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PIAAC-Bildungsstudie zeigt deutliche Lücken auf

Bildung in Deutschland extrem ungerecht verteilt

14.10.2013 Ι Die neue OECD-Studie PIAAC zur Bildung von Erwachsenen zeigt, dass Deutschland international nur Mittelmaß ist. Vor allem ist der Abstand zwischen Hoch- und Niedrigqualifizierten extrem groß. Fazit der Forscher: Deutschland muss mehr für gering Qualifizierte tun und die Chancen auf Bildung gerechter verteilen.

Die Bildungschancen in Deutschland sind extrem ungerecht verteilt - und hängen vor allem vom Bildungsstand und dem Geldbeutel der Eltern ab. Zu diesem Ergebnis war die IG Metall Jugend schon im Frühjahr durch mehrere Erhebungen gekommen - und hat auf dieser Basis ihre Kampagne "Revolution Bildung" gestartet.

Zum gleichen Ergebnis kommt nun eine internationale Bildungsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): Die Studie PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) hat Bildungsstand und Kompetenzen der 16- bis 65-Jährigen in 24 Industrieländern untersucht. Quasi eine PISA-Studie für Erwachsene. Und die Ergebnisse erschüttern die "Bildungsrepublik" Deutschland ebenso wie die erste PISA-Studie zur Bildung von Kindern und Jugendlichen vor 13 Jahren: Deutschland ist allenfalls Mittelmaß. Viele deutsche Erwachsene haben massive Probleme mit dem Lesen, Rechnen und dem Lösen einfacher Alltagsaufgaben.

Zwei-Klassen-Gesellschaft in der deutschen Bildung

Vor allem jedoch zeigen die PIAAC-Ergebnisse extreme Unterschiede zwischen Erwachsenen mit hohem Bildungsabschluss und solchen mit niedrigem Abschluss. Nur in den USA sind die Abstände noch größer als Deutschland.

Einen wesentlichen Grund für diese extreme soziale Ungleichheit sehen die PIAAC-Forscher im deutschen Schulsystem: Die Kinder von Eltern mit hohem Bildungsabschluss schaffen es viel öfter bis zum Abitur und zur Uni, als die Kinder von Eltern, die nur einen Hauptschulabschluss haben. Diese Abhängigkeit vom Schulabschluss der Eltern ist in keinem anderen Land so extrem wie in Deutschland.
Die Ungerechtigkeit bei den Chancen auf Bildung setzt sich im weiteren Leben systematisch fort. Wer eine niedrige Schulbildung hat, bekommt auch eine schlechtere Berufsausbildung. Und in den Betrieben schließlich erhalten Niedrigqualifizierte kaum Weiterbildung. Wer unten geboren wird, bleibt unten.

Das Fazit der PIAAC-Forscher: "Deutschland muss die Kompetenzen von gering Qualifizierten verbessern und in den Schulen die Chancen auf Bildung gerechter verteilen".

Weiterbildung für alle möglich machen

Genau das fordert auch die IG Metall Jugend mit ihrer Kampagne "Revolution Bildung". Zudem nimmt sie auch die Wirtschaft in die Pflicht. Denn im internationalen Vergleich liegen die deutschen Unternehmen Investitionen in Weiterbildung trotz aller öffentlichen Beweihräucherungen immer noch weit hinten. Daher diskutiert die IG Metall Jugend derzeit auch Modelle, die jedem Einzelnen einen individuellen Weiterbildungsanspruch garantieren. Etwa in Form eines Bildungsfonds.

"Es kann nicht sein, dass ein Großteil der Menschen von Bildung und Weiterbildung ausgeschlossen ist", kritisiert Eric Leider, Bundesjugendsekretär der IG Metall. "Alle müssen eine echte Chance auf lebenslanges Lernen bekommen. Hier sind vor allem auch die Unternehmen gefordert: Sie müssen mehr investieren und endlich allen Beschäftigten Weiterbildung ermöglichen."

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