Tarifbewegung Holz und Kunststoff 2025
Warnstreiks möglich: IG Metall reagiert auf Arbeitgeber-Blockade

Die zweite Verhandlungsrunde für die Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie ist ernüchternd: Die Arbeitgeber legen in manchen Tarifgebieten gar kein Angebot auf den Tisch und in anderen ein Angebot, das die IG Metall als „nicht verhandelbar“ zurückweist. Die IG Metall kündigt Widerstand an.

21. November 202521. 11. 2025 |
Aktualisiert am 11. Dezember 202511. 12. 2025


In der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie startet die zweite Verhandlungsrunde am Dienstag in Niedersachsen und Bremen ohne Ergebnis – und ohne Angebot. Am Mittwoch gehen IG Metall und Arbeitgeber auch in Bayern und Westfalen-Lippe ohne Angebot der Arbeitgeberseite auseinander. In Baden-Württemberg legten die Arbeitgeber zwar ein erstes Angebot auf den Tisch, dieses hat die IG Metall jedoch als unzureichend zurückgewiesen. „Mit diesem ‚Angebot‘ haben die Arbeitgeber deutlich gemacht, dass sie noch nicht ernsthaft in den Verhandlungen angekommen sind. Es fehlt erkennbar der Wille, gemeinsam mit uns eine Lösung im Tarifkonflikt zu finden“, kritisierte IG Metall-Verhandlungsführer Matthias Fuchs.

Das vorgelegte Angebot der Arbeitgeberseite sieht eine Laufzeit vor von 29 Monaten bis April 2028 – ohne jegliche Entgelterhöhung im Jahr 2026. Stattdessen ist lediglich von möglichen Einmalzahlungen die Rede, die zudem differenziert ausfallen könnten. Eine tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte soll frühestens 2027 erfolgen – ohne konkrete Höhe oder weitere Präzisierungen.
 

Vorbereitungen für Warnstreiks laufen

Der IG Metall-Verhandlungsführer für Niedersachsen, Markus Wente, kritisiert scharf, dass die Arbeitgeber jetzt kurz vor Weihnachten ohne ein Angebot an den Tisch kommen. Das sorge für massive Enttäuschung und Wut bei den Beschäftigten. „Kurz vor dem Weihnachtsfest reicht es nicht ohne Besteck am Verhandlungstisch zu erscheinen, wenn man wirklich gewillt ist nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen echte Wertschätzung – die Chance auf eine Befriedung vor den Feiertagen und damit in der Friedenspflicht hat die Gegenseite damit verspielt“, so Wente. 

Die Friedenspflicht endet am 13. Dezember – mit Ausnahme von Hamburg und Sachsen, wo die Friedenspflicht am 1. Januar beziehungsweise am 1. Februar 2026 endet – sodass um den Jahreswechsel Warnstreiks möglich sind. Da die Arbeitgeberseite bislang in manchen Tarifgebieten keine Angebote und nur in einem ein unzureichendes Angebot vorgelegt hat, wird die IG Metall in den kommenden Wochen den Druck in den Betrieben erhöhen. „Wir bereiten betriebliche Aktionen und Warnstreiks vor“, kündigt IG Metall-Verhandlungsführer für Niedersachsen, Markus Wente an. „Wenn die Arbeitgeber den Weg der Verzögerung fortsetzen, wird der Protest auf die Straßen und vor die Werkstore getragen.“


Das fordert die IG Metall

Die IG Metall fordert 5 Prozent höhere Entgelte für die Beschäftigten. Die Löhne und Gehälter der Auszubildenden sollen überproportional angehoben werden. Zusätzlich gibt es regionale Forderungen wie eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen in Bayern oder eine Komponente, die IG Metall-Mitgliedern zugutekommt, wie in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die wirtschaftliche Begründung liegt auf der Hand: Seit Anfang 2022 sind die Verbraucherpreise um 17,4 Prozent gestiegen, die Einkommen der Beschäftigten in der Branche jedoch nur um 12,9 Prozent. Der reale Kaufkraftverlust beträgt also fast fünf Prozentpunkte – ein dauerhafter Einschnitt in die Lebenswirklichkeit der Menschen.

Die Arbeitgeber verkündeten bereits in der ersten Verhandlung, dass kein Spielraum für Entgelterhöhungen bestehe. „Das wird den Beschäftigten nicht gerecht, die die Gewinne doch erst erwirtschaften. Das heißt: Die Entgelte müssen jetzt steigen – oder wir bringen den Unmut der Beschäftigten auf die Straße“, sagt Inga Neumann, Tarifexpertin für Holz und Kunststoff im IG Metall-Vorstand.


So geht es weiter

Laut einer Umfrage der IG Metall unter 4 400 Beschäftigten geht es den Betrieben ihrer Branche besser als der Gesamtwirtschaft: Während 59 Prozent die wirtschaftliche Situation im Land als solide bis sehr gut wahrnehmen, stellt sich die Auftrags- und Ertragslage in den Betrieben der Branche für 75 Prozent weitaus positiver dar. Gleichzeitig leiden die Betriebe unter Arbeits- und Fachkräftemangel, der sich durch Abwanderung der Beschäftigten zu verstärken droht: Mit 45 Prozent ist fast die Hälfte der Beschäftigten unzufrieden in ihrem Job. Weitere 15 Prozent sind durch Bewerbungen bei anderen Unternehmen konkret auf dem Absprung. 

Die Branche zählt 166 000 Beschäftigte der Holz-, Möbel- und Kunststoff-Industrie: bei Kfz-Zulieferern und Herstellern etwa von Küchen, Caravans bis hin zu Klavieren. Die Tarifverhandlungen werden regional in den unterschiedlichen Tarifgebieten geführt. In Rheinland-Pfalz findet die zweite Verhandlung am Freitag statt. In Thüringen wird am Donnerstag zum ersten Mal verhandelt.

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