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20 Jahre Tatort Betrieb.

Gute Arbeit: 20 Jahre Tatort Betrieb der IG Metall Baden-Württemberg

Mit "Per und Tri" fing alles an

21.10.2009 Ι Vor 20 Jahren lieferte eine Flut gefährlicher Arbeitsstoffe und Lösemittel in Betrieben Zündstoff für eine neue Aktionsform. Die IG Metall Baden-Württemberg startete mit dem "Tatort Betrieb". Seitdem hat sie zahlreiche Missstände in den Betrieben thematisiert und dafür gesorgt, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessert werden.

Angefangen hat die IG Metall Baden-Württemberg mit der Tatort-Serie 1988. "Per und Tri - raus aus den Betrieben" war die erste Tatort-Aktion. "Per" steht für Perchlorethylen und "Tri" für Trichlorethylen. Hierbei handelt es sich um organische und gesundheitsgefährdende Lösemittel. Mit Per und Tri werden vor allem Kleinteile aus industrieller Fertigung gereinigt. Bereits ein Jahr später im Oktober 1989 wurde in 350 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie kein Per und Tri mehr verwendet. In weiteren 260 Betrieben wurden die Stoffe zwar noch eingesetzt, aber in einem Drittel dieser Betriebe fanden Gespräche über Ersatzstoffe statt.

"Tatort Betrieb" - eine Erfolgsgeschichte
Mit dem "Tatort Betrieb" hatte die IG Metall einen neue Aktionsform gestartet. Insgesamt gingen neun "Tatorte" in Serie. Im Mittelpunkt stehen gesundheitliche Belastungen der Arbeitnehmer, die durch die Betriebe ausgelöst werden. Neben den klassischen Themen Arbeitsstoffe und Arbeitsschutz beschäftigen sich die Tatort-Fälle auch mit "Stress und psychischen Belastungen". In dem aktuellen und neunten Tatort-Fall geht es um altersgerechtes Arbeiten. Ziel ist hier, ganzheitliche Ansätze für humane Arbeitsbedingungen miteinander zu verknüpfen.

Monika Lersmacher von der IG Metall Baden-Württemberg und zuständig für den "Tatort Betrieb" zieht eine positive Bilanz: "Wir hatten immer wieder den Finger in der Wunde und manchmal muss man ein Thema skandalisieren um Verbesserungen möglich zu machen." Der Ruf der Beschäftigten nach guten und humanen Arbeitsbedingungen wurde immer lauter, so Lersmacher. "Das Ausmaß arbeitsbedingter Erkrankungen und ihrer Folgen ist inzwischen besorgniserregend."

Arbeits- und Gesundheitsschutz geraten unter Druck
Die Beschäftigten in den Betrieben und Verwaltungen erleben eine zunehmende Leistungsverdichtung. Der Wettbewerbsdruck wird stärker. In Zeiten der Wirtschaftskrise drohen Arbeits- und Gesundheitsschutz noch mehr unter Druck zu geraten. Die IG Metall befürchtet, dass die Unternehmen nach der Krise mit weniger Personal in kürzerer Zeit mehr produzieren wollen. "Wenn überall in den Betrieben von krisenbedingtem Sparzwang geredet wird, werden viele Unternehmen den Rotstift auch bei den Arbeitsbedingungen und beim Gesundheitsschutz ansetzen", vermutet IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann.

Neue Arbeitszeitmodelle gefordert
Vor allem die Frage, wie die Arbeitszeit verteilt wird, sieht Hofmann mehr in den Focus rücken. Viele Arbeitnehmer werden unter den heutigen Arbeitsbedingungen nicht bis zur gesetzlichen Altersrente im Betrieb arbeiten können. "Gerade mal 50 Prozent der Menschen glauben unter den derzeitigen Anforderungen ihre jetzige Tätigkeit bis zum Rentenalter ausüben zu können", zitiert Hofmann aus aktuellen Berechnungen des Internationalen Institutes für Empirische Sozialökonomie (INIFES). Arbeitsbedingungen müssen anders gestaltet und die Systeme der Arbeitszeit verändert werden, fordert der Gewerkschafter. "Es geht um neue Arbeitszeitmodelle, die einerseits flexible Antworten auf persönliche Belange geben und andererseits die Einkommenssituation der Menschen berücksichtigen."

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