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Bericht der Rentenkommission
Rente retten – aber richtig!

Die Rentenkommission der Bundesregierung hat ihre Vorschläge präsentiert. Leider sind die meisten eher unkonkret. Hinweise zur Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung – Fehlanzeige! Was wir stattdessen fordern.


Am Anfang steht ein großer Auftrag. Als die Bunderegierung vor knapp zwei Jahren eine Kommission zur Zukunft der Rente einsetzt, lautet die Order: Findet eine Lösung, um die gesetzliche Rentenversicherung nachhaltig zu sichern und einen neuen, verlässlichen Generationenvertrag zu begründen.

Nun hat die Rentenkommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Für Beschäftigte und Rentnerinnen und Rentner hat die Kommission dabei wenig zu bieten: Kaum Vorschläge für eine solidarische Finanzierung der Rente. Keine Antwort auf die Frage, wie künftige Rentnerinnen und Rentner ihren Lebensstandard im Alter einigermaßen halten können.

Das Positive fasst Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, so zusammen: „Es ist gut, dass sich die Kommission an der Debatte über den weiteren Anstieg des Renteneintrittsalters nicht beteiligt. Viele Beschäftigte werden nicht einmal bis 67 arbeiten können. Gut ist auch, dass die Kommission erwägt, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.“

Ein Rentenniveau, das auf 44 Prozent sinken kann, ist für Hofmann inakzeptabel. Außerdem müsse das Ziel einer Rentenreform eine Erwerbstätigenversicherung sein.

Die unzureichende Reformperspektive kritisiert auch Hans-Jürgen Urban, der im IG Metall-Vorstand für Sozialplitik zuständig ist: „Der Geburtsfehler ist, dass die Rentenkommission primär nach den akzeptablen Kosten fragt und erst dann nach den Leistungen, die damit finanzierbar sind. Wir brauchen aber einen Richtungswechsel und müssen wieder stärker diskutieren, wie hoch ein akzeptables Rentenniveau sein müsste. So rum wird ein Schuh draus.“


Das sind die zentralen Vorschläge der Rentenkommission:


Rentenbeitrag und Rentenniveau:

Für Rentenniveau und Rentenbeitragssatz schlägt die Kommission jeweils einen Korridor vor. Demnach soll das Rentenniveau – das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittsverdienst aller Versicherten – künftig zwischen 44 und 48 Prozent liegen. Der Rentenbeitrag soll zwischen 20 und 24 Prozent betragen. Aktuell liegt das Rentenniveau bei 48 Prozent.

Unsere Bewertung:

Ein weiter sinkendes Leistungsniveau würde bedeuten, dass die Rente von Löhnen und Wohlstandsgewinnen abgekoppelt wird. Die IG Metall fordert eine Stabilisierung des Rentenniveaus und eine schrittweise Anhebung auf 53 Prozent. Außerdem sollen die Renten der allgemeinen Lohnentwicklung folgen. Alles andere würde bedeuten, dass Rentnerinnen und Rentner immer mehr an Kaufkraft verlieren und damit an sozialer Sicherheit.


Standardrente und Rentenpunkte:

Um eine sogenannte Standardrente zu erreichen, sollen künftig 47 Rentenpunkte („Entgeltpunkte“) nötig sein, statt wie bisher 45. Eine solche rechnerische Verschiebung der Niveaugröße würde einen falschen Eindruck erwecken. Das Rentenniveau läge 4,5 Prozent höher als es nach heutiger Berechnung ist, ohne dass sich an der tatsächlichen Rentenhöhe etwas ändert. Für die IG Metall läuft das auf einen rentenpolitischen Etikettenschwindel hinaus.

Unsere Bewertung:

Bereits heute erreichen die wenigsten Menschen den Standardwert von 45 Rentenpunkten. 2019 kam ein männlicher Neurentner im Schnitt auf 41,4 Rentenpunkte, eine Neurentnerin auf 20,7. Zwar steigt die Lebenserwartung und damit rein theoretisch auch die Zeit der Erwerbstätigkeit. Die Praxis sieht jedoch anders aus: Längere Ausbildungszeiten und brüchigere Erwerbsbiografien führen dazu, dass die Zahl der Erwerbsjahre sogar eher sinken als steigen dürfte. Der Rechenkniff mit den Rentenpunkten geht an den Realitäten des Arbeitsmarktes vorbei.


Renteneintrittsalter:

Die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre soll laut dem Bericht der Rentenkommission erhalten bleiben. Über eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenzen soll erst nach 2025 entschieden werden. Auch wenn die Kommission hierzu keine Empfehlung ausspricht, ist das Thema eines noch höheren Renteneintrittsalters also keinesfalls vom Tisch.

Unsere Bewertung:

Bereits das Renteneintrittsalter von 67 Jahren ist für die Mehrheit der Beschäftigten nicht erreichbar. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) geht davon aus, dass sie ihren derzeitigen Beruf nicht bis 67 ausüben kann. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Berliner Kantar-Instituts im Auftrag der IG Metall. Ein noch höheres Rentenalter würde für die meisten Menschen nur eines bedeuten: Noch höhere Abschläge und eine entsprechend geringere Rente. Die IG Metall fordert ein erreichbares Renteneintrittsalter und flexible, sozial abgesicherte Übergänge in den Ruhestand.


Solidarische Alterssicherung aufbauen

Die Gewerkschaften haben ihre Kritik an den Kommissionsvorschlägen dokumentiert. Der DGB ist mit Annelie Buntenbach in der Rentenkommission vertreten. Sie hat Sondervoten zu einzelnen Punkten abgegeben. Insbesondere hat sie klargemacht, dass das Rentenniveau wieder steigen muss.

Die IG Metall hat ein eigenes, detailliertes Rentenkonzept vorgelegt, das Altersarmut verhindert und den Lebensstandard sichert.

Darin wird auch eine Frage beantwortet, mit der sich die Rentenkommission lediglich am Rande beschäftigt hat: Die solidarische Finanzierung der Rentenversicherung. Die IG Metall schlägt vor, dass alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Also auch Ärzte, Anwälte, Beamte, Selbstständige und Abgeordnete. Die Einführung einer solidarischen Erwerbstätigenversicherung wäre ein echter rentenpolitischer Kurswechsel und ein großer Schritt in Richtung eines solidarischen Neuaufbaus der Alterssicherung.

Infotipp: Einen Überblick über das IG Metall-Rentenkonzept gibt es hier

 

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