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Studie: Integrationshemmnis Leiharbeit

Studie: Integrationshemmnis Leiharbeit

Willkommen im Blackbox-System Leiharbeit

05.10.2011 Ι Bloß nicht den Job verlieren, und ist er noch so mies. Dafür macht ein Leiharbeitnehmer sehr viel. Kommt er aus der Türkei und hat nur eine befristete Aufenthaltserlaubnis, nimmt er sogar eine Lohnkürzung hin. Wie der Arbeitsalltag von Leiharbeitern mit Migrationshintergrund aussieht und die Integration erschwert - das hat jetzt eine Studie der Otto Brenner Stiftung aufgedeckt.

In den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit tauchen sie nicht auf: Die alltäglichen Probleme von Leiharbeitern mit Migrationshintergrund. Diesem Thema hat sich die Soziologin Sandra Siebenhüter gewidmet und in das Blackbox-System Leiharbeit hineingeleuchtet.

Keine Teilhabechancen

Siebenhueter hat 116 Leiharbeiter, Arbeitgeber und Betriebsräte in der südbayerischen Metall-, Elektro- und Druckindustrie befragt und das Ergebnis in einer Studie für die Otto Brenner Stiftung zusammengefasst: Migranten haben als Leiharbeitnehmer schlechte Karten. Als Billigreserve für eine boomende Branche werden sie gedemütig und ausgebeutet. Die Soziologin kommt zu dem Schluss: Migranten, die lange als Leiharbeitnehmer tätig sind, werden "um ihre Teilhabechancen gebracht. Ihr Bemühen und das ihrer Familien um Integration ist von vornherein zum Scheitern verurteilt".

Die Studie schildert den Arbeitsalltag in einer Branche, in der sich ein gewisser Sozialdarwinismus durchgesetzt hat. Mehr als 10 000 Verleihbetriebe kämpfen in Deutschland um Abnehmer. Darunter viele kleine Klitschen, die sich gegenseitig bei den Preisen für die Arbeitskraft unterbieten. Tun sie es nicht, werden sie von den Entleihern unter Druck gesetzt. Diesen gnadenlosen Konkurrenzkampf verlagern Leiharbeitsfirmen auf die Beschäftigten. Und so sehen dann auch die Bedingungen aus, unter denen sie arbeiten: "Ich sah, dass mein Mitarbeiter schon ganz grün war. Ich habe gesagt, gehen Sie nach Hause", erzählt eine Personaldisponentin. "Doch der Vorarbeiter sagte: Der geht erst, wenn Du mir einen neuen bringst." Wie gesagt, der Vorarbeiter, nicht der Personalchef.

Einfach den Lohn gekürzt

Gerade kleine Verleihfirmen kalkulieren so knapp, dass Leiharbeiter keinen einzigen Tag krank sein können, berichtet ein Betriebsrat. Von den Nachteilen der prekären Arbeit sind zwar alle Leiharbeitnehmer betroffen. Die Studie zeigt aber auch, dass Menschen mit Migrationshintergrund noch weitaus stärker unter der Leiharbeit und ihren Auswirkungen leiden. Da wird zum Beispiel der Aufenthaltsstatus an einen Job gekoppelt, wie es einem türkischen Leiharbeiter passiert ist. Seine Aufenthaltserlaubnis galt nur so lange, wie er einen Job hatte. Der Chef kürzte ihm den Stundenlohn jedes halbe Jahr um 25 Cent. "Willst Du auch weiterhin in Deutschland bleiben? Dann brauchst Du einen Arbeitsplatz", erklärte ihm sein Arbeitgeber.

Strukturelle und institutionelle Bedingungen bringen Migranten in solche Situationen. Immer noch ist in Deutschland für viele von ihnen der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt durch gesetzliche Vorgaben verschlossen. Immer noch werden zu wenige ausländische Berufsabschlüsse hierzulande anerkannt. Die Folge: Der Arbeitsplatz fällt als wichtiger Integrationsanker weg. Migranten werden stigmatisiert und ausgegrenzt. Das nutzen Leiharbeitsfirmen schamlos aus. Leiharbeit entwickelt sich so zu einem "Geschäftsmodell mit der Arbeitskraft von Menschen mit Migrationshintergrund", mit dem auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz umgangen werden kann.

Schlechte Integrationsnoten für Deutschland

Im Juli 2011 haben die Vereinten Nationen in ihrem UN-Staatenbericht Deutschland für ihre Integrationspolitik stark kritisiert: Migranten werden hierzulande immer noch diskriminiert und in ihren Rechten auf Bildung und Beschäftigung eingeschränkt. Am Beispiel der Leiharbeit wird deutlich, dass heute wie vor 50 Jahren gilt: "Die Migranten haben kaum neue Probleme verursacht, sie haben vielmehr die Fragen deutlicher hervortreten lassen, die unsere Gesellschaft schon lange intensiv beschäftigen." (Huxley 1965)

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