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Foto: Fotolia/Peter Atkins

Fristen, Ärzte, Versicherung

Arbeitsunfall: So reagieren Sie richtig

19.05.2016 Ι Die Arbeitswelt wird immer sicherer. Dennoch erleiden jedes Jahr hunderttausende Beschäftigte einen Unfall. Was dann zu tun ist - und welche Rechte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben.

Fast 956 000 gemeldete Arbeitsunfälle gab es 2014 in Deutschland. Bei rund 40 Millionen Erwerbstätigen bedeutet das: Statistisch gesehen hat es jeden 40. erwischt. Das zeigt ein Bericht der Bundesregierung.

 

Die gute Nachricht: Insgesamt sind die Zahlen seit Jahrzehnten rückläufig. 1991 gab es noch mehr als zwei Millionen Arbeitsunfälle. Dennoch bleibt die Sicherheit am Arbeitsplatz ein Dauerthema.

 

Was tun, wenn es zu einem Unfall kommt? Welche Rechte haben Arbeitnehmer, welche Pflichten die Arbeitgeber?

 

Ein Überblick:

 

Was gilt als Arbeitsunfall?

Arbeitsunfälle sind in erster Linie Unfälle, die Beschäftigte während ihrer Arbeitstätigkeit erleiden. Juristisch korrekt ausgedrückt sind es "Unfälle, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden".

 

Als Arbeitsunfälle gelten aber nicht nur Unfälle während der Arbeit. Der Begriff umfasst zum Beispiel auch Schülerinnen und Schüler während des Schulbesuchs oder Kinder in einer Kindertagesstätte.

 

Abgedeckt sind auch Betriebsfeiern, Betriebssport oder Betriebsausflüge. Außerdem Dienstgänge und der Weg von und zur Arbeitsstelle. Beim Arbeitsweg sind unter Umständen auch Umwege versichert: zum Beispiel bei Fahrgemeinschaften, Verkehrsumleitungen, um Kinder in einer Betreuungseinrichtung unterzubringen, oder wenn die Arbeitsstelle über einen längeren Weg schneller erreicht wird.

 

Wogegen bin ich während der Arbeit nicht versichert?

Herzinfarkt am Schreibtisch, plötzliches Nasenbluten: Wenn ein gesundheitliches Problem zufällig auftritt und nicht ursächlich mit der Arbeitstätigkeit zusammenhängt, dann besteht kein Versicherungsschutz durch die Unfallversicherung.

 

Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt auch nicht für Sachschäden. Ausnahme: Kleidung, die bei Erster Hilfe zerrissen wird oder durch den Unfall zerborstene Brillen.
 

Wo bin ich versichert?

Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind die Berufsgenossenschaften. Für die Branchen der IG Metall sind das die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) und die Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (ETEM).

 

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind dort versichert, egal ob sie dauerhaft oder nur zeitweise beschäftigt sind. Der Versicherungsschutz besteht sogar dann, wenn ein Betrieb noch nicht bei der Berufsgenossenschaft angemeldet ist oder keine Beiträge für die gesetzliche Unfallversicherung gezahlt wurden.
 

Müssen Arbeitsunfälle gemeldet werden?

Arbeitsunfälle müssen per "Unfallanzeige" gemeldet werden, wenn sie eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder den Tod zur Folge haben. Generell sollten aber alle Unfälle in einem Betrieb erfasst werden. Meldepflichtig ist der Arbeitgeber. Ein Arbeitsunfall muss binnen drei Tagen nach dem Ereignis gemeldet werden.

 

Arbeitnehmer haben das Recht auf eine Kopie der Unfallanzeige. Auch Betriebs- und Personalräte erhalten ein Exemplar. Diese Dokumentation kann bei Spätfolgen wichtig sein, Schwere Unfälle, Unfälle mit Todesfolge oder Massenunfälle müssen sofort an die Unfallversicherungsträger gemeldet werden.
 

Muss ich einen Arzt aufsuchen?

Wenn ein Unfall über den Unfalltag hinaus zur Arbeitsunfähigkeit führt, muss die oder der Verletzte einen sogenannten Durchgangsarzt aufsuchen. Darauf müssen Arbeitgeber hinweisen.

