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Gleiche Arbeit - Gleiches Geld. Illustration: IG Metall

Studie: Funktionswandel von Leiharbeit

Gleiche Arbeit - gleiches Geld - gleiche Rechte

19.08.2009 Ι Vor der Krise ist die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland kontinuierlich angestiegen. Viele Unternehmen nutzten Leiharbeit als strategisches Instrument, um ihre Profite zu steigern und etablierten so eine Zwei-Klassen-Belegschaft. Das belegt eine Studie der Otto Brenner Stiftung, die heute in Frankfurt vorgestellt wurde. In einem "Mahnruf" an die Politik fordert die IG Metall, Leiharbeit endlich fair zu gestalten und den Missbrauch zu beenden.

"Wir werden es nicht hinnehmen, dass es in den Betrieben Beschäftigte erste und zweite Klasse gibt", sagt Detlef Wetzel bei der Vorstellung der Studie "Funktionswandel von Leiharbeit". Es sei nicht akzeptabel, so der Zweite Vorsitzende der IG Metall, dass reguläre Beschäftigungsverhältnisse zunehmend durch Leiharbeit verdrängt und die Stammbelegschaften so gegen die Leiharbeiter ausgespielt würden.

Kein Leitbild für unsere Gesellschaft
Zwar ist die Zahl der Leiharbeiter im Zuge der Rezession rapide geschrumpft - für Wetzel ein Anzeichen dafür, dass Verleihfirmen in der Krise nicht ausreichend Gebrauch von den Möglichkeiten der Beschäftigungssicherung machen. Für den kommenden Aufschwung sei laut Studie jedoch davon auszugehen, dass die Zahl der Leiharbeiter wieder explosionsartig ansteigt. Die IG Metall fordert daher, dass eine Verbesserung der Wirtschaftslage mit dem Aufbau regulärer Beschäftigung einher gehen müsse. "Der Missbrauch der Leiharbeit muss ein Ende haben", betonte Wetzel.

Was die Betriebsräte fordern
Daher richten Betriebsräte verschiedener Unternehmen einen "Mahnruf" an die politisch Verantwortlichen, damit diese die Rahmenbedingungen für Leiharbeit anpassen. Zu den Forderungen gehören unter anderem die Durchsetzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes, die Einführung einer arbeitsplatzbezogenen Höchstüberlassungsdauer, ein Synchronisationsverbot, die Stärkung der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates im Entleihbetrieb sowie die Aufnahme der Leiharbeitsbranche ins Entsendegesetz.

Es sei möglich, Leiharbeit fair zu gestalten, sagte Wetzel. Bisher habe die IG Metall in über 400 Betrieben so genannte "Besser-Vereinbarungen" abgeschlossen, mit denen die Situation der Leiharbeiter vor Ort verbessert werden konnte. Um die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen für alle Leiharbeiter zu verbessern, müsse jedoch die Politik endlich handeln, stellte Wetzel fest. 



Funktionswandel von Leiharbeit

Für die von der Otto Brenner Stiftung finanzierte Studie "Funktionswandel von Leiharbeit" untersuchten Sozialwissenschaftler von der Universität Jena anhand verschiedener Beispiele die strategische Nutzung von Leiharbeit in der Metall- und Elektroindustrie. Dazu führten die Autoren Interviews mit Leiharbeitern, Stammbeschäftigten, Mitgliedern von Geschäftsführungen und Interessenvertretungen sowie Experten aus Verwaltungsstellen und Bezirken der IG Metall. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es beim letzten Aufschwung bis zum Sommer 2008 nicht nur zu einem starken Anwachsen der Leiharbeit gekommen ist, sondern auch zu einer qualitativen Veränderung. Lange Zeit wurde Leiharbeit in Deutschland lediglich dazu genutzt, Auftragsspitzen abzufangen oder kurzfristige Ausfälle auszugleichen.

Leiharbeit zur Profitmaximierung
Inzwischen versuchen Unternehmen laut Studie, Leiharbeit verstärkt als "strategisches Instrument der Profitsteigerung" zu nutzen, das dauerhaft eingesetzt werde, alle Arbeitsbereiche umfasse und zu einer "Verflechtung von Stamm- und Leiharbeiterschaft" führe." Prof. Dr. Klaus Dörre, einer der Autoren der Studie, sieht Belegschaften erster und zweiter Klasse entstehen: Für gleiche Arbeit wird ungleicher Lohn gezahlt, Tarifverträge werden unterlaufen, Mitbestimmung reduziert und der gesetzliche Kündigungsschutz für einen Teil der Belegschaft ausgehebelt. Zudem dienten "billigere" Leiharbeiter dazu, die Kernbelegschaften als "Druck- und Drohpotential" zu "disziplinieren".

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Links und Zusatzinformationen
Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, zur Studie "Funktionswandel der Leiharbeit"
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