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Zehn Leiharbeiter bei Essex in Niedersachsen übernommen. Foto: Walter Schmidt/Novum

Zehn Leiharbeiter bei Essex in Niedersachsen übernommen

Betriebsvereinbarung begrenzt Leiharbeit

17.01.2011 Ι Die Drahtlackiererei Essex in Bramsche bei Osnabrück hat im September 2010 sechs Leiharbeiter unbefristet und vier befristet eingestellt. Der Betriebsrat hatte eine Betriebsvereinbarung durchgesetzt, die die Leiharbeit begrenzt. Die Betroffenen verdienen endlich wieder gutes Geld.

In den Hallen der Drahtlackiererei dampft und raucht es. Im Drei-Schicht-Betrieb werden die Kupferdrähte auf den gewünschten Durchmesser gezogen und mit Lack beschichtet. Die Maschinenbediener müssen die Linien unter Hockdruck bestücken und am Laufen halten. 144 Beschäftigte arbeiten am Standort Bramsche, 72 davon in der Produktion. Vertrauenskörperleiter Marc Klement: "Das ist ein harter Job. Darum müssen wir darauf achten, dass die Entgelte nicht durch Leiharbeit kaputt gemacht werden."

Zahl der Leiharbeiter begrenzt
Bereits 2000 hatte der Betriebsrat die Leiharbeit eingeschränkt. 2009 wurden durch die Krise 25 Beschäftigte entlassen. Doch seit Anfang 2010 brummt der Laden wieder. "Die Geschäftsleitung wollte zunächst nicht einstellen. Deshalb mussten wir im Sommer die Leiharbeit neu regeln", berichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Klaus van Berck. Die neue Betriebsvereinbarung lässt zehn Leiharbeiter zu. Marc Klement: "Alle werden nach dem Grundentgelt der Abteilung bezahlt, in der sie eingesetzt werden."

Im September 2010 wollte die Geschäftsleitung von zehn auf 20 Leiharbeiter aufstocken, bot dafür aber sechs Festanstellungen an. Die Betriebsräte stimmten zu: Sechs Leiharbeiter wurden unbefristet und vier mit befristeten Verträgen eingestellt.

Endlich ohne Geldsorgen
Sascha Ludolph hat nach neun Jahren als Leiharbeiter mit 1200 Euro netto wieder eine Perspektive. Der Konstruktionsmechaniker hatte im Oktober 2009 für 14 Euro als Leiharbeiter bei Essex angefangen und ist jetzt unbefristet als Lackierer übernommen worden: "Wir können endlich wieder sorglos leben."

"Das macht richtig was aus", rechnet Julian Schneider vor. Der gelernte Industriemechaniker kam als Leiharbeiter auf 11 Euro die Stunde, bei Essex dann auf 14 Euro und 1400 Euro netto. Inzwischen hat er eine befristete Stelle im Versand und verdient rund 2000 Euro netto: "Das Schlimmste an der Leiharbeit ist die ständige Verfügbarkeit: sieben Tage die Woche und mindestens acht Stunden am Tag. Da kannst du keinen Urlaub machen oder gar krank werden, dann ist der Job weg. Leiharbeit macht dich doof und fertig."

Die Folgen nur mildern
Auch Klaus Papke wurde unbefristet übernommen. 20 Jahre arbeitete er als Maler für 1200 Euro netto auf dem Bau. Als sein Betrieb vor fünf Jahren pleite ging, verdingte er sich für 800 Euro als Leiharbeiter. Betriebsrätin Helga Mertens: "Wir können mit Betriebsvereinbarungen die Folgen der Leiharbeit nur ein wenig mildern. Grundsätzlich brauchen wir wieder eine sozialere Politik."

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Links und Zusatzinformationen
Sascha Ludolph. Foto: Walter Schmidt/Novum
Sascha Ludolph, Lackierer
"Als Leiharbeiter habe ich für 8 Euro bis zu 50 Stunden die Woche gearbeitet. Von den 1200 Euro netto blieben nach Abzug aller Kosten 450 Euro zu zweit übrig. Jetzt können wir endlich wieder sorglos leben."
Julian Schneider. Foto: Walter Schmidt/Novum
Julian Schneider, Versand
"Ich habe mich mit 11 Euro die Stunde durchgeschlagen. Als Leiharbeiter bei Essex kam ich auf 14 Euro und rund 1400 Euro netto. Jetzt erhalte ich auf einer befristeten Stelle 2000 Euro netto."
Klaus Papke. Foto: Walter Schmidt/Novum
Klaus Papke, Lackierer
"Ich habe 20 Jahre auf dem Bau meine Knochen kaputt gemacht. Als Leiharbeiter habe ich dann 800 Euro netto verdient. Da blieb nicht viel übrig. Jetzt verdiene ich bei Essex zum ersten Mal richtig gutes Geld."

 

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