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Bessere Leiharbeits-Tarife in der Metallindustrie

Mehr Geld und Perspektive auf Übernahme für Leiharbeiter

13.05.2017 Ι Die IG Metall hat neue Tarifverträge zur Leiharbeit in der Metall- und Elektroindustrie durchgesetzt. Sie sichern den Leiharbeitern mehr Geld als das neue Gesetz zur Leiharbeit - und eine echte Perspektive auf feste Übernahme.

Die IG Metall hat die Tarifverträge für die Leiharbeit in der Metall- und Elektroindustrie (TV LeiZ) neu ausgehandelt - gemäß den Vorgaben des neuen Gesetzes zur Leiharbeit (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz). Sie sichern Leiharbeitern mehr Geld als das neue Gesetz zur Leiharbeit. Und während das neue Gesetz lediglich bewirkt, dass Leiharbeiter nach spätestens nach 18 Monaten abgemeldet und ausgewechselt werden - wie in einer Drehtür - bieten die Tarife Leiharbeitern eine echte Perspektive auf Übernahme und begrenzen Leiharbeit wirksam.

Mit den tariflichen Regelungen zur Leiharbeit werden die Bedingungen für die Leiharbeitnehmer gegenüber Gesetz allerdings in entscheidenden Punkten verbessert:

 

  1. Statt einer gesetzlichen Höchstüberlassungsdauer - die in der Regel lediglich bewirkt, dass der Leiharbeitnehmer durch den Entleiher vorher abgemeldet wird - setzen die Tarifverträge auf Übernahmeverpflichtungen. Damit stellt die IG Metall einen Fuß in die vom Gesetzgeber freigeschaltete "Drehtür".
     
  2. Es wird gesichert, dass die Leiharbeitnehmer spätestens nach sechs Wochen mehr Geld erhalten und zügig genauso bezahlt werden wie ihre Kollegen.
     
  3. Während sich die gesetzliche Höchstüberlassungsdauer ausschließlich auf den Leiharbeitnehmer bezieht, schreibt der Tarifvertrag fest, dass Leiharbeitnehmer nicht auf dauerhaft angelegten Arbeitsplätzen eingesetzt werden dürfen. In diesem Fall kann der Betriebsrat der Einstellung von Leiharbeitnehmern widersprechen.
     
  4. Auf Basis der Tarifverträge können Betriebsräte per Betriebsvereinbarung die Bedingungen der Leiharbeit weiter verbessern


Außerdem wurden die Branchenzuschläge für die Leiharbeit neu verhandelt. Dieses Paket sichert Leihbeschäftigten mehr Geld und bessere Perspektiven auf Übernahme.
 

Mehr Geld mit Tarif

Laut Tarif erhalten Leiharbeiter in der Metallindustrie bereits nach 6 Wochen mehr Geld in Form von Branchenzuschlägen auf den normalen Zeitarbeitstarif (ab 9,23 Euro West / 8,91 Ost).

Neu ist die sechste Stufe mit einem Branchenzuschlag von 65 Prozent, der Leihbeschäftigten ein Entgelt auf Niveau des Metalltarifs sichert.
 


Ohne Tarif hingegen gibt es in den ersten 9 Monaten keine Zuschläge, dann laut Gesetz ein Entgelt wie "vergleichbare" Stammbeschäftigte. Die Realität sieht jedoch so aus, dass 72 Prozent der Leiharbeiter nach spätestens 9 Monaten wieder abgemeldet werden. Sie haben folglich nichts vom neuen Gesetz.


Die IG Metall und ihre gewählten Tarifkommissionen mit Beschäftigten aus den Betrieben haben sich die Realität in den Betrieben genau angeschaut. Die Tarifverträge nutzen allen Leihbeschäftigten. In den ersten 9 Monaten verdienen sie je nach Eingruppierung insgesamt 3 000 bis 7 000 Euro mehr als ohne Branchenzuschläge.


