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Betriebsräte-Befragung 2013 in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

Betriebsräte-Befragung 2013 in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

Dynamische Wachstumsbranche

21.06.2013 Ι Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist eine der Wachstumsbranchen Europas, in Deutschland sind die Unternehmen sowohl technologisch als auch beschäftigungspolitisch von besonderer Bedeutung. Bemerkenswert ist die dynamische Entwicklung von Umsätzen wie Beschäftigtenzahlen. Alles also in bester Ordnung? Die aktuelle Betriebsräte-Befragung zeichnet ein deutlich differenziertes Bild.

Wie schon bei der erstmals im vergangenen Jahr durchgeführten Umfrage zeigen auch die neuen Zahlen, dass die meisten Betriebe der Branche 2013 gut dastehen. In den allermeisten Unternehmen liegt der Auslastungsgrad bei 100 Prozent und mehr. Die große Mehrheit der Betriebsräte erwartet eine weitere Verbesserung der Auftragslage in den kommenden zwei Jahren.

Leichter Beschäftigungszuwachs
Während in acht der befragten Betriebe ein Beschäftigungsabbau erwartet wird, gehen 18 Betriebe von einer Erhöhung um rund 1200 Arbeitsplätze aus. Innerhalb der Branche wird mit einem leichten Beschäftigungszuwachs von insgesamt 240 Stellen gerechnet.  

Die Belastung der Beschäftigten ist dabei weiterhin extrem hoch. In 17 ausgewerteten Betrieben sind insgesamt rund 959 862 Stunden auf Kurzzeitkonten aufgelaufen, auf Langzeitkonten sind in 19 weiteren 1 342 042 Stunden angehäuft. In 24 Betrieben sind rund 1 405 069 Überstunden außerhalb von Arbeitszeitkonten erfasst.

Jürgen KernerHandlungsbedarf
"Wir leiten aus der Befragung eindeutigen Handlungsbedarf ab", stellt Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, fest (Foto links) "Belastung der Beschäftigten abbauen, Leiharbeit und Werkverträge reduzieren, neue Fachkräfte gewinnen und Beschäftigte weiterbilden - kurzum: reguläre Beschäftigung aufbauen, Ausbildungsplätze und Plätze für dual Studierende ausweiten, Angebote insbesondere für Frauen und ältere Fachkräfte entwickeln."

88 Prozent der deutschen Luft- und Raumfahrtbetriebe, das ergaben die Befragungen, setzen Leiharbeit ein, die Leiharbeitsquote ist mit 14,01 Prozent hoch, die maximale Quote beträgt 29,6 Prozent. Bei Werkverträgen herrscht weiter Intransparenz. Nach den Angaben aus 28 Betrieben beträgt die Werkvertragsquote 5,04 Prozent, der höchste Wert in einem Betrieb ist 23,3 Prozent. In nur fünf Betrieben wird der Betriebsrat bei der Vergabe von Werkverträgen im Vorfeld beteiligt.

Mehr Dauerarbeitsplätze
"Prall gefüllte Arbeitszeitkonten, viele Überstunden, Leiharbeit und Werkverträge - das Gesamtbeschäftigungspotenzial der Luft- und Raumfahrtindustrie ist viel höher als die heutigen Stammbelegschaften", erläutert Jürgen Kerner. "Wir fordern deshalb die Schaffung von deutlich mehr Dauerarbeitsplätzen." Allein bei den über die Befragung erfassten Betrieben ergibt sich ein Beschäftigungspotenzial von 79 206 Vollarbeitsplätzen - 18 530 mehr als die heutigen 60 676 Stammarbeitsplätze in der Branche.

Betriebsräte berichten bereits jetzt über Probleme bei Stellenbesetzungen. Dennoch ist die Ausbildungsquote mit 4,1 Prozent niedrig, ebenso wie die Quote der dual Studierenden mit 0,9 Prozent. Der Frauenanteil in der Branche beträgt nur 15,5 Prozent. "Wenn die Betriebe nicht schnell die Weichen anders stellen, wird der Fachkräftemangel zu einem ernsten Entwicklungshemmnis für die Branche", ist sich Kerner sicher. Nur zwei Betriebe der Befragung fördern alternsgerechte Arbeit - "ein Armutszeugnis", so Jürgen Kerner.

Bei der Auswertung gingen Informationen von insgesamt 60 676 Beschäftigte ein. Dies entspricht rund 91 Prozent der vom Statistischen Bundesamt erfassten 66 566 Beschäftigten bei Betrieben ab 50 Mitarbeitern. Insgesamt sind nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) rund 100 000 Mitarbeiter in der Branche direkt beschäftigt. Die Angaben stammen von Betriebsräten aus 42 Betrieben in der Luft- und Raumfahrtindustrie inklusive der Zulieferunternehmen in Deutschland. Im Vergleich zur Umfrage im Vorjahr haben sich damit diesmal deutlich mehr Betriebsräte beteiligt.

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