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Leiharbeit: Umfrage zu den Branchenzuschlägen

Leiharbeit: Umfrage zu den Branchenzuschlägen

Branchenzuschläge - ein Erfolg mit Schattenseiten

24.05.2013 Ι Seit November 2012 erhalten Leiharbeitnehmer in Metall- und Elektrobetrieben über Branchenzuschläge mehr Geld. Die IG Metall wollte wissen, ob dieses Plus auch bei den Betroffenen ankommt und hat nachgefragt: 58 Prozent der Leihbeschäftigten erhalten den Zuschlag oder werden übertariflich bezahlt. Doch sieben Prozent werden um ihren fairen Lohn geprellt.
Die meisten halten sich daran, aber dennoch nicht alle: Seit einem halben Jahr haben Leihbeschäftigte in Metall- und Elektrobetrieben Anspruch auf einen Branchenzuschlag. Der bringt ein deutliches Lohnplus. Doch manche Verleihfirmen versuchen, die Zuschläge zu umgehen und schrecken auch vor faulen Tricks nicht zurück.

Die IG Metall hat 40 000 Leiharbeitnehmer befragt, wie ihre Firmen es mit den Branchenzuschlägen hält. Das Ergebnis: 42 Prozent der Leihbeschäftigten profitieren von dem Tariferfolg, 16 Prozent wurden schon zuvor übertariflich bezahlt, jedoch sieben Prozent der Betroffenen wird der Zuschlag vorenthalten. Das wichtigste Fazit: Oft bekommen Leihbeschäftigte erst dann ihren Branchenzuschlag ausgezahlt, wenn der Betriebsrat aktiv wird. In Unternehmen, in denen Betriebsräte auf den Zuschlag pochen, haben schwarze Schafe schlechte Karten.

Branchenzuschläge Leiharbeit - Umfrageergebnisse

Die Umfrageergebnisse im Detail:

42 Prozent profitieren vom Tariferfolg

Von den 40 000 Befragten erhalten mindestens 42 Prozent Branchenzuschläge. "Mindestens" deshalb, weil etwa 23 Prozent der befragten Arbeitnehmer sich zum Zeitpunkt der Umfrage nicht sicher war, ob sie Branchenzuschläge erhalten haben. Oft hängt das mit den unübersichtlichen Abrechnungsmodalitäten in der Verleihbranche zusammen.

16 Prozent werden übertariflich bezahlt

Aufgrund von Betriebsvereinbarungen im Entleihbetrieb erhalten 16 Prozent der Befragten übertarifliche Zulagen, die mit den Branchenzuschlägen verrechnet werden. Bereits vor Inkrafttreten des Tarifvertrages haben Betriebsräte schon gute Arbeit geleistet. Mit über 1200 betrieblichen Vereinbarungen sorgten sie dafür, dass Leiharbeitnehmer in ihren Unternehmen besser gestellt wurden.

Für zwölf Prozent der Befragten gilt der Tarifvertrag nicht, weil sie aktuell nicht in einem Betrieb der Metall- und Elektroindustrie arbeiten.

7 Prozent werden Zuschläge vorenthalten

Aber es gibt auch leider die schwarzen Schafe: Obwohl Leihbeschäftigte einen Anspruch darauf haben, werden sieben Prozent der Betroffenen die Branchenzuschläge vorenthalten. In den meisten Fällen versuchen Firmen zu tricksen, in dem sie zum Beispiel die Zuschläge mit Schicht- und Erschwerniszulagen verrechnen oder mit Fahrgeld und Auslöse. Das ist eindeutig unzulässig. Bei Auslöse handelt es sich in der Regel um einen tarflich garantierten Verpflegungsmehraufwand für Montagearbeiter und Außendienstmitarbeiter.

Faule Tricks mit Eingruppierungen Gerne versuchen auch Entleiher, Leiharbeiter in niedrigere Gehaltsstufen einzugruppieren oder sie mit Hilfe von Ergänzungsvereinbarungen auf Werksvertragsbasis zu beschäftigen. Oder sie ordnen die Beschäftigten formal einer anderen Branche zu wie etwa der Logistik. Wer dann die neuen Verträge nicht unterschreiben will, dem droht die Kündigung.

Bei den Gehaltsgruppen ist die Unsicherheit nach wie vor groß: 44 Prozent der Befragten ist sich nicht sicher, ob sie richtig eingruppiert ist. Knapp ein Viertel gibt an, im Einsatzbetrieb definitiv höherwertige Arbeiten zu verrichten. Diese Leiharbeitnehmer sind nun doppelt benachteiligt: Da ihr Grundgehalt zu niedrig ist, fallen auch die Branchenzuschläge, die sich ja prozentual daraus berechnen, geringer aus.

Konsequenzen

Die IG Metall zieht aus den Umfrageergebnissen folgende Konsequenzen:

Erstens: Sie kann sich offensichtlich nicht darauf verlassen, dass der Tarifvertrag flächendeckend fair umgesetzt wird. Deshalb will sie verstärkt die Beschäftigten in Leiharbeit beraten und - wenn nötig - betrieblich Druck aufbauen.

Zweitens: In einer Branche wie der Leiharbeit ist nach wie vor der Gesetzgeber gefordert. Tarifverträge können zwar punktuell Verbesserungen erreichen, das Grundproblem ist aber nur mit stärkeren gesetzlichen Regeln in den Griff zu bekommen.

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