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© alashi/iStock

Transformation

Wie sich Leben und Arbeiten weiter verändern werden

30.10.2018 Ι Wir leben in Zeiten des Wandels. Die Triebkräfte der Transformation werden tief greifende Veränderungen in Ökonomie, Politik, Gesellschaft und den Betrieben auslösen. Auf dem Transformationskongress, der heute und morgen in Bonn stattfindet, diskutieren mehr als 600 Betriebsrätinnen und Betriebsräte sowie IG Metallerinnen und IG Metaller darüber, wie der Wandel gerecht gestaltet werden kann. Klar ist: Solidarität ist und bleibt die Quelle der Gestaltungsmacht.

Die Welt, in der wir leben, verändert sich gerade tief greifend und mit rasender Geschwindigkeit. Das sehen wir, das spüren wir: Digitale Technik ändert grundlegend die Art, wie wir kommunizieren und konsumieren, wie wir leben, nicht zuletzt wie wir arbeiten. Der Welthandel wird durch die fortschreitende Digitalisierung beschleunigt, der faire Wettbewerb bleibt dabei nicht selten auf der Strecke.


Für die Beschäftigten bedeutet Globalisierung allzu oft wachsender Leistungsdruck und mehr Stress. Dann der Klimawandel: Überlebenswichtig ist es für die Menschheit, das Klima zu schützen. Die Klimawende aber erfordert zugleich eine Energie- und Mobilitätswende - und die zu gestalten ist eine komplexe Angelegenheit. Gelingen muss das mit einer älterwerdenden Gesellschaft und unter der Maßgabe, dass neue Arbeitsbedingungen ausgehandelt werden müssen, die auf Lebensformen der jüngeren Generationen eingehen. Sie legen alte Rollenbilder ab und wünschen sich mehr Selbstbestimmung bei der Arbeit.


Für einander einstehen und solidarisch handeln

Die IG Metall will die Fragen, die sich in Zeiten großer Umwälzungen und Unsicherheiten stellen, in einem breit angelegten Debattenprozess beantworten. Dabei ist klar: Wir können die Transformation nur dann mitgestalten, wenn wir uns auf das besinnen, was uns stark macht - für einander einstehen und solidarisch handeln.


Für die IG Metall reicht es nicht, den Wandel mit Sozialtarifverträgen abzufedern. Sie will eine Geschichte des Gelingens schreiben, für eine Arbeitswelt, die sicher, gerecht und selbstbestimmt ist. Was Metallerinnen und Metaller dafür brauchen, wie gute Arbeit in der Digitalisierung gestaltet werden kann und wie die Folgen des Wandels gerecht verteilt werden können, will die IG Metall in den kommenden Wochen und Monaten diskutieren.


Um aber etwas gestalten zu können, muss man erst wissen, was sich verändert. Das wird, schlaglichtartig, im Folgenden veranschaulicht und skizziert, welche Herausforderungen gemeinsam zu lösen und zu gestalten sind:

 

 

Was ist das?

Maschinen, die sich selbst umrüsten, Produktionsanlagen, die sich mit einem Tablet steuern lassen, Assistenzsysteme, Algorithmen und künstliche Intelligenz, die die Arbeit der Beschäftigten wandeln - keine Frage: Digitalisierung ist längst keine Zukunftsvision mehr. Digitalisierung und Industrie 4.0, verstanden als digitale Vernetzung von Maschinen über den gesamten Produktions- und Wertschöpfungsprozess hinweg, prägt, hier und jetzt, unser Leben und unsere Arbeitswelt. Digitalisierung führt aber nicht bloß zu technologischen Umbrüchen, sondern auch zu neuen Formen der Organisation von Arbeit.


Was kommt auf uns zu?

Fortschreitende Digitalisierung, Industrie 4.0, der Einzug von künstlicher Intelligenz in Büros und Produktionshallen: Das alles ermöglicht und verlangt die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, neuer Produkte und Dienstleistungen, es beschleunigt Innovationsprozesse, es wandelt Wertschöpfungsketten. Das hat Auswirkungen auf die Beschäftigten, auf ihre Arbeit - und diese Auswirkungen sind bereits heute zu sehen.


In vielen Betrieben steigt der Flexibilisierungsdruck, unter dem die Beschäftigten stehen. Umstrukturierungen nehmen zu, die Einführung digitaler Techniken führt dazu, dass sich Tätigkeiten an Arbeitsplätzen verändern. Die Beschäftigten benötigen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten. Von ihnen werden neue Qualifikationen verlangt.


Was können wir tun?

