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Europakarte. Foto: Christian Schwier.de/Fotolia.de

Studie: Zeitarbeit in Europa

Deutschland kann von seinen Nachbarn lernen

22.08.2009 Ι Leiharbeiter in Deutschland sind deutlich schlechter gestellt als die Stammbelegschaften in den Entleihbetrieben. Dass es auch anders geht, zeigt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die Leiharbeit in sieben westeuropäischen Ländern vergleicht.

In fast allen Nachbarländern sind Leiharbeiter besser abgesichert als in Deutschland, so der Tenor der Studie "Zeitarbeit in europäischen Ländern - Lehren für Deutschland?". "Die Politik muss endlich erkennen, dass die Deregulierung der Leiharbeit in Deutschland längst nicht nur der Flexibilität dient, sondern systematisch zum Lohndumping missbraucht wird", betonte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in Berlin. Unsichere Jobs mit Armutslöhnen degradierten Leih­arbeiter zu Beschäftigten zweiter Klasse, die in einem hohen Maß auf Hartz IV angewiesen seien, so Buntenbach.

Equal Pay in Frankreich
Die für die Studie erstellten Porträts der Zeitarbeit in Frankreich, Niederlande, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Schweiz und Österreich zeigen große Unterschiede in der Regulierung und liefern auch eine Reihe von Anregungen für die deutsche Debatte über eine Re-Regulierung der Leiharbeit Besonders interessant erscheinen drei Elemente der Regulierung in Frankreich: die auch faktisch wirksame Durchsetzung des Equal Pay-Grundsatzes - ohne die Möglichkeit einer Abweichung durch Tarifvertrag - , der Lohnzuschlag in Form einer "Prekaritätsprämie" und der branchenbezogene Weiterbildungsfonds, aus dem Qualifizierungsmaßnahmen für Zeitarbeitskräfte finanziert werden können.

Mindestlöhne in Österreich
In den Niederlanden haben Zeitarbeitskräfte bei einem länger als sechs Monate dauernden betrieblichen Einsatz ebenfalls Anspruch auf Equal Pay. In Österreich gibt es tarifliche Mindestlöhne für die Leiharbeit und Zuschläge bei Einsätzen in Hochlohnbranchen. In der Schweiz soll der 2008 abgeschlossene Branchen-Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt werden.

Forderungen des DGB
Angesichts der Studienergebnisse fordert der DGB alle Ausnahmen von der gesetzlich vorgesehenen Gleich­behandlung der Leiharbeiter mit den Beschäftigten der Entleihbetriebe zu streichen. Arbeitsverträge dürften nicht auf einen vorgesehenen Einsatz befristet werden (Synchronisationsverbot). Dass die Rechte der Beschäftigten in den Unternehmen auch tatsächlich durchgesetzt werden, solle laut DGB durch stärkere Mitbestimmung der Betriebsräte sicher gestellt werden.

Tarifverträge in Deutschland prüfen
IG Metall und Verdi regen angesichts des mit dem nächsten Aufschwung zu erwartetenden erneuten Anstieg der Leiharbeit eine Grundsatzdebatte. Die bestehenden Tarifverträge gehörten auf den Prüfstand, da sie nicht in der Lage seien, die Zeitarbeit sinnvoll zu regulieren, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall Detlef Wetzel am Mittwoch anlässlich der Vorstellung der Studie "Funktionswandel von Leiharbeit". Zustimmung erhielt Wetzel vom Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske.

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