Kurswechsel bei ZF
ZF: Entwicklung und Produktion von E-Motoren und Wechselrichtern gesichert

Technologiekonzern ZF will E-Motoren und Wechselrichter künftig doch selbst fertigen, dabei war der Plan eigentlich, diese nur noch zuzukaufen. So erzielte die IG Metall die Planänderung.

20. Mai 202620. 5. 2026


„Wir haben geschafft, wichtige Schlüsseltechnologien bei ZF und in Deutschland zu halten“, erklärt Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott. Konkret heißt das: Die Beschäftigten von ZF werden auch weiterhin E-Motoren und Wechselrichter fertigen. Eine gute Nachricht, denn das sichert Arbeitsplätze. Eigentlich wollte die Konzernleitung diese Schlüsseltechnologien künftig nur noch zukaufen, doch starker Protest der IG Metall, der Beschäftigten und der IG Metall Betriebsräte brachte die Wende: ZF rief eine Sonderprüfung ins Leben.

Die Sonderprüfung war breit angelegt. Neben wirtschaftlichen und finanziellen Kriterien flossen auch strategische Aspekte wie technologische Souveränität, Know-how-Sicherung, Lieferkettenstabilität sowie geopolitische Risiken in die Bewertung ein, erklärt der Konzern. Am Ende sprach dann eine paritätische Kommission aus Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern eine klare Empfehlung für „Make“ aus, die der Vorstand nun bestätigte.

„Das Ergebnis der Sonderprüfung ist für uns und die Beschäftigten in Deutschland ein großer Erfolg. Eines dürfen wir nicht vergessen: Im vergangenen Sommer standen beide Produkte auf ,Buy‘, was einen gewaltigen Arbeitsplatzabbau und den Verlust von Kompetenz bedeutet hätte”, sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Achim Dietrich. „Mit dem Bündnis E-Division und einer starken, solidarischen Belegschaft im Rücken haben wir es geschafft, dass diese Entscheidung noch einmal überprüft – und geändert – wird.“


Proteste der IG Metall brachten die Wende

„Die Entscheidung steht natürlich auch im direkten Zusammenhang mit den massiven Protesten der Beschäftigten rund um die Aufsichtsratssitzung am 29. Juli 2025“, erklärt Oliver Moll, Mitglied des Aufsichtsrates und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Schweinfurt. „Die vielen tausend ZF-Beschäftigten, die damals auf die Straße gegangen sind, waren sicherlich ein zentraler Baustein dafür, die Entscheidung im Aufsichtsrat so zu beeinflussen, dass wir heute die Chance haben, uns aus eigener Kraft weiterzuentwickeln.“

Für den Standort Schweinfurt bedeutet das zum Beispiel, dass die komplette Wertschöpfungstiefe beim E-Motor erhalten bleibt, erklärt Thomas Höhn, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt. Höhn betont: „Das ist ein großer Erfolg für die IG Metall, die Betriebsräte und die Beschäftigten. Für den Metaller zeigt sich wieder: „Es lohnt sich, sich auf die Hinterbeine zu stellen und nicht einfach hinzunehmen, was Konzerne strategisch bereits vorbereitet haben.“ Doch Höhn gibt auch zu bedenken: „Die Entscheidung ist kein Endpunkt und es wird auch kein einfacher Weg. Es wird weiteren Personalabbau geben.“

Davon geht auch Sabrina Feige aus, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg: „Der vollständige Abschied des Inverters (Wechselrichter) wäre für Auerbach aus unserer Sicht existenzgefährdend gewesen. Das konnten wir verhindern. Dennoch befürchten wir beim Personal Einschnitte. Wir müssen weiter hart an der Zukunft arbeiten.“


Zukunftsperspektive erheblich verbessert

Für Horst Ott steht unterm Strich ein großer Erfolg, den vor einem Jahr kaum jemand für möglich gehalten hatte: Den Weg dahin fasst der Bezirksleiter der IG Metall Bayern so zusammen: „Im Sommer 2025 stand der Verkauf der gesamten ZF-Antriebstechniksparte kurz bevor, was gigantische Arbeitsplatzverluste bedeutet hätte. Mit massivem Widerstand und Großdemonstrationen haben IG Metall und Beschäftigte gemeinsam dieses Horrorszenario stoppen können. Jetzt ist es im zweiten Schritt gelungen, die Entwicklung und Produktion von Schlüsselprodukten der E-Mobilität bei ZF zu sichern. Damit verbessern sich die Zukunftsperspektiven der bayerischen ZF-Beschäftigten erheblich. Dennoch befürchten wir Einschnitte für die Beschäftigten. Das Ringen um die Zukunft bei ZF geht weiter.“

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