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Gleichstellung - ganz praktisch

Was Frauen im Betrieb voranbringt 

07.03.2016 Ι Flexible Arbeitszeiten - der Königsweg, um Frauen gleich zu stellen? Tatsächlich gibt es viele verschiedene Ansätze. Wir haben nachgefragt: Was tut sich ganz konkret in den Unternehmen, um Frauen mehr Chancen zu geben. Betriebliche Interessenvertreter haben geantwortet.

 

 

"BMW Mobilarbeit die neue Dimension der Flexibilität; Frauen können Arbeitsort und Arbeitszeit für die Familie selbst entscheiden."

 

Manfred Schoch, Vorsitzender Euro- und Gesamtbetriebsrat der BMW Group

 

Tagtäglich haben Frauen die anspruchsvolle Aufgabe ihre Familie, die Kinder und den Beruf vernünftig zu koordinieren. Dem Betriebsrat bei BMW war es wichtig, Frauen eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, über die Selbstbestimmung ihrer Arbeitszeit und Arbeitsort zu ermöglichen und zu fördern. Daher hat der Betriebsrat eine entsprechende Betriebsvereinbarung zur Mobilarbeit abgeschlossen.
 

"Mobil arbeiten - Work-Life-Balance unterstützen", dafür steht die Mobilarbeit bei BMW. Frauen, können ihre Arbeit außerhalb von BMW tagtäglich kurzfristig über anteilige beziehungsweise langfristig mit ganztägiger Mobilarbeit planen. Durch Mobilarbeit haben wir es geschafft, ein Stück mehr soziale Gerechtigkeit zu erreichen und berufstätige Frauen hier aktiv zu unterstützen ihre Balance zwischen Familie und Beruf zu leben.

 

"Der Betriebsrat bemüht sich seit Jahren darum, dass der Anteil der weiblichen Beschäftigten bei Volkswagen steigt."


Bernd Osterloh, Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender Volkswagen.

Gemeinsam mit der Unternehmensseite hat der Betriebsrat deswegen zum Beispiel ein neues Konzept für das VW-eigene Mentoring-Programm Management für Frauen erarbeitet. Osterloh: "Es hat jetzt mehr Verbindlichkeit und stellt sicher, dass die Kolleginnen Schritt für Schritt Personalentwicklungsstufen auf dem Weg ins Management nehmen können." Das Mentoring-Programm richtet sich deswegen ganz gezielt an Frauen, die aus Überzeugung eine Karriere im Management anstreben.
 
Innerhalb von neun Monaten durchlaufen 40 Frauen mehrere Seminare, bearbeiten eine sogenannte "Leuchtturmaufgabe" und stehen bei all dem in einem engen Austausch mit ihrem Mentor aus dem Management. Alle Kolleginnen, die an dem Programm teilnehmen, erhalten eine verbindliche Stellenzusage im jeweiligen Fachbereich. Osterloh: "Unser Ziel ist es, den Frauenanteil in den Führungsebenen zu erhöhen. Aktuell haben wir einen Frauenanteil von 12 Prozent im Management. Die Marke von 30 Prozent wollen wir erreichen. Und die Frauen in Top-Positionen wollen wir vor allem langfristig an unser Unternehmen binden".


"Die Arbeitszeitregelung der Gothaer Systems ist ein vielseits beachtetes Instrument für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf".
 

Harald van Bonn, Betriebsratsvorsitzender Gothaer Systems GmbH Köln

 

Im Rahmen eines 14-stündigen Arbeitszeitskorridors können die MitarbeiterInnen ihre Arbeitszeit selber bestimmen. Es gibt keine Kernzeiten. Bei der Anzahl der Gleittage existieren keine Begrenzungen und die Gleitzeit erlaubt bis zu 50 Plus- und 20 Minus-Stunden. Dies bedeutet für die KollegInnen ein hohes Maß an eigenverantwortlicher Flexibilität, der auf der anderen Seite gleichwertig eine hohe Loyalität hinsichtlich der betrieblichen Bedürfnisse entgegensteht: ein Prinzip des Gebens und Nehmens.

