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Tarifrunde Metall und Elektro 2012: Interview mit Helga Schwitzer

Kaufkraft in Deutschland tut auch Europa gut

11.01.2012 Ι Die Tarif- und Entgeltpolitik der IG Metall war der Stabilitätsanker in der letzten Krise. Helga Schwitzer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, erklärt im Interview, wie die IG Metall diese Politik auch in der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie fortsetzen wird.

Finanzkrise, Schuldenkrise, Eurokrise - welche Rolle spielt die Lohnpolitik in diesen stürmischen Zeiten?
Helga Schwitzer: Mit unserer Lohnpolitik können wir den Euro nicht retten. Das muss schon die Politik tun. Aber Lohnerhöhungen bei uns können dazu beitragen, die Handelsungleichgewichte in Europa abzubauen. Und wir können in unsicheren Zeiten für Stabilität sorgen. Hauptziel des Tarifabschlusses von 2010 war es beispielweise, Beschäftigung in der Krise zu sichern. Dieses Ziel haben wir erreicht. Mit der Beschäftigungssicherung haben wir maßgeblich dazu beigetragen, dass die Wirtschaft sich so schnell erholt und 2011 ein Boomjahr erlebt hat. Es ist deshalb auch nur gerecht, wenn wir jetzt den Anteil der Beschäftigten hieran einfordern. Sie haben's verdient. Außerdem macht es ökonomisch Sinn, die Inlandsnachfrage über Einkommenszuwächse zu stärken.

Muss die deutsche Wirtschaft weniger exportieren?
Schwitzer: Nein, wir brauchen den Export. Wir müssen  aber auch mehr importieren. Das funktioniert über eine stärkere Binnennachfrage, und diese wiederum über höhere Löhne. Die Binnennachfrage ist seit Jahren die Achillesferse der deutschen Wirtschaft. Wenn unsere Beschäftigten mehr ausgeben sollen, müssen sie mehr verdienen. Da werden wir unseren Beitrag leisten.

Haben sich die Einkommen so schlecht entwickelt?
Schwitzer: Das kann man so allgemein nicht sagen. Mit den Tarifsteigerungen der letzten zehn Jahre haben wir den verteilungsneutralen Spielraum mehr als ausgeschöpft. Anders sieht es bei dem aus, was die Unternehmen tatsächlich zahlen, also bei  den  Effektivlöhnen. Das hat damit zu tun, dass die Zahl der tarifgebundenen Betriebe sinkt und damit auch die Zahl der Beschäftigten, die Anspruch auf Tariflohn haben. Vor allem aber liegt es daran, dass Unternehmen immer mehr Leihbeschäftigte, billige Dienstleister oder Beschäftigte mit  Werkverträgen in die Betriebe holen.

Wie wichtig ist die langfristige, tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte?
Schwitzer: Seit der Krise wächst die Wirtschaft wieder von Jahr zu Jahr. An diesem stetigen Wachstum müssen die Beschäftigten genauso stetig beteiligt werden. Das geht nur über prozentuale Tariferhöhungen für alle. Sie stehen deshalb im Zentrum unserer Forderungen. Der Effekt von Einmalzahlungen dagegen ist, die Bezeichnung verrät es, einmalig. Sie sind deshalb kein Ersatz für prozentuale Erhöhungen.

Was kann die IG Metall tun?
Schwitzer: Um die Tarifbindung kümmern wir uns in den Betrieben. Wo wir stark sind, also viele Mitglieder haben, gelingt es uns auch, Tarifverträge zurückzuholen. Bei unsicherer Beschäftigung wie Leiharbeit und Werkverträgen haben wir betrieblich schon eine ganze Menge erreicht. Jetzt wollen wir den Missbrauch der Leiharbeit flächendeckend stoppen und überall faire Bezahlung für Leihbeschäftigte durchsetzen. Deshalb gehen wir dieses Thema auch tarifpolitisch an, und das gleich von zwei Seiten: Von den Metall-Arbeitgebern fordern wir mehr Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte über den Einsatz von Leiharbeit. Mit den Verbänden der Leiharbeit werden wir über Branchenzuschläge und Einsatzzulagen für Leihbeschäftigte verhandeln. Außerdem bleibt die Politik gefordert. Sie muss die Ungerechtigkeiten, die sie auf dem Arbeitsmarkt geschaffen hat, beenden.

Die Forderung nach unbefristeter Übernahme wird von den Arbeitgebern kritisiert. Warum ist sie der IG Metall so wichtig?
Schwitzer: Wenn Arbeitgeber über schon vorhandenen oder drohenden Fachkräftemangel klagen, dann müssen sie mehr für die Sicherung des Nachwuchses tun. Vor allem müssen sie die Attraktivität der Metall- und Elektrobranche für junge Menschen erhöhen. Sie müssen endlich begreifen: Junge Menschen wollen ihr Leben planen können, sie brauchen Perspektiven. Wer das bietet, macht die Ausbildung attraktiver. Deshalb ist die unbefristete Übernahme die richtige Maßnahme. Dafür werden wir kämpfen.

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