Krankenversicherung
Kurz erklärt: Was ist eigentlich eine Bürgerversicherung?

Die Diskussion um unser Gesundheitssystem wird härter. Ziel muss sein: Eine gute Versorgung für alle garantieren. Dafür gibt es eine gerechte Lösung. Eine gemeinsame Versicherung für alle Bürgerinnen und Bürger. Wir erklären, wie das funktioniert – und was es bringt.

13. Mai 202613. 5. 2026


Wenn es um das deutsche Gesundheitssystem geht, dann sorgt ein Thema regelmäßig für Aufregung: Die Zwei-Klassen-Medizin, das Nebeneinander von gesetzlich und privat Versicherten.

Dieses System empfindet eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland als unfair. Kein Wunder: Kassenpatienten warten oft monatelag auf Arzttermine. Während privatversicherte schnell zum Zug kommen.

Auch die Qualität der Versorgung klafft auseinander. Viele notwendige Dinge gibt es für gesetzlich Versicherte nur noch in der Billigvariante, zum Beispiel beim Zahnersatz.

Das Doppelsystem führt außerdem zu Fehlanreizen: In Ballungsräumen, wo viele wohlhabende privat Versicherte wohnen, gibt es teils eine Überversorgung. Auf dem Land fehlt es dagegen vielerorts an Arztpraxen.

Gleichzeitig wird die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) immer wackliger. Es fehlt an gutverdienenden Beitragszahlern, die sich vor allem in der Privaten Krankenversicherung (PKV) finden.

Die Antwort der IG Metall auf diese Probleme: Eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen.


Was ist eine Bürgerversicherung?

Der Leitgedanke der Bürgerversicherung ist: Alle Bürgerinnen und Bürger sind Teil eines Gesundheitssystems und beteiligen sich an der Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung – gemessen an ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Das Gesundheitssystem erhält so eine komplett neue, solidarische Basis.

Das Ziel der Bürgerversicherung: eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung für alle, unabhängig von Alter, Wohnort und Geldbeutel.


Was bringt eine Bürgerversicherung?

Eine Bürgerversicherung stellt das Gesundheitssystem langfristig solide auf. Die GKV verfügt damit über deutlich mehr Geld durch Beiträge.

Zwei weitere Bausteine schaffen zusätzlich finanziellen Spielraum: Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Rentenversicherung. Und: Verbeitragung anderer Einkünfte wie Kapitalerträgen, mit einem Freibetrage für Kleinsparer.


Wie stehen die Menschen zur Bürgerversicherung?

Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland steht hinter der solidarischen Idee einer Bürgerversicherung. Fast 80 Prozent sprechen sich dafür aus, wie eine aktuelle Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt. Auch eine Mehrheit der privat Versicherten ist für den Systemwechsel.

Unter den IG Metall-Mitgliedern ist die Zustimmung für eine Bürgerversicherung noch größer. In einer Umfrage sprachen sich 98 Prozent dafür aus, alle Berufsgruppen in die Sozialversicherung einzubeziehen.


Wie lässt sich die Bürgerversicherung einführen?

Nicht mit der Brechstange, sondern schrittweise. Beispiel Beamte: Nur neu verbeamtete Beamtinnen und Beamte würden ab einem Stichtag in die Bürgerversicherung aufgenommen. Für sie soll künftig der Dienstherr den Arbeitgeberbeitrag zur Bürgerversicherung tragen.

Die Private Krankenversicherung bearbeitet dann nur noch „Altfälle“ (Stichwort: Bestandsschutz).

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