IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Frauen in der asiatischen Bekleidungsindustrie. Foto: sauberekleidung.de

Frauen in der asiatischen Bekleidungsindustrie

Frauen aus der Armut befreien

08.03.2010 Ι Hierzulande kämpfen Frauen für die Gleichstellung und ein gerechtes Entgelt. In vielen asiatischen Ländern kämpfen Frauen um ihre Existenz. Vor allem Arbeiterinnen in der asiatischen Textilbranche leiden unter Hungerlöhnen. Die Kampagne für Saubere Kleidung macht immer wieder auf die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen in Asien aufmerksam. Sie fordert einen Grundlohn, der Frauen und ihre Familien aus der Armut befreit.

In vielen asiatischen Ländern wie etwa in Pakistan, Bangladesch oder Indien sind 80 bis 90 Prozent der Arbeitskräfte in der Bekleidungsindustrie Frauen. Die meisten von ihnen kommen vom Land und arbeiten in den Textilfabriken in den Städten. Doch trotz harter Arbeit können die Textilarbeiterinnen sich und ihre Familien nicht ausreichend versorgen.

Überstunden und Zusatzschichten zum Überleben
Die gesetzlichen Mindestlöhne in den meisten asiatischen Ländern reichen bei weitem nicht aus, um den Grundbedürfnissen gerecht zu werden. Besonders niedrig sind die Löhne der Frauen, die in informellen Arbeitsverhältnissen arbeiten. Die Frauen schuften als Gelegenheitsjobberinnen und Heimarbeiterinnen, um flexibel Last-Minute-Aufträge fertig zu stellen oder Auftrags- und Preisfluktuationen abzufangen.

Nur mit Überstunden und Zusatzschichten können die Textilarbeiterinnen überleben. "Wenn Hochbetrieb herrscht, arbeiten wir bis zwei oder drei Uhr morgens. Und zwar immer in Doppelschichten. Wir haben keine Wahl. Wir brauchen Überstunden, weil unsere Grundlöhne zu niedrig sind", berichtet eine thailändische Arbeiterin. Die langen Arbeitstage und die große Belastung lassen Frauen wenig Zeit, sich gewerkschaftlich zu engagieren und Lohnerhöhungen durchzusetzen. Zudem ist es Frauen fast unmöglich, sich in einer männerdominierten Gesellschaft oder Betriebsleitung Gehör zu verschaffen oder sich zu beschweren. Häufig sind sie in Betrieben Schikane und Diskriminierung ausgesetzt.

Asiatischer Grundlohn statt Hungerlöhne
Die Kampagne "Asia Floor Wage" (AFW) strebt einen einheitlichen existenzsichernden Grundohn ("Living Wage") für die Textilbranche im asiatischen Kontinent an. An diesem "Asiatischen Grundlohn" sollen sich Unternehmen und Politik orientieren. Durch zunehmende Produktionsverlagerungen droht weiteres Lohndumping. Um der Konkurrenz um die billigsten Löhne zu begegnen, schlägt die AFW-Kampagne eine regionale Tarifverhandlungsstrategie vor. Jedes Land soll die für sein Land umgerechnete Kaufkraft als existenzsichernden Lohn anstreben. Der "Asiatische Grundlohn" muss jedes Jahr neu berechnet werden, um Inflation und Wechselkursschwankungen auszugleichen. Die AFW-Kampagne will vor allem multinationale Unternehmen und die jeweiligen Regierungen in den Fokus nehmen, um den "Asiatischen Grundlohn" durchzusetzen und zu etablieren.

Ein breites Bündnis
Die AFW-Kampagne ist eine breite Koalition aus Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen (NROs), Frauenrechts- und Verbraucherorganisationen sowie Studentinnen und Studenten. Die Kampagne für Saubere Kleidung ist Teil dieses Bündnisses, bei dem die IG Metall schon seit Jahren aktiv mitarbeitet.

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Servicebereich