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So bleibt die IG Metall auch in Zukunft stark
IG Metall vom Betrieb aus denken

Die Transformation verändert die Arbeitswelt grundlegend. Wir haben den Anspruch, den Wandel im Sinne der Beschäftigten zu gestalten. Die Hauptfrage ist deshalb: Wie bleibt die IG Metall auch in Zukunft stark? Mit dem Projekt „Die IG Metall vom Betrieb aus denken“ wollen wir diese beantworten.


Fortschreitende Digitalisierung, Dekarbonisierung, Klimawandel, demographische Entwicklung. Die Megatrends der Transformation sind längst in den Betrieben angekommen. Wirtschaft und Gesellschaft, so viel ist gewiss, werden sich in den kommenden Jahren stark wandeln, die Transformation die Arbeitswelt grundlegend verändern. Klar ist: Die IG Metall will den Wandel im Sinne der Beschäftigten gestalten. Klar ist auch: Damit das gelingt, muss die IG Metall gerade jetzt mitgliederstark und durchsetzungsstark sein.

Genau hier setzt unser Projekt „IG Metall vom Betrieb aus denken“ an, das wir auf dem letzten Gewerkschaftstag beschlossen haben – und das jetzt überall in der Republik läuft.  

Die Grundidee ist so einfach wie eingängig: Damit wir in den Betrieben die Zukunft gestalten können, müssen wir als IG Metall unsere Arbeit noch stärker auf das ausrichten, was in den Betrieben gebraucht wird.

Marc MöllerMarc Möller

Impulse für die Weiterentwicklung - Beispiel John Deere

Bei John Deere gab es ein ungerechtes Leistungsbewertungssystem. Das wollte Marc Möller ändern. Deshalb hat sich der 30-Jährige entschlossen, Veränderungspromotor zu werden – so wie 1000 Metallerinnen und Metaller überall. Mit ihrer Arbeit geben sie Impulse für die Weiterentwicklung der IG Metall.Mehr

Damit wir stark und handlungsfähig bleiben, wollen wir uns als Organisation gemeinsam auf den Weg machen – und uns einige Fragen stellen. Die Hauptfrage: Wie müssen wir unsere Arbeit verändern, um kompetent, beteiligungsorientiert und, wenn notwendig, konfliktfähig die Transformation so zu gestalten, dass gute Arbeit für alle entsteht? Wir wollen unsere Arbeitsstrukturen überprüfen, unsere Kompetenzen ausbauen und unsere Kultur der Zusammenarbeit verändern.


Unser stärkster Handlungsort ist der Betrieb

An unserem Grundsatz halten wir allerdings fest: Unser stärkster Handlungsort ist der Betrieb. Dort setzen wir an. Dort wollen wir für die Beschäftigten noch handlungsfähiger, erlebbarer, sichtbarer werden. Denn klar ist: Gewerkschaftsarbeit findet vor allem in den Betrieben statt. Dort gilt es, die Arbeitsbedingungen auch bei großen Veränderungen zu gestalten. Und genau das ist das Ziel des Projekts „IG Metall vom Betrieb aus denken“ ist: Dass die IG Metall auch künftig als kompetente und konfliktfähige Gemeinschaft die Arbeitswelt mitgestaltet und eine starke Stimme in der Gesellschaft ist.

Das Projekt, das in allen Bezirken, in vielen Betrieben überall in der Republik läuft, ist auf vier Jahre angelegt und in einem breiten Beteiligungsprozess organisiert - und es setzt ganz auf das Wissen, auf die Kompetenz, auf Ideen und Kreativität von aktiven Metallerinnen und Metallern.

Die wichtigsten Akteure des Projekts sind 1000 Kolleginnen und Kollegen, die sich als „Veränderungspromotoreninnen und -promotoren“ engagieren. Diese Promotorinnen und Promotoren, haupt- sowie ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen, werden vor Ort im Betrieb und in der Geschäftsstelle die Veränderungsprozesse vorantreiben.

Das sagen Veränderungspromotoren

Kai Hölzel - Ontex Hygieneartikel Deutschland

Unser Projekt ist der Abschluss eines Zukunftstarifvertrages. Anfang dieses Jahres wurde ein Teil unserer Maschinen in ein anderes Werk verlagert, um Platz für modernere Maschinen zu schaffen. Das hat bei den Beschäftigten für Ängste gesorgt. Diese Ängste wollen wir ihnen nehmen, indem wir eine Standortgarantie fordern. Solche Projekte kann man nur mit einer stark organisierten Belegschaft und Unterstützung durch die IG Metall umsetzen.

Michael Gossmann - Opel Kaiserslautern

Wir haben besprochen, welches Veränderungsprojekt wir vor Ort auf den Weg bringen wollen. Wir Veränderungspromotoren leiten dieses dann. Ich zum Beispiel will mich in meinem Betrieb, bei Opel in Kaiserslautern, darum kümmern, dass wir die Vertrauensleutearbeit stärken. In unserem Projekt erarbeiten wir Möglichkeiten, wie wir uns zukunftsfähig aufstellen und neue Vertrauensleute gewinnen können. Auf unserem Weg werden wir von den Bildungszentren begleitet.

Rainer Sanzi - Daimler Sindelfingen

Als Veränderungspromotor ist man derjenige, der antreibt, der schaut, dass alles ins Laufen kommt. Dafür bekomme ich von der IG Metall Rüstzeug in die Hand. Die "Zukunftsreihen" sind so aufgebaut, dass sich theoretische und praktische Phasen immer wieder abwechseln. In den Bildungszentren lernt man agiles Projektmanagement. Man entwirft gemeinsam eine Projektstruktur, plant die einzelnen Schritte und reflektiert den Fortgang des Projektes in der Gruppe.

