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Betriebsratswahl 2014: Chance nutzen. Foto: Fotolia

Betriebsratswahl 2014: Chance nutzen

Kein Betrieb ohne Betriebsrat

27.01.2014 Ι Die Betriebsratswahl ist für Arbeitnehmer eine der wichtigsten Wahlen. Im März ist es wieder so weit. Dann wählen Belegschaften ihre neuen Betriebsräte. Mit der IG Metall haben Arbeitnehmervertreter eine starke Partnerin an ihrer Seite - mit jeder Menge Know-how und der Power von Millionen Mitglieder.

Ob fair geregelte Arbeitszeiten, gute Arbeitsbedingungen, gerechte Eingruppierungen, eine qualifizierte Berufsausbildung und die Übernahme danach - die Situation in den Unternehmen verändert sich ständig und damit auch die Herausforderungen. Vieles im Betrieb lässt sich nicht alleine klären - für manche Angelegenheiten und Probleme brauchen Arbeitnehmer einen starken Partner. Einen, der den Überblick hat, der weiß, was zu tun ist und sich im Gesetz auskennt. Und einen, der im Streitfall den Konflikt gemeinsam mit den Beschäftigten regelt. "Betriebsratswahlen sind aktiv gelebte Demokratie im Betrieb", erklärt Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

Vieles kann der Arbeitgeber nicht alleine entscheiden. Er muss den Betriebsrat hören oder sogar die Zustimmung der Arbeitnehmervertretung einholen. Dort, wo es Betriebsräte gibt, sind die Arbeitsbedingungen und die Einkommen besser.

 

Denn Betriebsräte nehmen Einfluss: Sie können mitbestimmen bei der Berufsausbildung und damit die Qualität der Ausbildung beeinflussen. Der Arbeitgeber muss auch mit dem Betriebsrat sprechen, wenn es um die Arbeitszeiten, Pausen und Überstunden geht. Auch muss die Arbeitnehmervertretung gehört werden, wenn der Betrieb neue Mitarbeiter einstellen will oder wenn es um Versetzungen und Kündigungen geht. Der Arbeitgeber muss dem Betriebsrat beispielsweise die Gründe nennen, die nach seiner Sicht eine Kündigung rechtfertigen. Neben dem Umweltschutz können Betriebsräte auch für einen besseren Gesundheits- und Unfallschutz sorgen.


In Firmen ohne Betriebsrat gibt es dagegen für die Beschäftigten kaum Möglichkeiten sich einzubringen. Der Chef bestimmt und die Belegschaft richtet sich nach den Anweisungen der Vorgesetzten. Das ist eine längst überholte Form des Miteinanders. Auch bei Enercon gab es lange Zeit keinen Betriebsrat. Die Beschäftigten des Windkraftkonzerns identifizieren sich stark mit dem Unternehmen und dem Produkt.  Doch vieles lief dort nur auf Zuruf: Montageeinsätze in über 100 Metern Höhe, bei Wind und Wetter, Notdienste, Rufbereitschaft und Wochenenddienste. Irgendwann war es dann soweit: Die Beschäftigten wollten mitreden und sich nicht einfach alles verordnen lassen. Deshalb wählten sie im November 2013 eine betriebliche Arbeitnehmervertretung.


Mutig sein 

Trotz Gegenwind von der Unternehmensseite bewiesen die Beschäftigten von Enercon Mut. Obwohl die Geschäftsleitung den Metallerinnen und Metallern Steine in den Weg legte, fanden die Betriebsratswahlen in den neun Servicegesellschaften statt. Und das, obwohl der Windkonzern jahrelang Gerüchte gestreut hatte, Betriebsräte würden der Firma schaden.

In einer solchen Situation war klar: Jeder, der sich bei Enercon engagierte, musste zuerst Ängste abbauen und Mut beweisen. Aber letztendlich waren die Probleme zu groß und die Lösungen nicht zufriedenstellend. "Wenn es Probleme gab und wir die ansprachen, stießen wir auf taube Ohren. Deshalb haben unsere Kollegen den Betriebsrat gewählt", erklärt Betriebsrat Tobias Dombrowski. Und Betriebsrat Christian Hohmann sagt: "Wir wollen einfach mitreden. Etwa beim Notdienst oder der Rufbereitschaft."


Ungerechtigkeiten nicht einfach hinnehmen

Das Beispiel Enercon macht Mut. Beschäftigte sollten ungerechte Situationen im Betrieb nicht einfach hinnehmen, sondern gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen für einen starken Betriebsrat sorgen. Wichtigste Voraussetzung ist, bei der Betriebsratswahl auch zu wählen und alle anderen Beschäftigten davon zu überzeugen, ebenfalls zur Wahl zu gehen. Oder selbst zu kandidieren. Denn eine starke betriebliche Interessenvertretung braucht Leute, die engagiert und motiviert sind, die betrieblichen Probleme anzupacken und etwas zu verbessern. Denn die Arbeitswelt ändert sich und erfordert viel Know-how. 


IG Metall unterstützt

Die IG Metall hilft. Auch wenn es bisher in dem Unternehmen noch keinen Betriebsrat gibt. Sie unterstützt, einen Betriebsrat zu gründen, die Wahl vorzubereiten und durchzuführen. In diesem Fall wenden Sie sich an die regionale IG Metall vor Ort.

Betriebsratswahlen können in all den Betrieben stattfinden, in denen fünf Arbeitnehmer ständig beschäftigt und über 18 Jahre alt sind. Von den fest angestellten Beschäftigten müssen drei wählbar sein, die im Betrieb bereits ein halbes Jahr arbeiten. Ab drei Monaten Einsatzzeit wählen Leiharbeitskräfte den Betriebsrat mit. In kleineren Firmen mit fünf bis 50 Arbeitnehmern gibt es ein verkürztes und vereinfachtes Wahlverfahren.


"Die Betriebsratswahlen sind von herausragender Bedeutung für die IG Metall", erklärt der IG Metall-Vize. So gehören drei von vier Betriebsräten der IG Metall an. Das ist ein klares Votum der Belegschaften für unsere Betriebs- und Tarifpolitik. Daher will die Gewerkschaft die Wahlbeteiligung mindestens auf dem Niveau von 2010 halten. Bei der letzten Wahl lag die Beteiligung bei rund 73 Prozent - ein Wert, von dem viele Politiker nur träumen können.


Nur wenn die Beschäftigten beteiligt werden, kann die Arbeitswelt nachhaltig gestaltet werden. Dass das die Menschen erwarten, zeigt zudem das Ergebnis der großen Beschäftigtenbefragung der IG Metall, die die Gewerkschaft im Frühjahr 2013 durchgeführt hat. Das Ergebnis war eindeutig: Sichere und faire Arbeit gibt es nur mit Betriebsräten. In Firmen mit einer Arbeitnehmervertretung wird mehr für Gesundheit und Weiterbildung getan und dort haben die Beschäftigten häufiger Arbeitszeiten, die die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben unterstützen. "Unser langfristiges Ziel ist: Kein Betrieb ohne Betriebsrat", fordert daher Jörg Hofmann.

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Dann auf alle Fälle einen gründen. Die IG Metall vor Ort hilft dabei.

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