Tarifrunde Leiharbeit: Inflationsprämie
1000 Leihbeschäftigte demonstrieren in München

Tausende Leihbeschäftigte waren in den letzten Wochen in Aktion für eine Inflationsausgleichsprämie. Am Donnerstag vor der entscheidenden Verhandlung in München demonstrierten noch einmal 1000 Leihbeschäftigte, solidarisch unterstützt von Stammbeschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie.

22. Mai 202322. 5. 2023 |
Aktualisiert am 16. Juni 202316. 6. 2023


2300 Euro Inflationsausgleichsprämie für Leihbeschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie. Dieses Verhandlungsergebnis hat die IG Metall am Freitagmorgen mit den Leiharbeitgeberverbänden erzielt.
 

Frage der Gerechtigkeit

Unmittelbar vor Beginn der Verhandlungen am Donnerstagmittag haben 1000 Leihbeschäftigte für ihre Inflationsausgleichsprämie demonstriert. Sie zogen von der „BMW-Welt“ zum Leonardo Royal Hotel Munich, wo im Anschluss eine letzte Verhandlung zwischen der IG Metall und den Arbeitgebern begann.

Neben Beschäftigten des Münchener BMW-Werks beteiligten sich an der Protestaktion auch Leihbeschäftigte der BMW-Werke in Dingolfing, Landshut und Regensburg, von Audi in Ingolstadt sowie der Münchener Betriebe MAN, Siemens Mobility, MTU, ATOS und Knorr-Bremse. Auch Leihbeschäftigte aus Augsburg und von MAN in Nürnberg waren dabei. Zudem kam auch eine Delegation aus Ulm in Baden-Württemberg.
 

Arbeitgeber lenken ein

Über ein halbes Jahr hatten sich die Gespräche und Verhandlungen hingezogen. Nachdem die IG Metall Ende 2022 bereits eine Inflationsausgleichsprämie (IAP) für die Stammbeschäftigten erzielt hatte, forderte sie die IAP nun auch für die Leihbeschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie.

„Ihr macht als Leiharbeiter die gleiche Arbeit wie die Stammbeschäftigten. Leiharbeiter sind keine Beschäftigten zweiter Klasse“, erklärte Sibylle Wankel, Erste Bevollmächtigte der IG Metall München auf der Demo.„Deshalb müssen die Unternehmen auch Euch die Inflationsprämie zahlen.“

Der BMW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Martin Kimmich stellte in seiner Rede klar: „In der Pandemie haben die Leiharbeiter die Zeche bezahlt. Sie wurden abgemeldet und auf Abruf wieder reingeholt. Und jetzt sollen 3000 Euro das Problem sein? Das machen wir nicht mit!“

Bereits in den vergangenen Wochen hatten tausende Leihbeschäftigte bundesweit für ihre Inflationsausgleichsprämie demonstriert, solidarisch unterstützt von Stammbeschäftigten.

Letzte Woche boten die Arbeitgeber lediglich eine Mogelpackung an: 1000 Euro, aber nur ab mindestens neun Monaten Einsatz.

Am Montag erklärte der IG Metall-Vorstand die Tarifverhandlungen für die Leihbeschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie für gescheitert.

Doch dann suchten die Arbeitgeber doch noch mal das Gespräch, und die IG Metall erklärte sich zu einer letzten Verhandlung bereit.

 

Inflationsausgleich auch für Leihbeschäftigte

3000 Euro Inflationsausgleichsprämie, netto. Das hat die IG Metall in den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie durchgesetzt, aufgeteilt auf zwei Tranchen zu 1500 Euro im Februar 2023 und im Februar 2024. Allerdings gelten die Metall-Tarifverträge nur für die Stammbeschäftigten – nicht jedoch für die Leihbeschäftigten, für die eigene Tarifverträge mit den Leiharbeitsverbänden BAP und iGZ gelten.

Leihbeschäftigte arbeiten oft in den unteren Entgeltgruppen und benötigen angesichts der gestiegenen Preise die Inflationsprämie mindestens genauso dringend.
 

Bis zu 9,25 Prozent mehr im Monat – aber gedeckelt

Bei den Monatslöhnen hat die IG Metall bereits gemeinsam mit den anderen DGB-Gewerkschaften ein deutliches Plus durchgesetzt. Im April stiegen die Tariflöhne um bis zu 9,25 Prozent.

Aber bei vielen Leihbeschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie kommt dieses Plus gar nicht an. Durch die tariflichen Branchenzuschläge, die die IG Metall speziell für Beschäftigte in Leiharbeiter in ihren Industriebranchen durchgesetzt hat, liegt ihr Entgelt bereits jetzt schon fast auf dem Niveau vergleichbarer Stammbeschäftigter. Doch mehr geht nicht: Ihr Entgelt wird auf diesem Niveau betrieblich gedeckelt – und sie haben kaum etwas von ihrer Tariferhöhung. Auch deshalb ist es so wichtig, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in Leiharbeit in der Metall- und Elektroindustrie ebenfalls eine zusätzliche Inflationsausgleichsprämie bekommen.

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