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Maritime Wirtschaft: Schiffbau-Umfrage 2009 vorgestellt. Foto: QuiXOs / flickr.com

Maritime Wirtschaft: Schiffbau-Umfrage 2011 vorgestellt

Jobabbau auf den Werften setzt sich fort

04.10.2011 Ι Der Arbeitsplatzschwund konnte auch 2011 nicht gestoppt werden. Zudem gehen bei den Werften weniger Aufträge ein. Positiv entwickelt sich dagegen der Offshore-Markt. Der Ausbau der Windparks in der Nord- und Ostsee bietet der strukturschwachen norddeutschen Küstenregion große Chancen.

Die Beschäftigung auf den deutschen Werften ist in den vergangenen zwölf Monaten weiter geschrumpft. Im September 2011 zählte die Branche noch 16 351 Beschäftigte. Das waren über 400 Beschäftigte weniger als im Jahr zuvor. Nach der Schiffbaustudie der IG Metall Küste und dem Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen sind damit seit dem Jahr 2008 im deutschen Schiffbau rund 4200 Arbeitsplätze weggefallen. Auch für 2012 wird nicht mit einer nennenswerten Erholung gerechnet.

Chancen in der Offshore-Industrie

Die Branche wandelt sich. Während für Standardschiffe weniger Bestellungen eingehen, sorgt die Offshore-Industrie für neue Aufträge. "In den Büchern der Werften finden sich Errichter- und Rohrlegerschiffe sowie Umspannplattformen. Diese Aufträge stehen für den endgültigen Abschied vom Standardschiffbau und die Konzentration auf hochwertige Spezialschiffe", stellte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, fest. Er forderte die Bundesregierung auf, diesen Wandel durch eine aktive Industriepolitik zu unterstützen. Denn die Offshore-Industrie bietet für Werften und Zulieferer große Chancen. Geiken kritisierte, dass die Verantwortlichen in Berlin dies offensichtlich bislang nicht erkannt hätten. "Wir erwarten konkrete Ergebnisse von den Beratungen zu Fragen der Finanzierung von Offshore-Projekten und Schiffbauindustrie, zu denen der Maritime Koordinator der Bundesregierung eingeladen hat", sagte Geiken.

Der geplante Ausbau der Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee ist aus Sicht der IG Metall für die strukturschwache norddeutsche Küstenregion aus beschäftigungs-, struktur- und industriepolitischer Perspektive eine große Chance. 2015 könnte jeder vierte Arbeitnehmer der Windbranche im Offshore-Bereich tätig sein. Das prognostiziert der europäische Windenergieverband EWEA.


Ausbildungsquote bleibt hoch

Trotz Arbeitsplatzschwund bleibt die Ausbildungsquote mit knapp acht Prozent auf einem hohen Niveau. Besonders die kleineren Werften bilden überdurchschnittlich viel aus. Positiv ist auch, dass der Anteil von Befristungen bei Neueinstellungen auf ein Drittel zurückgegangen ist. Offenbar erkennen die Arbeitgeber, dass sie den Beschäftigten eine langfristige Perspektive bieten müssen, um sie für ihr Unternehmen zu gewinnen, so der Bezirksleiter. Das zeigt: Die Unternehmen setzen auf die Sicherung der Fachkräfte.

Leiharbeit auf hohem Niveau

Noch immer wird auf vielen Werften kurz gearbeitet. Trotzdem stieg der Anteil der Leiharbeit. Im Durchschnitt kommt die Branche für 2011 auf eine Leiharbeitsquote von 14,8 Prozent. Aber es gibt Unterschiede: Auf manchen Werften gibt es kaum Leiharbeit. Auf anderen dagegen liegt der Anteil der Leiharbeiter bei 30 bis knapp unter 50 Prozent. Viele Leiharbeiter sind zum Teil seit Jahren im Einsatz. Die IG Metall fordert, dass die Leiharbeits- und Werkvertragsquoten reduziert werden müssen. Um einen weiteren Beschäftigungsschwund und Substanzverlust zu verhindern, müssen die Unternehmen alle arbeitsplatzsichernden Instrumente, wie Kurzarbeitsregelungen und Tarifverträge nutzen. Wenn Leiharbeit nicht vermieden werden kann, fordert die IG Metall, dass Equal-Pay und tarifliche Standards angewendet werden.

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Die IG Metall Küste führt zusammen mit dem Institut Arbeit und Wirtschaft an der Universität/Arbeitnehmerkammer Bremen (IAW) jährlich eine Betriebsräte- befragung zu Beschäftigung und Perspektiven der deutschen Schiffbau- industrie durch. 

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