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Kein Austieg aus dem Atomausstieg. Foto: GRÜNE Baden-Württemberg / flickr.com

IG Metall: Kein Austieg aus dem Atomausstieg

Atomindustrie kann auf Zusatzgewinne hoffen

14.10.2009 Ι Heute sind in Berlin die Koalitionsverhandlungen gestartet. Die Atomindustrie hat allen Grund, sich zu zu freuen - denn die zukünftige Regierung will die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern. Damit würden sich die Koalitionäre den Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA) widersetzen.

Die dem Bundesumweltminsterium unterstehende Behörde hatte davor gewarnt, den Atomkonsens zu kippen. Doch das Wort aus dem eigenen Hause scheint weniger zu zählen als die Wünsche der Atomlobby. Denn die Gewinner der Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke (AKW) wären zweifelsfrei die vier großen Energieversorger RWE, Eon, EnBW und Vattenfall. Die Laufzeiten sind bisher bei 32 Jahren gedeckelt. In der neuen Legislaturperiode müssten sieben Atommeiler vom Netz gehen, darunter Biblis A, Neckarwestheim 1 und Brunsbüttel.

Sollte die neue Regierung die Laufzeit aller 17 Atommeiler von 32 auf 40 Jahre verlängern, könnten sich die Energiekonzerne auf rund 61 Millarden Euro Zusatzgewinn freuen. Das hat das Öko-Institut ausgerechnet. Eine aktuelle Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kommt auf rund 38 Milliarden Euro Gewinn zusätzlich, sollten die Atommeiler zehn Jahre länger laufen.

Bundesumweltamt warnt vor dem Ausstieg aus dem Atomausstieg
Unterdessen widersprach das Bundesamt für Umweltschutz (UBA) den Stromkonzernen, dass eine "Stromlücke" drohe, sollten die AKW's sukzessive abgeschaltet und keine weiteren großen Kohlekraftwerke gebaut werden. In einer aktuellen Untersuchung bewerten sie die angeblich drohende "Stromlücke" als "Phantom".  Die UBA-Forscher warnen sogar vor Überkapazitäten im Stromsektor, sollten die Energieversorger alle geplanten Großkraftwerke bauen und die AKW-Laufzeiten verlängern.

Die IG Metall steht klar zum Atomausstieg
Die Pannen im Kernkraftwerk Krümmel, das Bekanntwerden der desaströsen Zustände im Atommüllager Asse II und die Berichte über die Einflussnahme der Regierung Kohl auf ein Gutachten zum Endlager Gorleben in den 1980ern hatten die Atom-Lobby zuletzt in die Defensive gedrängt. Doch nach dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb wittern die Atommanager und Lobbyisten ihre Chance, längere Laufzeiten für ihre gewinnbringenden Anlagen heruszuholen.

Die Mehrheit der Deutschen indes lehnt Laufzeiten ab. Ebenso die IG Metall: Sie setzt auf mehr Energieeffizienz und den Ausbau regenerativer Energien. "Wir stehen nach wie vor zum Atomausstieg", stellt Wolfgang Rhode, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IGMetall, klar. Rhode ist im Vorstsanf unter anderem für Technologie und Umwelt zuständig.

Grafik Atomausstieg

Mit dem Argument, den CO2 - Ausstoss zu reduzieren, versucht die Atom-Lobby seit langem den beschlossenen Atomausstieg wieder rückgängig zu machen. Die Gefahren der Atomenergie und die noch immer nicht beantwortete Frage der sicheren Lagerung der strahlenden Abfälle verschweigt sie dabei bewusst. Der Fernsesender "Arte" zeigte zu diesem Thema jüngst den Dokumentarfil "Albtraum Atommüll", der die dunkle Seite der Atomenergie beleuchtet.

Rhode wies anläßlich der Anti-Atomkraft-Demonstration am 5. September 2009 auf die positiven wirtschaftlichen Effekte eines konsequenten Klimaschutzes und das große Potenzial der erneuerbaren Energien als Jobmotor hin: "Die Atom-Lobby will uns Atomkraftwerke als Klimaschützer verkaufen. Doch wer weiter auf Atomkraft setzt, bremst eine klimafreundliche Energieversorgung, blockiert Innovationen und Investitionen genauso wie die Schaffung tausender neuer Arbeitsplätze."

Der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch in der EU müsse bis 2020 auf zwanzig Prozent gesteigert werden. "Durch den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien können bis zu 400 000 qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden, diese Chance gilt es zu nutzen", forderte Rhode. 

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