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© Sven Ehlers

Befragung 2017

Arbeitszeit: Das wollen Beschäftigte in Schichtarbeit

29.05.2017 Ι Unsere große Beschäftigtenbefragung zeigt: Die meisten Schichtarbeiter wünschen sich, ihre Freischichten frei einteilen zu können, doch nur etwa die Hälfte kann das. Was ist den Beschäftigten in Schichtarbeit bei ihrer Arbeitszeit sonst noch wichtig? Hier sagen wir es.

Fast jeder dritte Beschäftigte in den Branchen der IG Metall arbeitet im Schichtbetrieb. In der Schichtarbeit stimmen gewünschte und tatsächliche Arbeitszeit häufig überein. Aber regelmäßige Wochenendarbeit, schlechtere Planbarkeit, die fehlende Möglichkeit, auch mal früher zu gehen oder später zu kommen, und Zeitdruck sorgen für Unzufriedenheit. Das zeigen die Ergebnisse unserer großen Beschäftigtenbefragung.


Kurzfristig geänderte Schichtpläne führen zu Unzufriedenheit

Schichtarbeiter leiden stärker unter dem Druck, flexibel auf die jeweilige Auftragslage, technische Störungen oder Umbauten reagieren zu müssen. Viele beklagen, dass Schichten kurzfristig angesetzt oder gestrichen werden. Unter Schichtarbeitern, deren Schichtpläne sich nicht kurzfristig ändern, sind zwei Drittel mit ihren Arbeitszeiten zufrieden. Befragte mit häufiger Schichtverkürzung oder -verlängerung sind dagegen nur zu knapp 43 Prozent zufrieden.



Kunden fordern immer mehr Flexibilität und Arbeitgeber versuchen häufig, die Unwägbarkeiten des Marktes alleine auf die Beschäftigten abzuwälzen. Wo solche Flexibilitätsanforderungen auf starre Arbeitszeiten treffen, wird das Privatleben zum Spielball.


Flexibilität der Beschäftigten sollte bezahlt werden

Es fällt Beschäftigten leichter, abends mal länger zu arbeiten, wenn sie ihre Einkäufe am nächsten Morgen erledigen können und sie nicht die Schicht zum festen Arbeitsbeginn zwingt. Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, kritisiert: "Wenn Flexibilität der Menschen einfach vorausgesetzt wird, lassen die Anstrengungen nach, ordentlich zu planen. Daher muss Flexibilität auch kosten. Nicht zwingend Geld, aber Zeit."

Schichtarbeit führt überdurchschnittlich häufig zu Unzufriedenheit mit der Arbeitszeit. Die meisten Schichtarbeiter wünschen sich, ihre Freischichten frei einteilen zu können, doch nur etwa die Hälfte kann das. Fast 40 Prozent wünschen sich die Möglichkeit, auch in der Schicht zu gleiten, und ein Drittel vermisst es, Zeitguthaben selbstbestimmt auf- und abzubauen.


Fazit: Arbeitszeitmodelle verbessern

Wenn Schichtarbeiter zwischen Zuschlägen und kürzeren Arbeitszeiten wählen könnten, würde sich zwar eine Mehrheit für Zuschläge entscheiden. Doch immerhin ein Drittel für kürzere Arbeitszeiten. Und die Befragungsergebnisse zeigen: Auch in Schichtmodellen gibt es Gestaltungsalternativen, die mehr Selbstbestimmung und Verlässlichkeit ermöglichen. Fazit: Es ist dringend erforderlich, die Arbeitszeitmodelle und -regelungen zu verändern - Arbeitszeit sollte auch für Beschäftigte im Schichtbetrieb planbar werden.

Über die Befragung: Die IG Metall hat Beschäftigte in mehr als 7000 Handwerks-, Dienstleistungs-, und Industriebetrieben befragt. Insgesamt haben sich 681.241 Beschäftigte an der Befragung beteiligt. Mitmachen konnten alle Beschäftigten - Gewerkschaftsmitglieder und Nichtmitglieder. Der Fragebogen konnte schriftlich oder online ausgefüllt werden. Befragungszeitraum war vom 16. Januar bis 26. Februar 2017. Die Zahlen sind gerundet.

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Herbert Fröhnich, Aleris, Koblenz:
"Das Privatleben kommt bei Nacht- und Spätschichten meistens zu kurz. An diesen Tagen kann ich wenig unternehmen, kaum etwas im Haus oder Garten machen, weil ich für die Schicht wieder fit sein muss. Für mein Privatleben wäre es eine gute Sache, meine Freischichten selbst wählen zu können. Aber das ist bei uns nicht immer möglich."

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