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Deutscher BetriebsräteTag 2012

Betriebsrat von Vorwerk gewinnt Gold

25.10.2012 Ι Jobs streichen, Standorte schließen. Das ist die übliche Vorgehensweise, wenn die Nachfrage sinkt. So wollte auch der Staubsaugerhersteller Vorwerk seine Probleme lösen. Doch Betriebsrat und Beschäftigte ließen nicht locker und machten Druck. Statt viele Jobs zu streichen, führte Vorwerk ein neues Geschäftsmodell ein. Für sein Engagement wird der Betriebsrat mit dem Betriebsrätepreis in Gold geehrt.

Betriebsräte müssen kreativ und hartnäckig sein. So wie der Betriebsrat und die Beschäftigten der Vorwerk Deutschland Stiftung & Co. KG in Wuppertal. Nachdem die Geschäftsleitung festgestellt hatte, dass viele der Service-Center und Shops nicht profitabel arbeiten, wollte sie mehr als 60 Center schließen und viele Arbeitsplätze streichen. Das ist die übliche Vorgehensweise, wenn ein Unternehmen in stürmisches Fahrwasser segelt. Doch stattdessen hat der Betriebsrat gemeinsam mit den Beschäftigten ein neues erfolgreiches Geschäftsmodell bei Vorwerk durchgesetzt. Nach elf Monaten und 16 Verhandlungen gab das Management nach.


Arbeitsplätze und Standorte gesichert

Für sein Engagement wurde der Betriebsrat von Vorwerk mit dem Betriebsrätepreis in Gold geehrt. Denn dieses Beispiel für gute Betriebsratsarbeit zeigt, was engagierte Betriebsräte - auch unter nicht alltäglichen Rahmenbedingungen - erreichen können.

Die Beschäftigten beteiligen - so ist den Vorwerk-Betriebsräten und der IG Metall die Wende gelungen. Denn den Mitarbeitern war bewußt, wo die Probleme lagen. Sie hatten viel zum Thema Attraktivität der Vorwerk-Shops beizutragen und setzten sich für ein neues Verkaufskonzept, eine attraktivere Einrichtung der Shops und für veränderte Öffnungszeiten ein. Begründung: Wenn Vorwerk mit anderen Markenherstellern konkurrieren will, dann dürften die Shops nicht den Charme von 1-Euro-Shops in Hinterhöfen haben. Das beklagten die Mitarbeiter. Aber nicht nur, von ihnen kamen auch Vorschläge.

Tagtäglich setzen sich engagierte Betriebsräte für die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben ein. Sie sind manchmal erfolgreich, oft schließen sie Kompromisse und manchmal müssen sie auch Niederlagen einstecken. Häufig schieben sie neue Projekte an und manchmal gelingt es ihnen, tatsächlich Veränderungen herbeizuführen. Die Beschäftigten als Interessenvertretung vertreten, sie im Prozess beteiligen und deren Ideen aufgreifen - das gehört zusammen und zeichnet gute Betriebsratsarbeit aus. Wenn es den Betriebsräten dann noch gelingt, über den Tellerrand betriebswirtschaftlicher Kennziffern zu schauen und vermeintliche wirtschaftliche Logik infrage zu stellen, kann das den Erfolg bringen. Das zeigt das Beispiel Vorwerk. Dort hat sich gezeigt, welch ein Schatz das Erfahrungswissen der Belegschaft ist. Daran sollten sich andere Unternehmen ein Beispiel nehmen.


Entgeltgerechtigkeit, Gute Arbeit und Zukunftssicherung 

Auf dem Betriebsrätetag am 24./25. Oktober 2012 in Bonn wurden weitere Betriebsräte aus dem Organisationsbereich der IG Metall geehrt. Den Betriebsrätepreis in Bronze erhält der Betriebsrat von der Festo AG. Dort hat der Betriebsrat sich in  Sachen Entgeltgleichstellung von Frauen engagiert. Dass Frauen weniger Geld als ihre männlichen Kollegen bekommen, das ist so, seit Frauen erwerbstätig sind. Diese Unterschiede sind in fast jedem Unternehmen, jeder Branche und jedem Beruf zu finden. Beklagt wird dieser Missstand oft. Der Betriebsrat von Festo in Esslingen hat nicht nur geklagt, er hat dieses Thema angepackt und die Personaldaten analysiert - ein erster Schritt, um das Problem offen zu legen und anzugehen.

Weitere Preise gingen an die Interessenvertreter von Sterling SIHI GmbH in Tönning und VW Braunschweig. Der Betriebsrat des Autobauers VW war aktiv in Sachen Arbeitsbedingungen. Um das Thema "Gute Arbeit" voran zu bringen, hat er ein Fotoprojekt gestartet. Dafür hat der Betriebsrat des Autobauers den Sonderpreis "Gute Arbeit" erhalten. Bessere Möglichkeiten für Altersteilzeit hat der Betriebsrat von Sterling SIHI durchgesetzt. Im Gegenzug wurden in Tönning zusätzlich Ausbildungsplätze geschaffen. Dafür wird der Betriebsrat Sterling SIHI mit dem Sonderpreis "Zukunftssicherung" geehrt.

Über die Erfolge von Betriebsräten wird selten in den Medien berichtet. Außerhalb des Unternehmens spricht kaum jemand darüber. Wenn, dann registrieren meist nur die Beschäftigten die Anstrengungen der Betriebsräte. Mit dem Betriebsrätepreis 2012 werden Betriebsräte, Gremien und betriebsübergreifende Kooperationen geehrt, die sich nachhaltig für den Erhalt oder die Schaffung von Arbeitsplätzen oder für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen einsetzen. Der Preis wird zum vierten Mal verliehen. Die Auszeichnung wird von der Zeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb" ausgeschrieben und wie  in den Vorjahren lag die Schirmherrschaft beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

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Links und Zusatzinformationen
Betriebsrätepreis 2012
Worum es geht
Auf Initiative der Zeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb" wird einmal jährlich der "Deutsche Betriebsrätepreis" verliehen. Mit dem Preis wird die vorbildliche Arbeit von Betriebsräten anerkannt, gewürdigt und ausgezeichnet.

Sechs IG Metall-Betriebsräte nominiert
In diesem Jahr sind für den Betriebsräte- preis drei Gremien aus dem Organi- sationsbereich der IG Metall nominiert. Darunter der Betriebsrat von Festo AG & Co. KG in Esslingen, von Vorwerk Deutschland Stiftung & Co. KG in Wuppertal und von Salzgitter Flachstahl GmbH.

Für die Sonderpreise "Fair statt Prekär", "Gute Arbeit", "Innovative Betriebsrats- arbeit" und "Zukunftssicherung" sind nominiert: Der Betriebsrat von IAV GmbH in Gifhorn, von Sterling SIHI GmbH in Tönning und vom VW-Werk in Braunschweig.
Zum Unternehmen
Vorwerk Deutschland Stiftung & Co. KG ist eine Vertriebsgesellschaft für Bodenpflegegeräte und den Thermomix in Deutschland. Das Unternehmen beschäftigt rund 720 Mitarbeiter, davon arbeiten etwa 300 in Wuppertal (Innen- dienst) und 420 an verschiedenen deutschen Standorten (Vertriebs- führungskräfte und -assistentinnen, Verkäufer, Techniker). Vorwerk produziert hauptsächlich in Wuppertal und in Frankreich.

Der Betriebsrat in Wuppertal hat 13 Mitglieder.
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