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Mit Bildungsteilzeit dem Fachkräfteengpass vorbeugen

Mit Bildungsteilzeit dem Fachkräfteengpass vorbeugen

Bildungsteilzeit - eine Chance für alle

30.10.2015 Ι Mit dem Tarifabschluss im Frühjahr 2015 haben Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie einen Anspruch auf Bildungsteilzeit. Damit haben IG Metall und Arbeitgeber ein Instrument geschaffen, um Fachkräfte aufzubauen, die die Wirtschaft bedingt durch den demografischen und technologischen Wandel benötigt.
Firmen beklagen zunehmend, Stellen nicht besetzen zu können. Die fortschreitende Digitalisierung und der demografische Wandel stellen die Unternehmen vor weitere personelle Herausforderungen. Lebenslanges Lernen wird damit eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben.

Deshalb müssen "aus Arbeitsplätzen Lernplätze werden", betonte Jörg Hofmann auf dem IG Metall-Gewerkschaftstag letzte Woche in Frankfurt. Um einen Fachkräftemangel zu vermeiden, forderte dort der neu gewählte Erste IG Metall-Vorsitzende vor allem eine ausreichende Aus- und Weiterbildung sowie die Arbeitsorganisation und Personalentwicklung miteinander zu verknüpfen. Aber auch Arbeit und Leben müssten Frauen wie Männer endlich besser vereinbaren können.

Daher sieht Hofmann die im Frühjahr in der Metall- und Elektroindustrie vereinbarte Bildungsteilzeit als ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um die Fachkräfte von morgen aufzubauen, haben IG Metall und Arbeitgeber mit der Bildungsteilzeit ein gutes Instrument geschaffen. Davon profitieren sowohl Unternehmen als auch die Arbeitnehmer. Von ihnen vor allem drei Beschäftigtengruppen:

Erstens die Un- und Angelernten sowie Geringqualifizierten. Gerade ihre Arbeitsplätze werden in den nächsten Jahren deutlich weniger. Gleichzeitig benötigen die Industriebetriebe bedingt durch Digitalisierung und Industrie 4.0 mehr qualifizierte Fachkräfte. Die Bildungstarifverträge machen es jetzt erheblich einfacher, einen Berufsabschluss ohne Verdienstverlust nachzuholen. Danach müssen Betriebe feststellen, welcher Bedarf Beschäftigte ohne Abschluss haben und ihnen entsprechende Förderprogramme anbieten, wie etwa das WeGebAU-Programm von der Bundesagentur für Arbeit. Am Ende eines solchen Ausbildungsganges steht ein Berufsabschluss mit Zeugnis der IHK.

Vorsorgebaustein gegen Fachkräfteengpass

Auch junge Ausgelernte haben von der Bildungsteilzeit etwas und können zum Beispiel direkt nach ihrer Ausbildung ein Aufbaustudium dranhängen. Möglich ist das etwa mit Stipendienmodellen in Kombination mit öffentlicher Förderung und Beschäftigung in den Semesterferien und Praktikumsphasen.

Die dritte Gruppe sind vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich nach längerer Berufstätigkeit neu orientieren wollen. Für sie ist es jetzt einfacher, sich trotz familiärer oder sonstiger Verpflichtungen für eine Weiterbildung etwa zum Meister, Techniker, Fachwirt oder für einen Masterabschluss zu entscheiden.

Bis zu sieben Jahre Bildungsteilzeit - verblockt oder als Teilzeit - sind möglich. Danach können Beschäftigte ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren und sich neben der Teilzeit oder im Blockmodell fort- oder weiterbilden. Durch das Einbringen von Arbeitszeit und Umwandeln von Sonderzahlungen und Zulagen können die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein regelmäßiges Einkommen für die Freistellungsphase erzielen. Das sind bei einer geförderten Bildungsteilzeit bis zu 80 Prozent des bisherigen Verdienstes. Einen Anspruch auf Bildungsteilzeit oder ein Ausscheiden mit Rückkehrrecht haben übernommene Auszubildende sowie Beschäftigte, die länger als fünf Jahre im Betrieb sind.

Der Einstieg in die Bildungsteilzeit ist für alle ein Gewinn - für die Beschäftigten und für die Unternehmen. Für letztere kann sie ein Baustein sein, um dem von ihnen beklagten Fachkräfteengpass vorzubeugen.

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Die Initiative "Partnerschaft für Fachkräfte in Deutschland", der die IG Metall angehört, setzt sich dafür ein, Arbeits- bedingungen attraktiv zu gestalten, um Fachkräfte zu sichern. Wie das geht, will die Partnerschaft in einer Fachkräfte- woche vom 26. Oktober bis 1. November zeigen. Bundesweit stellen sich Betriebe vor, die ihren Fachkräftebedarf mit guten Arbeitsbedingungen sichern.

Im Rahmen der Fachkräftewoche besucht Arbeitsministerin Andrea Nahles Ende Oktober den Waiblinger Motor-sägenhersteller Stihl. Sie nimmt an einer Diskussion zur Fachkräftesicherung teil, die IG Metall und Südwestmetall in Baden-Württemberg initiiert haben.

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