Tarif schreibt Angebot auf Übernahme vor

Laut Tarif muss der Arbeitgeber dem Leiharbeiter nach 24 Monaten die Übernahme anbieten. Das Gesetz hingegen schreibt lediglich die maximale Verleihdauer von 18 Monaten vor - jedoch kein Angebot zur Übernahme. In der Realität heißt das: Der Leiharbeiter wird einfach nach 18 Monaten abgemeldet. Er muss dann in einem anderen Betrieb wieder bei null anfangen. Im schlimmsten Fall wird er sogar arbeitslos.


Betriebsräte können bessere Vereinbarungen aushandeln

Der Tarifvertrag ermöglicht es Betriebsräten, noch bessere und passgenaue Vereinbarungen für Leiharbeiter auszuhandeln: mehr Geld, etwa gleiche Bezahlung wie Stammbeschäftigte ab dem ersten Tag. Oder eine maximale Quote von Leiharbeitern in der Belegschaft. Dafür können Betriebsräte in Ausnahmen freiwillig die Verleihdauer auf bis zu 48 Monate verlängern. Das ergibt in einigen Betrieben Sinn. Beispielsweise dort, wo Leihbeschäftigte als Fachkräfte in längeren Projekten arbeiten, etwa in Forschung und Entwicklung. Dann ist es besser, wenn die Leihbeschäftigten ihr Projekt abschließen können - statt mittendrin ausgetauscht zu werden, ohne jede Chance auf feste Übernahme.

Und letztlich ist es besser, wenn Leiharbeiter bis zu 48 Monate in einem Betrieb mit guten Bedingungen und gutem Geld bleiben, als nach 18 Monaten in einen anderen Betrieb versetzt zu werden, wo sie dann schlechtere Bedingungen haben - oder gar arbeitslos zu werden.

Verhandelt der Betriebsrat nichts anderes, bleibt es beim Übernahmeangebot nach 24 Monaten.

 

Tarif begrenzt Leiharbeit

Das Gesetz setzt der Leiharbeit keine Grenzen, sondern beschleunigt den "Drehtüreffekt": Der Arbeitgeber darf so viele Leiharbeiter einsetzen wie er will - und sie beliebig oft auswechseln, wie in einer Drehtür. Sie dreht sich jetzt schneller, da der Austausch bereits vor Ablauf von 9 Monaten stattgefunden haben muss.

IG Metall und Betriebsräte stellen einen Fuß in diese Drehtür: Laut Tarif dürfen keine dauerhaften Arbeitsplätze mit Leiharbeitern besetzt werden. Zudem können Betriebsräte maximale Quoten für Leiharbeit im Betrieb aushandeln.

Und schließlich machen die Tarife und Betriebsvereinbarungen Leiharbeiter teurer und damit weniger attraktiv für Arbeitgeber.

 

IG Metall regelt Leiharbeit seit vielen Jahren

IG Metall und Betriebsräte arbeiten und kämpfen seit vielen Jahren für bessere Regelungen für Leiharbeiter. Wenn schon Leiharbeit, die nun mal gesetzlich erlaubt ist, dann fair. Ziel der tariflichen Regelungen sind ordentliche Arbeits- und Entgeltbedingungen und Übernahmen in feste Arbeitsverhältnisse.

Bereits 2012 setzte die IG Metall ihre Tarifverträge zur Leiharbeit in der Metall- und Elektroindustrie durch. Nun ist das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz aufgrund einer europäischen Richtlinie überarbeitet worden und führt eine Höchstüberlassungsdauer ein. Zudem gibt es vor, dass Leiharbeitnehmer spätestens nach 9 Monaten das gleiche Entgelt wie vergleichbare Stammbeschäftigte erhalten sollen (Equal Pay). Dadurch war eine Neuverhandlung der Tarife nötig, die das berücksichtigen. Ansonsten wären alle Regelungen ungültig geworden: keine Branchenzuschläge, kein Übernahmeangebot, keine besseren Betriebsvereinbarungen.

 

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