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Betriebsratswahlen: zu Besuch bei Günter Hornung. Foto: Joachim E. Roettgers / graffiti-foto.de

Betriebsratswahlen: zu Besuch bei Günter Hornung

Ein Betriebsrat ist kein Geheimrat

02.07.2010 Ι Der IT-Betrieb Hewlett-Packard glich lange Zeit einer uneinnehmbaren Festung für Gewerkschaften. Bei den Betriebsratswahlen im Frühjahr dieses Jahres erreichte die IG Metall auf die von ihr unterstützten Listen ein überraschend gutes Ergebnis. Zu verdanken ist dieser Kulturwandel Metallern wie Günter Hornung, die sich beharrlich für die Interessen ihrer Kolleginen und Kollegen einsetzen.
Günter Hornung, 54, ist ein bedächtiger Mensch. Das sieht man etwa daran, dass er privat in einem Eine-Welt-Laden mitarbeitet. In seiner schwäbischen Wahlheimat Weil der Stadt organisiert er den Verkauf von fairem Kaffee aus Peru und anderen Erzeugnissen aus Lateinamerika und Afrika.

Nicht nur in seiner Freizeit, sondern auch im Beruf gehört Günter Hornung zu den Menschen, die sich dafür einsetzen, dass es auf der Welt gerechter zu geht. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich in seinem Unternehmen Hewlett-Packard ein Kulturwandel vollziehen konnte, den viele vor wenigen Jahren noch für unmöglich gehalten hatten.

Der Umschwung
Bei dem IT-Dienstleister Hewlett-Packard galt die IG Metall bisher als störender Faktor. Nicht nur die Geschäftsleitung, sondern auch die Mehrheit im alten Betriebsrat war gegen Gewerkschaften eingestellt. Der Umschwung kam mit den Betriebsratswahlen im Frühjahr dieses Jahres. Die Kanidatinnen und Kandidaten der gewerkschaftlich gestützten Listen erreichten deutlich mehr Sitze.

An wichtigen Standorten wie Bad Homburg und in der Zentrale in Böblingen stellen diese Listen erstmals den Vorsitz. Auch der Gesamtbetriebsrat wird jetzt von einem Metaller geleitet: Günter Hornung. Im Gesamtbetriebsrat, in dem die Interessen der 30 deutschen Standorte von Hewlett-Packard vertreten sind, ist die IG Metall stärkste Fraktion. "Auf einmal ging's", freut sich Hornung.

Mensch als Kostenfaktor
Der Stimmungswandel zugunsten einer selbstbewussteren Interessenvertretung war kein Zufall. Seit Jahren fährt Hewlett-Packard eine Sparwelle nach der anderen, kürzt Stellen, setzt Leute vor die Tür, verlangt von der Belegschaft fünf Prozent Gehaltsverzicht ohne Gegenleistung. "Die Mitarbeiter werden heute leider nur noch als Kostenfaktor wahrgenommen", klagt Hornung. "Die individuelle Arbeitskraft steht in permanenter Konkurrenz mit anderen Ländern, wo man Arbeit billiger einkaufen kann." Gerade wird der letzte produzierende inländische Standort in Gültstein dicht gemacht und ins Ausland verlagert. Dadurch sind wieder hundert Stellen weg.

Hinzu kamen noch die kleinen schmerzhaften Nadelstiche. So kassierte das Unternehmen den Essenszuschuss für die Mitarbeiter. Für den Einzelnen, der weiter in der Kantine essen möchte, bedeutet das 50 Euro im Monat weniger. Auch die Sparbeschlüsse bei Dienstwagen brachten die Leute gegen die Politik der Geschäftsleitung auf.

Schluss mit Schmusekurs
Der frühere Betriebsrat hatte solche Einschnitte in der Regel abgenickt und der Geschäftsleitung zu wenig Paroli geboten. Irgendwann hatten die Beschäftigten genug von den immer unangenehmer werdenden Sparmaßnahmen. Die Betriebsratswahl war jetzt die Quittung.

Mit der Eingliederung der Standorte von EDS in das Unternehmen wartet viel Arbeit auf den Gesamtbetriebsrat. Bei EDS hatte die Belegschaft 2009 einen erfolgreichen Arbeitskampf organisiert, der bei den IT-Unternehmen viel Beachtung fand. "Den Schmusekurs wie in alten Zeiten wird es mit uns nicht geben", sagt Hornung mit Blick in die Zukunft. Der Metaller will dafür sorgen, dass die Tätigkeit des Gremiums für die Belegschaft transparenter wird. Die Informationen des Betriebsrats werden in Zukunft inhaltsreicher sein. "Ein Betriebsrat ist kein Geheimrat", meint Hornung.

Mehr Infos über die Betriebsratsarbeit der Metaller bei Hewlett-Packard gibt es in der Betriebszeitung "Standpunkt" auf der Internetseite der IG Metall Stuttgart.

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Erfolg für Metaller

In einer ganzen Reihe von IT-Unter- nehmen hat die IG Metall bei den Betriebsratswahlen gute Ergebnisse erzielen können. Die Wahlbeteiligung hat sich gegenüber den vergangenen Wahlen verbessert. In den Betriebsrats- gremien bilden Metaller jetzt an vielen Standorten die Mehrheit.

  • Bei Alcatel Lucent Stuttgart stellt die IG Metall 14 von 17 Sitzen im Betriebsrat.

  • Bei Nokia Siemens Networks Berlin gingen zwölf von 15 Sitzen an Metaller.

  • In der Siemens-Konzernzentrale zogen elf Metaller in den 15-köpfigen Betriebsrat.
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