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Ausbildungsmarkt: neue EU-Freizügigkeitsregelung ab 2011

Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt

11.08.2010 Ι Deutsche Unternehmen beklagen, dass es zu wenig Bewerber für Ausbildungsplätze gibt. Wer nachrechnet, sieht aber, dass rund 45 000 Jugendliche auch in diesem Jahr keinen Ausbildungsplatz erhalten haben. Und ab 1. Mai 2011 könnte sich der Wettbewerb zusätzlich verschärfen. Dann tritt eine neue EU-Freizügigkeitsregelung in Kraft.

Um einen Ausbildungsplatz zu ergattern, müssen Jugendliche oft Dutzende von Bewerbungen schreiben. Denn die Konkurrenz ist groß, das Angebot aber noch immer zu klein. Ab 1. Mai 2011 könnte sich der Wettbewerb nun weiter verschärfen. Dann besteht auch für die zuletzt hinzugekommenen Beitrittsländer zur EU vollständige Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Ab diesem Zeitpunkt können sich junge Polen und Tschechen ohne große Formalitäten um Ausbildungsplätze in Deutschland bewerben.

Wie wirkt sich die Freizügigkeit auf den Ausbildungsmarkt aus?
Mit der foranschreitenden europäischen Einigung bewegen sich gerade junge Menschen zunehmend auf dem gesamten europäischen Arbeitsmarkt. Die neue EU-Freizügigkeitsregelung vereinfacht dies weiter. Das sei gesellschaftlich und auch politisch so gewollt, erklärt IG Metall-Bildungsexperte Klaus Heimann. "Mit der neuen Freizügigkeit ab kommendem Jahr für die neuen EU-Mitgliedsstaaten sehe ich aber dennoch keine große Lawine auf uns zurollen. Insgesamt dürfte das eher ein Thema in grenznahen Regionen sein", erläutert Heimann die Folgen für den deutschen Ausbildungsmarkt. Auszubildende aus dem Ausland seien in diesen Regionen aber auch heute schon eine selbstverständliche Sache - in Nordrhein-Westfalen etwa, und ebenso auch in Bayern.

Was sieht die neue Freizügigkeitsregelung aus?
Die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU beinhaltet zunächst einmal ganz allgemein das Recht, in jedem Staat der EU als Arbeitnehmer eine Beschäftigung ausüben zu können. Eine vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt für Deutschland bisher nicht. Die Zuwanderung von ausländischen Arbeitnehmern aus den neuen EU-Mitgliedstaaten sowie aus Drittstaaten nach Deutschland wird bisher durch ein zweistufiges nachfrageorientiertes System gesteuert:

  • Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt aufgrund einer Rechtsvorschrift
  • arbeitsplatzabhängige Feinsteuerung durch Prüfung, ob ein bevorrechtigter Arbeitnehmer für die konkrete Beschäftigung zur Verfügung steht (so genannte Vorrangprüfung) und die Arbeitsbedingungen mit denen inländischer Arbeitnehmer vergleichbar sind.

Ab 1. Mai 2011 enden auch in Deutschland die Beschränkungen für Arbeitnehmer aus Osteuropa. Dann können sich alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen uneingeschränkt auch in Deutschland bewerben.

Bedeutet das mehr Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt?
Die Frage wird sein, welche Bewerber sich aus ihrer Heimat wegbewegen wollen. Sind dies leistungsstärkere oder schwächere Jugendliche? In der Regel sind es wohl diejenigen, die mobil und damit oft auch leistungsstärker sind. Deswegen kann es sein, dass durch die Freizügigkeit in den neuen EU-Mitgliedsländern auch die Leistungsstärkeren bewogen werden, nach Deutschland zu kommen. "Allerdings sind die Unternehmen in den Ländern auch selbst daran interessiert, gute Auszubildende zu bekommen - besonders, wenn in diesen Ländern ein Fachkräftemangel besteht, wie beispielsweise in Polen", gibt Heimann zu bedenken. Für die Jugendlichen im Ausland sei vor allem das Angebot auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt ausschlaggebend.

Wie können ausländische Auszubildende integriert werden?
Bei der Beschäftigung ausländischer Auszubildender sind von deutschen Unternehmen erhebliche Integrationsleistungen gefragt. Zum Beispiel muss die deutsche Sprache vermittelt werden. Zur Integration gehört aber auch die Unterkunft, und ob es den ausländischen Auszubildenden gelingt, Freunde zu finden. "Das sind Dinge, die sicherlich auch von den Betrieben mit angepackt werden müssen", betont Heimann. In Europa gebe es bereits viele Austauschprogramme für Auszubildende. Grundsätzlich seien dies Dinge, die auf der Haben-Seite verbucht werden müssen, die Riesen-Chancen für Menschen und Institution bringen.

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