Tarifrunde Textilindustrie Ost 2026
IG Metall weist Arbeitgeber-Angebot als „Frechheit“ zurück

In der zweiten Tarifverhandlung in der Textilindustrie Ost haben die Arbeitgeber ein unzureichendes Angebot vorgelegt. Die IG Metall treibt ihre Vorbereitungen für Warnstreiks voran, die ab dem 1. April möglich sind.

23. Februar 202623. 2. 2026 |
Aktualisiert am 25. März 202625. 3. 2026


Am 24. März endete die zweite Tarifverhandlung in der Textilindustrie Ost ohne Ergebnis. Das erste Angebot der Arbeitgeber löste Empörung aus. Erst ab Oktober 2027 soll es eine Festgelderhöhung für alle Beschäftigten geben. Vorher sollen nur die Entgeltgruppen 1 und 2 an den Mindestlohn angepasst werden. Der Tarifvertrag zur Altersteilzeit soll auslaufen.

„Dieses so genannte Angebot ist angesichts massiv steigender Preise eine Frechheit“, so IG Metall-Verhandlungsführerin Eileen Müller. Auch Heike Meyer, Betriebsrätin bei Adient Zwickau und Mitglied der Tarifkommission findet deutliche Worte: „So ein freches Angebot gab es noch nie. Das provoziert Widerstand und die Belegschaften sind bereit für eine entsprechende Antwort.“

 

Beschäftigte brauchen mehr Geld

Die Beschäftigten der Branche haben klare Erwartungen an die Tarifrunde 2026: 5 Prozent mehr Geld, mindestens 150 Euro, eine überproportionale Erhöhung für Auszubildende und die Verlängerung der tariflichen Altersteilzeit.
Die Laufzeit soll 12 Monate betragen. 

Wie notwendig und angemessen die Forderung der Beschäftigten ist, zeigt eine Befragung, die die IG Metall unter den Beschäftigten durchgeführt hat. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die Beschäftigten benötigen – auch aufgrund der Preissteigerungen der letzten Jahre – eine spürbare Verbesserung ihrer Einkommen.

 Die Forderung nach einem Mindestbetrag von 150 Euro soll dabei sicherstellen, dass gerade die unteren Entgeltgruppen eine überdurchschnittliche Entlastung erhalten. Denn sie spüren die gestiegenen Lebenshaltungskosten besonders deutlich. Auch für die Auszubildenden soll die Vergütung überproportional steigen. Im Wettbewerb um den dringend benötigten Nachwuchs soll so die Branche nicht weiter zurückfallen. Für die Kolleginnen und Kollegen, die sich dem Übergang in den Ruhestand nähern, ist eine Fortführung der tariflichen Altersteilzeit unerlässlich. Fast 100 Prozent der Befragten haben sie für unverzichtbar erklärt.

 

Wechselbereitschaft hoch

Die Befragung der Beschäftigten zeigt außerdem ein deutliches Bild zur Wechselbereitschaft in der Branche. Für weniger als ein Drittel der Beschäftigten ist ein Jobwechsel kein Thema – die große Mehrheit denkt aber zumindest darüber nach, den Arbeitgeber oder sogar die Branche zu verlassen. „Das ist ein ernstes Signal für die Textilindustrie Ost. Wenn die Betriebe ihre Beschäftigten halten wollen, müssen sie jetzt liefern: mit fairen Einkommen und klaren Perspektiven“, bekräftigt Müller.  

 

Tarifbotschafter: Starke Stimme in den Betrieben

In den Betrieben haben sich Beschäftigte als Tarifbotschafterinnen und Tarifbotschafter bereit erklärt, ihre Kolleginnen und Kollegen während der gesamten Tarifbewegung eng zu begleiten. Sie halten sie über den Stand der Verhandlungen auf dem Laufenden, erklären die nächsten Schritte und spiegeln gleichzeitig die Stimmung aus den Belegschaften zurück an die Tarifkommission. 

 

Wie geht es weiter

Der nächste Verhandlungstermin ist am 14. April 2026. Die Friedenspflicht endet am 31. März. Ab dem 1. April 2026 sind Warnstreiks möglich.

 

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