IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Studie der Otto Brenner Stiftung: Fachkräftemangel in Ostdeutschland

Studie der Otto Brenner Stiftung: Fachkräftemangel in Ostdeutschland

Zu wenig Fachkräfte in Ostdeutschland

06.07.2010 Ι Vom Überschuss an Nachwuchskräften hin zum Fachkräftemangel. Diesen Trend sieht Burkart Lutz für viele Unternehmen in Ostdeutschland voraus. In seiner Studie, die er für die Otto Brenner Stiftung durchgeführt hat, belegt er diesen Trend, seine Ursachen und stellt Lösungsansätze vor.

In Ostdeutschland wird es schon bald zu wenige Fachkräfte geben. Diese These vertritt Burkart Lutz in seiner Studie "Fachkräftemangel in Ostdeutschland".  Besonders die Metall- und Elektroindustrie werde davon betroffen sein. Während gegenwärtig die letzten geburtenstarken Jahrgänge eine berufliche Ausbildung durchlaufen beziehungsweise abschließen und ab jetzt dem Arbeitsmarkt weitaus weniger Nachwuchskräfte als bisher zur Verfügung stehen werden, zeichnet sich unübersehbar in vielen ostdeutschen Industriebetrieben ein wachsender Bedarf an passend qualifizierten Fachkräften ab.



Bis vor Kurzem war der Zustrom von ausbildungs- und arbeitssuchenden Jugendlichen und Jungerwachsenen Jahr für Jahr weit stärker als der Abstrom von älteren Beschäftigten in Rente. Gegenwärtig verlassen jedoch die letzten geburtenstarken Jahrgänge die Schulen. Gleichzeitig zeichnet sich ein wachsender Abstrom aus Erwerbstätigkeit in Rente ab. Der hierdurch entstehende Ersatzbedarf wird sich voraussichtlich in der Mitte des kommenden Jahrzehnts (2010- 2020) für längere Zeit auf einem Niveau deutlich über dem des vorhersehbaren Zustroms von Nachwuchskräften stabilisieren.

Besondere Schwierigkeiten für Metall- und Elektrobetriebe
In großen Teilen der Metall- und Elektroindustrie der neuen Bundesländer haben sich - ganz überwiegend bald nach der Herstellung der deutschen Einheit und über längere Zeit durch den herrschenden hohen Nachwuchsüberschuss
noch verstärkt - Verhältnisse herausgebildet, die sich durch drei Merkmale charakterisieren lassen:

  • überwiegend geringe, im besten Falle mittlere Betriebsgröße
  • insgesamt eher gehobenes Qualifikationsniveau
  • verbreitet erhebliche (allerdings oft sehr spezialisierte) technische Kompetenz.


Aus dieser Konstellation von eher geringer Größe, beträchtlicher Qualifikation und technischer Kompetenz ergeben sich besonders für die Metall- und Elektroindustrie Probleme: Die große Abhängigkeit von passgenau qualifizierten Facharbeitern stellt die Unternehmen vor die Existenzfrage.
In den neuen Bundesländern sind viele Betriebe in Strukturen und Verhaltensmustern eingebunden, die in der Konstellation hohen Nachwuchsüberschusses wesentlichen betrieblichen Interesse entsprachen, jedoch unter anderen Ungleichgewichtsstrukturen eine ausgeprägte Einengung ihres Handlungsspielraums bewirken werden.
Dies lässt sich an zwei wichtigen Tatbeständen zeigen:

  • Betriebsgröße und Qualifikationsstruktur der Belegschaften
    Charakteristisch für große Teile der ostdeutschen Industrie sind eine für Industriebetriebe sehr ungewöhnliche geringe Größe und eine überwiegend sehr homogene Qualifikationsstruktur mit durchschnittlich mittlerem bis höherem Niveau.
  • Alter und Altern der Arbeitnehmer
    Unter den Bedingungen eines hohen Nachwuchsüberschusses konnte sich die Personalpolitik sehr vieler Betriebe in erster Linie darauf richten, Beschäftigung für die vorhandene Belegschaft zu beschaffen, die von Jahr zu Jahre älter wurde. Die große Mehrheit der Betriebe hat bis heute keine Sachkompetenz zu einer Personalpolitik, deren Ziel es sein müsste, die demografische Dynamik zu bewältigen, den weitgehend blockierten Generationenaustausch wieder in Gang zu setzen und ihn für den Betrieb und sein Innovationsverhalten nutzbar zu machen.


In der Industrie der neuen Bundesländer liegt die Höhe des durchschnittlichen Brutto-Monats- Verdienst unter der Voraussetzung einer zumindest sehr ähnlichen Qualifikation lediglich bei etwa zwei Drittel des westdeutschen Wertes. Auch ist die Streuung der Verdienste deutlich geringer. Erst jetzt setzt sich in der Industrie die Erkenntnis schrittweise durch, dass ein Fortbestand dieses Verdienstniveaus mit einer unveränderten Differenzierung der Verdienste unten den Bedingungen erheblichen Fachkräftemangels nicht möglich ist.

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Das IG Metall-Arbeitslexikon

Begriffe aus dem Arbeitsleben - einfach erklärt.

Servicebereich