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Arbeitsmarkt: Zahlen und Qualität der Jobs klafft auseinander

Jetzt muss der zweite Schritt erfolgen

27.07.2011 Ι Am Donnerstag werden die Arbeitsmarktzahlen für Juli veröffentlicht. Bereits im Juni waren weniger als drei Millionen menschen arbeitslos. Die Zahlen sehen also vergleichsweise gut aus, bei der Qualität der Jobs zeichnet sich jedoch ein völlig anderes Bild ab.

"Wir begrüßen es, dass mehr Menschen in Arbeit sind", erklärt Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. "Jetzt muss aber der zweite Schritt folgen: Die neuen Jobs müssen auch qualitativ etwas wert sein und nicht nur die Statistik aufpolieren." Leiharbeit, Befristung und Minijobs würden qualitativen Maßstäben nicht gerecht. "Jetzt muss die Politik handeln, um aus den guten Zahlen einen echten Erfolg zu machen", so Wetzel weiter.


Atypische Beschäftigung steigt

In Deutschland gibt es mittlerweile rund zehn Millionen atypische Beschäftigungsverhältnisse. Dazu gehören Teilzeitstellen, befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit und Minijobs. Matthias Machning, thüringischer Wirtschaftsminister, bezeichnet das als "Arbeit um jeden Preis". Derartige Arbeitsverhältnisse bedeuteten einerseits weniger Sicherheit und Wohlstand für die Menschen, aber andererseits auch Produktivitätsverluste für die Wirtschaft.

Für die IG Metall ist der nächste Schritt daher nur logisch und konsequent: Die Regierung muss eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt ermöglichen: Leiharbeit muss reguliert und ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn muss eingeführt werden. Ansonsten wird die Zahl der Leiharbeitsverhältnisse bald bei über einer Million liegen und geringfügige Beschäftigung weiter ansteigern. Laut Bundesagentur für Arbeit ist bereits heute jedes vierte neue Arbeitsverhältsnis geringfügig.

Warum werden atypische Arbeitsverhältnisse qualitativen Ansprüchen nicht gerecht?

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Menschen in atypischen Arbeitsverhältnissen schlechter dran sind. Erst am 12. Juli meldete die Techniker Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2011, dass zum Beispiel Leiharbeiter häufiger arbeitsunfähig sind, als konventionell Beschäftigte. Auch der so genannte erleichterte Einstieg in das Berufsleben über atypische Arbeitsverhältnisse ist nicht real. Nur sieben Prozent der Leiharbeiter, die vorher arbeitslos waren, werden von einem ihrer Einsatzbetriebe übernommen. Sie arbeiten darüber hinaus oft nicht ihrem Ausbildungsberuf und haben kaum Zugang zu Weiterbildung. Und auch Teilzeitarbeit erleichtert nicht immer den Einstieg. Immerhin würden rund 50 Prozent der in Teizeit arbeitenden Frauen lieber Vollzeit arbeiten, haben aber bisher keine Möglichkeit dazu.

 

Warum haben auch Stammbeschäftigte ein Interesse an einer neuen Arbeitsmarktordnung?

Auch die Stammbelegschaften werden mit der derzeitigen Personalpolitik der Unternehmen unter Druck gesetzt. "Die nächste Krise kommt bestimmt" - und dann sind es erneut die atypisch Beschäftigten, die zuerst gehen müssen. Also besser eine Zweiklassengesellschaft im Unternehmen hinnehmen? Das ist für tariflich Beschäftigte keine Option. Denn auch unbefristete Arbeitsverhältnisse geraten zunehmend unter Druck und auch die Unternehmen tragen auf Dauer wirtschaftlichen Schaden davon.

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