Zudem gibt es befristete Teilzeit, geregelte Telearbeit und "Remote-Arbeit", die den Zugriff auf die betrieblichen Systeme von zu Hause aus erlaubt. Aktuell wird das Thema "mobiles Arbeiten" angepackt.

Da es zumeist Frauen sind, die Elternzeit nehmen und in Teilzeit arbeiten, versucht der Betriebsrat derzeit, eine der Grundursachen hierfür in Angriff zu nehmen: der Verdienst von Frauen, Teilzeitbeschäftigten und MitarbeiterInnen, die in Elternzeit eine Auszeit vom Job genommen haben, liegt eklatant unter Durchschnitt. Die ersten Gespräche mit dem Arbeitgeber sind gestartet.


"Frauen sind erfolgreich, wenn niemand mehr überrascht ist, dass sie bereits erfolgreich sind, heißt es in einem Zitat. Wir Arbeitnehmervertreter bei Audi sind schon lange nicht mehr über den Erfolg unserer Kolleginnen überrascht. Um sie weiter zu fördern, setzen wir uns dafür ein, dass das Unternehmen unseren Kolleginnen Chancen bietet, ihren beruflichen Weg weiter unbeirrt zu gehen. Sei es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder der Förderung der eigenen individuellen Karriere im Unternehmen."

 

Peter Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Audi AG

 

Die Chancengleichheit der Beschäftigten steht für den Audi Betriebsrat mit an erster Stelle seines Handelns. Daher setzen sich die Arbeitnehmervertreter für Maßnahmen ein, die gerade auch Audianerinnen auf ihrem persönlichen Karriereweg unterstützen. Frauen werden dabei ermutigt, ihre Stärken weiterzuentwickeln, um künftig Führungspositionen zu übernehmen. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmensprogramm "Mentoring Management", das im Juli 2014 startete und seitens des Betriebsrates mit angestoßen wurde. Doch nicht nur die gezielte Förderung von Frauen im Beruf, sondern auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt stehen im Fokus der Arbeitnehmer bei Audi. Telearbeit von zu Hause aus, die Möglichkeit eines Sabbaticals sowie das "Job & Family Programm" zum qualifizierten Wiedereinstieg nach Eltern- und Pflegezeit machen das deutlich. Darüber hinaus haben auch Teilzeit-Beschäftigte, die im Schichtsystem tätig sind, die Möglichkeit, sich für eine bestimmte Schicht zu entscheiden und sich diese individuell mit anderen Kollegen aufzuteilen.


"Sehr erfolgreich läuft bei Ford in Köln die Initiative FiT. Die Abkürzung FiT steht für Frauen in technischen Berufen. Dabei geht es um ein breites Angebot für Mädchen und junge Frauen verschiedenen Alters, im Rahmen von Girls' day, Praktika oder Schnupperstudium ihr Interesse für technische Berufe zu wecken."
 

Benjamin Gruschka, VK-Leiter bei FORD in Köln
 

Oft wissen Mädchen zu wenig über ihre Talente in diesem Bereich und ahnen nicht, dass ihnen ein technischer Beruf großen Spaß machen kann. Die Initiative Frauen in technischen Berufen (FiT) bei Ford ermuntert junge Frauen und Mädchen dazu, gewerblich-technische Berufe zu ergreifen. Schülerinnen können bei Praxistagen im Ausbildungszentrum schon mal Eindrücke sammeln. Mädchen ab Klasse 10 können ein Ferienpraktikum machen. Eine Kompaktwoche bei Ford und an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gibt interessierten Mädchen Orientierung, ob ein Ingenieursstudium in Frage kommt. Ford hat mit der Initiative FiT gute Erfahrungen gemacht. Der Anteil der weiblichen Auszubildenden in technischen Berufen hat sich dadurch von zehn Prozent im Jahr 2000 auf 20 Prozent im Jahr 2010 verdoppelt. Auch der hohe Anteil weiblicher Studentinnen am dualen Technik-Studium im Bereich Maschinenbau/Elektrotechnik erklärt sich durch die FiT-Aktivitäten.

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