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Perspektiven: Garantie auf berufliche Fort- und Weiterbildung. Foto: IG Metall

Perspektiven: Garantie auf berufliche Fort- und Weiterbildung

Schlechte Noten für Bildungschancen

12.02.2014 Ι Alle reden von Bildung. Doch bekommen auch alle die Bildung, die sie brauchen? Um etwa den Job weiterhin gut und kompetent machen zu können? Oder auch, um sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Vielen fehlt die Perspektive, für die sich weiterbilden lohnt. Fazit: Jeder muss einen Anspruch auf individuelle Fort- und Weiterbildung haben.
Zwar herrscht fast einhellig Einigkeit darüber, dass eine breite Bildung und Weiterbildung wichtig sind - doch Deutschland und die Betriebe tun zu wenig dafür. Stellt sich die kritische Frage: Wie lange will eine Industrienation, die stolz ist auf ihren Titel Exportweltmeister und gleichzeitig über fehlende Fachkräfte klagt, sich schlechte Bildungschancen leisten?

Gute Bildung ist der Schlüssel zu einer starken Demokratie sowie zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft und Wirtschaft. Doch leider reicht das Engagement für Bildung, Ausbildung und Weiterbildung bei weitem nicht aus. Im vergangenen Jahr hatte die IG Metall eine halbe Million Beschäftigte gefragt, wie es um ihre Weiterbildungs- und Entwicklungschancen in den Betrieben steht. Das Ergebnis lässt nicht nur viele Wünsche offen, sondern zeigt, dass bei weitem mehr Bildungsaktivität gefordert ist.

Keine Zeit, kein Geld, keine Möglichkeiten

Fast die Hälfte der Arbeitnehmer bleibt vor lauter Arbeitsdruck kaum Zeit, sich weiterzubilden. Genauso viele vermissen berufliche Perspektiven, für die es sich lohnt, sich zu qualifizieren. Und auch das Bildungsengagement von Vorgesetzten lässt zu wünschen übrig. 60 Prozent der Befragten werden nicht oder zu wenig von ihrem Arbeitgeber bei ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt. Fast genauso viele sehen keine oder kaum Möglichkeiten, sich weiterzubilden oder verbinden damit keine bessere Perspektive.

Die Bildungschancen in Deutschland sind extrem ungerecht verteilt. In kaum einem anderen Land hängen sie so sehr vom Bildungsstand und Geldbeutel der Eltern ab wie hierzulande. Lebenslanges Lernen scheint oft eher Wunschdenken als Wirklichkeit zu sein. Denn auch deutsche Unternehmen geizen mit Fort- und Weiterbildungsangeboten und bestätigen damit, was der Volksmund oft behauptet: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Vor allem wenn Hänschen aus einer (bildungs-)armen Familie kommt.

Zu diesem Resultat kam auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Mit ihrer internationalen Bildungsstudie PIAAC bescheinigte sie dem deutschen Bildungssystem eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Das Fazit der Forscher: "Deutschland muss die Kompetenzen von gering Qualifizierten verbessern und in den Schulen die Chancen auf Bildung gerechter verteilen."

Bildungsungerechtes Deutschland

Diese Bildungsungerechtigkeit kann auch die IG Metall Jugend durch mehrere Umfragen im Frühjahr 2013 bestätigen. Auf deren Basis startete sie mit Auszubildenden, Studierenden und jungen Beschäftigten die Kampagne "Revolution Bildung", die jetzt in die nächste Phase geht. Mit der Kampagne fordert die IG Metall Jugend eine bessere und gerechtere Bildung. Statt "Eliten"-Förderung für wenige plädiert sie für gute Bildung für alle.

Dabei nimmt sie auch die Wirtschaft in die Pflicht. Denn bei den Bildungsinvestitionen liegen deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich weit hinten. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels und rasanten technischen Wandels fällt der beruflichen und akademischen Weiterbildung eine Schlüsselrolle für die Zukunft der deutschen Wirtschaft zu.

Bildungsgarantie für jeden

Die IG Metall Jugend diskutiert derzeit Modelle, die jedem Einzelnen einen individuellen Weiterbildungsanspruch garantieren. Denn Arbeitnehmer haben hierzulande keinen Rechtsanspruch auf berufliche Fort- und Weiterbildung mit bezahlter Freistellung. Prekär Beschäftigte haben in der Regel gar keine Chance auf weiterbildende Maßnahmen. Und viele können sich Bildung einfach nicht leisten.

Deshalb fordert die IG Metall Jugend unter anderem, dass jeder eine Garantie darauf erhält, sich beruflich und persönlich weiter zu entwickeln und hierfür auch die benötige Zeit bekommt. Jeder soll ein Recht auf bezahlte Freistellung für selbstbestimmte Weiterbildungsmaßnahmen erhalten.

"Es kann nicht sein, dass ein Großteil der Menschen von Bildung und Weiterbildung ausgeschlossen ist", kritisiert Eric Leider, Bundesjugendsekretär der IG Metall. "Alle müssen eine echte Chance auf lebenslanges Lernen bekommen. Hier sind vor allem auch die Unternehmen gefordert: Sie müssen mehr investieren und endlich allen Beschäftigten Weiterbildung ermöglichen."

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