Tätigkeitsprofile und Qualifikationsanforderungen werden sich gravierend ändern. Dafür gilt es, Antworten zu finden. Qualifizierung ist für die IG Metall das Megathema der Transformation. Gezielte Personalentwicklung und kontinuierliche Weiterqualifizierung wird maßgeblich sein, um den Wandel im Sinne der Beschäftigten zu gestalten. Der Arbeitsplatz muss zum Lernort werden. Betriebsräte brauchen ein Initiativrecht für betriebliche Weiterbildung.


Auch die Politik ist gefordert. Und sie reagiert. Mit dem Qualifizierungschancengesetz will Arbeitsminister Hubertus Heil die staatliche Förderung deutlich ausbauen. Für die IG Metall eine Grundlage, auf der in den Betrieben für die Beschäftigten viel bewegt werden kann.


Der institutionelle Rahmen für berufsbegleitende Weiterbildung muss sich ändern. Berufs- und Hochschulen haben hier eine zentrale Rolle. Sie müssen künftig berufsbegleitende Unterstützung beim Qualifikationserwerb und bei der Weiterbildung geben. Nicht zuletzt ist die Arbeitsmarktpolitik gefordert. Die IG Metall hat auch die Erweiterung des heutigen Transfer-Kurzarbeitergelds vorgeschlagen. Qualifiziert werden muss während der Arbeit - nicht erst wenn Arbeitslosigkeit droht.

 

Was ist das?

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat die Globalisierung sich immer weiter beschleunigt. Der grenzüberschreitende Waren-, Dienstleistungs- und Kommunikationsverkehr wurde ausgebaut, der freie Welthandel, angetrieben und beschleunigt durch fortschreitende Digitalisierung, immer weiter verwirklicht. Unklar ist, ob das in den kommenden Jahren so bleibt - die protektionistischen Maßnahmen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zielen darauf, den freien Welthandel einzuschränken. Die Gefahr eines Handelskriegs ist gegeben.


Was kommt auf uns zu?

Globalisierung hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Auswirkungen, positive, negative, uneindeutige. Zum Beispiel sind die Einkommen der Beschäftigten in Deutschland in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, aber nicht so stark wie die Einkommen aus Gewinnen und Vermögen. Dadurch ist der Anteil der Löhne am Volkseinkommen gesunken. Während die Globalisierung also unterm Strich zu Wohlstandsgewinnen geführt hat, sind diese sehr ungleich verteilt. Hinzu kommt: Im Wettbewerb der Standorte unterbieten sich Staaten seit Jahrzehnten weltweit bei den Unternehmenssteuern und berauben sich so selbst der Mittel, die sie dringend brauchen, um die Folgen der Globalisierung abzufedern.


Was können wir tun?

Beschäftigte stehen selbst im internationalen Wettbewerb und rennen am Arbeitsplatz ständig um die Wette mit Beschäftigten im eigenen Unternehmen oder der Konkurrenz rund um den Globus. Niemand ist sich mehr sicher, ob nicht irgendwo auf der Welt gerade eine neue Idee geboren wird, die den eigenen Arbeitsplatz schon morgen auf den Kopf stellt. Die IG Metall setzt sich für einen freien und vor allem fairen Welthandel ein - dazu gehören weder Dumpingexporte noch protektionistische Maßnahmen. Regionen müssen stattdessen nachhaltig entwickelt werden. Da die Staaten weltweit in der jüngsten Vergangenheit ein sozial unausgewogenes Steuerdumping betrieben haben, fehlt dafür Geld. Sie brauchen aber dringend Geld, um in den Ausbau der Infrastruktur zu investieren, in Schulen und Bildung. Nicht zuletzt um den Menschen soziale Sicherheit zu bieten. Dazu gehören für die IG Metall Renten, von denen man anständig leben kann, Schutz vor Befristung sowie faire Bildungschancen.

 

Was ist das?

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hat die Weltgemeinschaft beschlossen, dass die Erderwärmung im Vergleich zu der Zeit vor der Industrialisierung um weniger als zwei Grad Celsius steigen soll. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Das ist nur zu schaffen, wenn es den einzelnen Ländern gelingt, ihren CO2-Ausstoß deutlich zu verringern. Das ist nur möglich, wenn mehr Elektrofahrzeuge als gegenwärtig auf den Straßen fahren. Energie- und Mobilitätswende sind damit zwei Seiten derselben Medaille. Dazu kommt: So wichtig eine nachhaltige, Beschäftigung sichernde Energiewende ist, so wichtig ist es, den Umbruch, vor dem die Autobranche steht, so zu gestalten, dass die Beschäftigten nicht unter die Räder kommen.