Lasse Thies, JAV-Vorsitzender, Daimler Konzernzentrale, Stuttgart

Lasse Thies - Daimler Stuttgart

Bei uns im Unternehmen ist deutlich zu sehen, wie die Belegschaftsstruktur sich nachhaltig wandelt: Es kommen immer mehr Kolleginnen und Kollegen in den Betrieb, die mit Software arbeiten, die Ingenieure sind, die im Angestelltenbereich tätig sind. Diese Beschäftigtengruppen gewinnen wir nicht im Vorbeigehen für die IG Metall. Wir brauchen deshalb dringend neue, zunehmend digitale Ansprache-Konzepte, die passgenau auf die Bedürfnisse dieser Kolleginnen und Kollegen zugeschnitten sind.

Marco Ullrich, Vertrauenskörperleiter, Coperion, Stuttgart

Marco Ullrich - Coperion Stuttgart

Wir müssen unsere Erfolge, die wir als IG Metall erringen, viel sichtbarer machen. Um das vor Ort im Betrieb gut leisten zu können, brauchen wir passgenaue Unterstützung. Ich stelle mir einen Baukasten von Angeboten vor, der modular aufgebaut ist, der aus kurzen Clips, Social-Media-Formaten, guten Artikel besteht und der sehr leicht auf die individuelle betriebliche Situation vor Ort im jeweiligen Betrieb angepasst werden kann.

Sandra Graf, BR, Bosch, Bühl

Sandra Graf - Bosch Bühl

Wann immer ich mit Betriebsratskolleginnen und -kollegen aus anderen Betrieben zusammen bin, merke ich: Da ist so viel Know-how vorhanden, da gibt es so viele Erfahrung und Ideen von Kolleginnen und Kollegen, die man für sich und seine Arbeit im Betrieb nutzbar und fruchtbar machen könnte. Wir haben innerhalb der IG Metall einen großen, wertvollen Wissensfundus, ein riesiges, verzweigtes Ideennetzwerk. Aber wir zapfen es viel zu selten und nicht konsequent genug an.

Michael Brunini, freigestellter Betriebsrat, Siemens Stuttgart

Michael Brunini - Siemens Stuttgart

Als Betriebsrat wünsche ich mir von der IG Metall eine größere Unterstützung vor allem von kurzen, grundlegenden, schnell einsetzbaren Videos, mit denen ich auf unsere Kolleginnen und Kollegen zugehen kann. Wir brauchen für unsere Arbeit Formate, die auf die entsprechenden Personengruppen zugeschnitten sind, die die Grundlagen von Gewerkschaftsarbeit erklären und die zeigen, was die IG Metall bereits alles erreicht hat und was sie antreibt.

Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst betriebliche Veränderungsprojekte, bei denen die Interessenvertreter ein aktuelles Thema im Sinne der Beschäftigten bearbeiten. Etwa 300 bis 400 solcher Projekte werden bundesweit durchgeführt. Die Evaluation am Ende eines jeden Projekts geht in zwei Richtungen: Was war hilfreich für den Erfolg? Aber auch: Was hätte besser laufen können und wie könnte man das künftig anders organisieren? Erkenntnisse und Vorschläge, die auf die ganze IG Metall übertragbar sind, sollen dann kontinuierlich in die Arbeit der gesamten Organisation einfließen.

Unsere Bildungszentren unterstützen die Beteiligten. Dazu dient die Seminarreihe "Wir gestalten die Zukunft der IG Metall mit", kurz: "die Zukunftsreihe". Darin geht es beispielsweise um Themen wie:

  • neue Ansätze für mehr Organisationsstärke und Beteiligung im Betrieb,
  • aktive Betriebspolitik, etwa zur Durchsetzung von Zukunftsvereinbarungen,
  • Erhöhung der Anzahl kampffähiger Betriebe in Tarifauseinandersetzungen,
  • Stärkung der Präsenz der Geschäftsstelle in der Region,
  • Erfolgskriterien für eine erfolgreiche Mobilisierung zu gesellschaftspolitischen Fragen.

Geplant ist, im Frühjahr 2022 einen zentralen Kongress durchzuführen, um alle Ergebnisse zu diskutieren und zu verdichten. Auf dieser Grundlage können dann die Gremien, zum Beispiel der Vorstand und der Beirat der IG Metall über Umsetzungsschritte beraten. Die Umsetzung erfolgt dann bis zum nächsten Gewerkschaftstag im Herbst 2023, auf dem dann, soweit erforderlich, weitere Schritte als Folge des Veränderungsprozesses beschlossen werden.
 



Interview

„Leuchte ist nicht gleich Leuchte“

Erich Bullmann ist stellvertretender Betriebsratsvorsitzender beim Leuchtenhersteller Trilux in Arnsberg. Im Interview spricht der 56-Jährige über den Wandel in der Entwicklung und Produktion von Leuchten – und darüber, wieso er sich im Projekt „IG Metall vom Betrieb aus denken“ engagiert.
 



Erich Bullmann, Betriebsratsvorsitzender bei Trilux (Foto: Jonas Carstens)

Erich, Du bist stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Trilux und seit vielen Jahren im Betrieb. Hat der Wandel und die Transformation auch Eure Branche erfasst? Oder ist alles beim Alten, weil: Leuchten brauchen die Menschen ja immer?

Erich Bullmann: Stimmt, Licht brauchen die Menschen immer. Aber: Leuchte ist doch nicht Leuchte! Bei uns hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Wir haben hier mehrere Stufen der Transformation durchlaufen. Und wir stecken weiter tief im Wandel.

Das ganze Interview lesen …

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