 

Durchgangsärzte haben einen Vertrag mit den Berufsgenossenschaften und kennen sich mit Unfallfolgen besonders gut aus. Nach seiner Untersuchung entscheiden sie, ob sie selbst weiter behandeln oder an einen anderen Arzt überweisen. Beschränkt sich die Verletzung auf Hals, Nase, Ohren oder Augen, können Beschäftige direkt zu einem entsprechenden Facharzt gehen.

 

Hinweis: Eine Liste der Durchgangsärzte muss im Betrieb für alle zugänglich vorhanden sein.

 

Was ist nach einem Arbeitsunfall im Betrieb zu tun?

Unfallverhütung ist das oberste Gebot. Dabei kommt dem Betriebsrat eine besondere Rolle zu: Er muss sich dafür einsetzen, dass Vorschriften zu Arbeitsschutz und Unfallverhütung eingehalten werden (Paragraf 89 BetrVG).

 

Bei allen Besichtigungen oder Erörterungen, die im Zusammenhang mit dem Arbeitsschutz oder der Unfallverhütung stehen sowie bei Unfalluntersuchungen muss der Betriebsrat  hinzugezogen werden. Bei Regelungen zu Unfallverhütung, Berufskrankheiten und Gesundheitsschutz darf der Betriebsrat mitbestimmen (Paragraf 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG).

 

Tipp: IG Metall-Betriebsräte können sich hier über ihre Rechte beim Arbeitsschutz und über die Pflichten des Arbeitsgebers informieren:
 

Welche Leistungen stehen mir zu?

Genereller gilt: Alle Behandlungen und Zuzahlungen eines ein Arbeitsunfalls gehen zu Lasten der Berufsgenossenschaften. Bei längerfristigen Folgen gibt es vier Möglichkeiten:

 

1. Vorübergehende Arbeitsunfähigkeit

Sobald die Arbeitsunfähigkeit ärztlich festgestellt ist, greift aber die Entgeltfortzahlung (maximal sechs Wochen). Ab der der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit zahlt die Berufsgenossenschaft Verletztengeld.

 

Die Zahlung endet mit dem letzten Tag der Arbeitsunfähigkeit, spätestens aber nach 78 Wochen. Ausnahme: eine länger als 78 Wochen andauernde stationäre Behandlung.

 

Das Verletztengeld beträgt 80 Prozent des regulären Entgelts. Davon abgezogen werden die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Das Verletztengeld wird über die Krankenkasse ausgezahlt. Wer an einer Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation teilnimmt, erhält Übergangsgeld.

 

2. Vollständige Erwerbsunfähigkeit

Ist eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter nach einem Arbeitsunfall erwerbsunfähig, steht ihm eine Verletztenrente zu. Sie beträgt zwei Drittel des vor dem Unfall erzielten Jahresarbeitsverdienstes (JAV). Als JAV gelten alle Einnahmen, die Beschäftigte innerhalb der letzten 12 Monate vor dem Unfall mit ihrer Arbeit erzielt haben.

 

3. Teilweise Erwerbsunfähigkeit

Ist eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter nach einem Arbeitsunfall teilweise
erwerbsunfähig, erhält sie/er einen bestimmten Prozentsatz der Verletztenrente. Ein Anspruch besteht ab einer Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 20 Prozent. Die Höhe der Rente richtet sich nach dem Grad der Erwerbsminderung.

 

4. Tod

Nach tödlichen Arbeitsunfällen steht den Hinterbliebenen (Witwe/Witwer, Kinder) Hinterbliebenenrente zu. Detaillierte Informationen gibt es hier:

 

Tipp: Rat und Hilfestellung bei Arbeitsunfällen geben auch die IG Metall-Geschäftsstellen.

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Links und Zusatzinformationen
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Persönliche Schutzkleidung (PSA) muss der Chef bezahlen
Müssen Beschäftigte aus zwingenden rechtlichen Gründen bei der Arbeit eine Schutzausrüstung wie zum Beispiel Helme oder Sicherheitsschuhe tragen, muss der Chef diese Schutzkleidung kostenlos bereitstellen.
Eine Kostenbeteiligung ist nur dann zulässig, wenn Arbeitnehmer die Schutzkleidung auch privat nutzen können.
RECHT SO!

In der Rubrik "RECHT SO!" erläutern Experten vom DGB-Rechtsschutz Fragen rund um das Arbeitsrecht.

Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch, wie lange Arbeitnehmer arbeiten müssen und wieviel Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld ihnen zusteht. Gäbe es keine Tarifverträge, wären die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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