2,8 Millionen Arbeitslosen zwei Millionen auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Das sind nicht nur die Langzeitarbeitslosen. Dazu zählen auch ehemalige Beschäftigte, die wegen zur kurzer Arbeitsverhältnisse keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben und Studenten.


Für eine zukunftsorientierte Beschäftigungspolitik

Die IG Metall fordert eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. "Nicht Niedriglöhne, prekäre Beschäftigung und Druck auf Arbeitslose, sondern ein starkes Flächentarifvertragssystem, faire Löhne, sichere und gute Arbeit und eine ausreichende soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit weisen die richtige Richtung für eine zukunftsorientierte Beschäftigungspolitik", so Hans-Jürgen Urban.


Elemente einer solchen neuen Ordnung sind für die IG Metall die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, die Regulierung von Leiharbeit und die Umsetzung des Grundsatzes "Gleiche Arbeit, gleiches Geld, gleiche Rechte", die Begrenzung von Werkverträgen, die Verbesserung der sozialen Absicherung für Arbeitslose sowie neue Zumutbarkeitsregeln, die Arbeitslose nicht zur Aufnahme einer Arbeit zwingen, die untertariflich beziehungsweise unterhalb ortsüblicher Entgelte entlohnt wird.

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