Was kommt da auf uns zu?

Die Automobilbranche steht vor einem gewaltigen Umbruch. In den kommenden Jahren werden sich neue Technologien, neue Produktionsverfahren, Kooperationspartner, neue Geschäftsmodelle und Mobilitätskonzepte sowie neue Formen der nationalen und internationalen Arbeitsteilung entwickeln. Letztlich stehen erfolgreiche Produkte, Technologien und Entwicklungsprozesse zur Disposition, Tätigkeitsprofile und Qualifikationsanforderungen werden sich wandeln. Sichtbar wird das etwa bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen.


Was können wir tun?

Die Studie "Wirkungen der Fahrzeugelektrifizierung auf die Beschäftigung am Standort Deutschland" ("ELAB") zeigt, dass mit dem Umsrüsten auf Elektrofahrzeuge einiges auf die Autoindustrie zukommt. Vor allem auf die etwa 100 000 Beschäftigten, die Antriebsstränge herstellen. So kann die Zunahme von Elektrofahrzeugen dazu führen, dass in der Autoindustrie um 2030 rund 76 000 Arbeitsplätze in der Antriebstechnik überflüssig werden. Herausforderungen, die aber zu meistern sind. Unternehmen müssen Konzepte entwickeln und Geld investieren, um die Standorte und Beschäftigung zu sichern. Die Branche muss sich mit den besten Umwelttechnologien rund ums Auto eine Poleposition im internationalen Wettbewerb sichern, um auf Dauer sichere Arbeitsplätze zu bieten. Die Beschäftigten brauchen Perspektiven. Weiterbildung ist der zentrale Schlüssel dazu. Die Bundesregierung muss ein schlüssiges Konzept für die nötige Infrastruktur vorlegen, vor allem für Ladestationen, Stromverteilnetze und ausreichenden Strom aus erneuerbarer Energie.

 

Was ist das?

Noch gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Fachkräfte fehlen lediglich in einigen Berufen, etwa in der Pflege, und in einigen Regionen. Doch die Belegschaften werden älter. So stieg das Durchschnittsalter der deutschen Arbeitnehmer zwischen 1991 und 2017 um knapp 5 Jahre auf rund 43.


Die Belegschaften werden nicht nur älter, auch die Lebenswelten der Beschäftigten wandeln sich. Das klassische Ernährermodell, der Mann verdient das Geld und die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder, hat ausgedient. Jungen Männern ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf heute genauso wichtig wie Frauen. Sie wollen mehr selbstbestimmt arbeiten, sowie es zu ihrem Leben passt.


Was kommt auf uns zu?

Unternehmen müssen mit im Schnitt älteren Belegschaften im globalen Wettbewerb Schritt halten. Gleichzeitig droht ein Wissens- und Fachkräfteverlust, wenn in einigen Jahren mit den geburtenstarken Jahrgängen große Teile einer Belegschaft in Rente gehen. Damit er der Restbelegschaft nicht auf die Füße fällt, muss der Wandel vorbereitet, der Übergang geplant werden.


Die Anforderungen in der Arbeitswelt steigen, Familiengründung, berufliche Entwicklung und die Unterstützung der Eltern - all das müssen und wollen Beschäftigte heute und in Zukunft bewältigen.


Was können wir tun?

Um ihren Fachkräftebedarf zukünftig zu sichern, müssen die Unternehmen aus Sicht der IG Metall umdenken. Statt den Mangel zu beklagen, sollten Arbeitgeber in Aus- und Weiterbildung investieren und Menschen gute Arbeitsbedingungen bieten.


Zu viele Menschen arbeiten in Minijobs oder Leiharbeit. Im Wettbewerb um Fachkräfte und Auszubildende sind tarifvertraglich geregelte Entgelt- und Arbeitsbedingungen ein Wettbewerbsvorteil. Mit ihren Branchentarifverträgen hat die IG Metall für Leihbeschäftigte bereits einige Verbesserungen erreicht. Nun startet sie eine neue Kampagne.


Die IG Metall packt die Arbeitszeiten an - und wird es weitertun: Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie können ab 2019 über ihre Arbeitszeit stärker selbst bestimmen. Sie haben nun die Wahl, ihre Arbeitszeit zeitweise auf verkürzte Vollzeit zu reduzieren, bis auf 28 Stunden. Wer Kinder erzieht, Angehörige pflegt oder Schicht arbeitet, kann außerdem zusätzliche acht Tage im Jahr freinehmen.

 

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Werner Bachmeier
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