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Prekäre Beschäftigung und Neuordnung auf dem Arbeitsmarkt

Mission für einen fairen Arbeitsmarkt

28.09.2012 Ι Dumpinglöhne, schlechte Arbeitsbedingungen und Unsicherheit - das sind die neuen Trends auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das wird die IG Metall so nicht hinnehmen. "Wir werden die Parteien im anstehenden Bundestagswahlkampf daran messen, was sie hier vorhaben", das kündigte Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, heute in Berlin an.

Flexibilität ist ein Zauberwort, das Unternehmen in Verzücken versetzt. Mit diesem Ziel verlagern Manager zunehmend das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten. Das bestätigt eine Umfrage der IG Metall unter den Betriebsratsvorsitzenden. Die Ergebnisse der Befragung werden heute in Berlin vorgestellt.

Tatsächlich gibt es in vielen Betrieben keine leiharbeitsfreie Zone mehr. "Leiharbeit ist tief in alle betrieblichen Abläufe vorgedrungen, die Fremdvergabe durch Werkverträge steigt und die Beschäftigungsform der Befristung wird massiv eingesetzt". Das stellt Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, fest. Die Unordnung auf dem Arbeitsmarkt werde schneller als jede demografische Entwicklung dazu führen, dass unser Rentensystem kollabiert, so Wetzel.

 


Wie die Leiharbeit kommt die Fremdvergabe von Aufträgen in allen Betriebs- und Produktionsbereichen vor. Beides - Leiharbeit und Werkverträge - beschränkt sich nicht auf einfache Tätigkeiten oder interne Dienstleistungsbereiche. Externe Beschäftigte werden zunehmend auch für die Kernaufgaben in einem Betriebsablauf eingesetzt. Das sagten 60 Prozent der Betriebsräte. Der Trend geht dahin, dass die Stammbelegschaften auf das unbedingt Notwendige beschränkt werden. Das kritisiert Wetzel: "Besonders kritisch ist, dass in jedem fünften Betrieb mit dieser Strategie auch Stammarbeitsplätze abgebaut werden".


Kaum eine leiharbeitsfreie Zone

Früher betraf es nur die Klassiker: Die Pforte und die Kantine wurden outgesourct. Doch der Trend zu Werkverträgen steigt. 28 Prozent der Betriebsräte gaben an, dass die Vergabe von Werkverträgen in den vergangenen drei Jahren zugenommen hat.


Auch die Leiharbeit hat heute eine andere Funktion. Früher wurde sie in erster Linie dazu eingesetzt, Produktionsspitzen aufzufangen. Doch mittlerweile setzen sogar im Bereich von Forschung und Entwicklung 16 Prozent der Betriebe auf Leihbeschäftigte. Elf Prozent der Leihbeschäftigten arbeiten länger als zwei Jahre im gleichen Betrieb. Als weitere atypische Beschäftigungsform werden befristete Arbeitsverhältnisse genutzt, knapp die Hälfte der Befristungen läuft länger als zwölf Monate. Damit ist das nichts anderes als eine verkappte Probezeit.

 


Neue Jobs fast immer unsicher

Tatsächlich setzt jeder dritte Betrieb auf Leiharbeit und in sieben Prozent der Unternehmen werden neue Arbeitsplätze nur über Werkverträge geschaffen. Das ist viel, wenn es auch auf den ersten Blick nach wenig klingt. Denn die Metall- und Elektroindustrie steht trotz Finanzkrise konjunkturell gut da. Aufgrund dieser guten konjunkturellen Lage wurden in 41 Prozent der Firmen neue Arbeitsplätze geschaffen. Das ist positiv. Doch statt reguläre und sichere Jobs zu schaffen, wurden neue Arbeitsplätze vor allem in unsicherer Beschäftigung geschaffen. Die Unternehmen befreien sich so von ihrer Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern und verschaffen sich Freiräume auf Kosten der Menschen. Denn wenn es konjunkturell wieder bergab geht, stehen Werkvertragsnehmer und Leiharbeiter wie schon bei der letzten Krise schutzlos da. Sie werden die ersten sein, die gehen müssen.

Es ist nicht nur die Unsicherheit für die Betroffenen, die der IG Metall ein Dorn im Auge ist. "Leiharbeit heißt erheblich niedrigere Bezahlung, schlechtere Arbeitsbedingungen und unsichere bis fehlende Zukunftsperspektiven", konstatiert Wetzel.


Bosch-Studie bestätigt negativen Trend

Zu diesem Schluss kommen auch die Ergebnisse der Expertise "Prekäre Beschäftigung und Neuordnung auf dem Arbeitsmarkt" von Prof. Dr. Gerhard Bosch, Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Bosch kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Aufstiegschancen für Niedriglöhner und atypisch Beschäftigte in den letzten 15 Jahren weiter verschlechtert haben. Immer seltener gelingt Leiharbeitern und Minijobbern der Sprung auf eine besser bezahlte und reguläre Beschäftigung. Und: Die niedrigen Löhne reichen nicht aus, damit die betroffenen Arbeitnehmer eine ausreichende Alterssicherung aufbauen können. 


Neuordnung des Arbeitsmarkts notwendig

Die IG Metall fordert eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Ein Maßnahmenbündel wie die Stärkung des Tarifsystems, die Neugestaltung von Leiharbeit, Minijobs und Mindestlöhnen, ebenso ein Verbandsklagerecht und die Stärkung individueller Beschwerderechte sei nötig, forderte Detlef Wetzel.

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