PRESSEMITTEILUNG NR. 11/2020
Bericht der Rentenkommission: Wenig Licht, viel Schatten

Experten verzichten aktuell auf die Empfehlung, das Renteneintrittsalter zu erhöhen +++ Reformperspektiven bleiben unzureichend +++ Erwerbstätigenversicherung muss das Ziel einer Rentenreform sein


Frankfurt am Main – Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, begrüßt, dass die Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ keine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus vorschlägt. „Es ist gut, dass sich die Kommission an der Debatte über den weiteren Anstieg des Renteneintrittsalters nicht beteiligt. Viele Beschäftigte werden nicht einmal bis 67 arbeiten können. Gut ist auch, dass die Kommission erwägt, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen“, sagte Hofmann am Freitag in Frankfurt anlässlich der Vorstellung des Berichts.

Ein Rentenniveau, das auf 44 Prozent sinken kann, wie es von der Kommission in Betracht gezogen wird, sei für die IG Metall gänzlich inakzeptabel. „Die aktuell geltenden 48 Prozent waren schon eine Korrektur früherer Reformen. Eine Unterschreitung ist nicht vertretbar“, sagte Hofmann. Die IG Metall fordert daher eine Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent und mittelfristig dessen Anhebung.

Die IG Metall plädiert für eine Erwerbstätigenversicherung, in die auch neu in das Berufsleben eintretende Beamte, Freiberufler und Selbstständige einzahlen. Das sei nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit, es würde auch, zusammen mit einem höheren Steueranteil und einer höheren Erwerbsquote, den Anstieg des Beitragssatzes eindämmen. „Eine Erwerbstätigenversicherung muss das Ziel einer Rentenreform sein“, sagte Hofmann.

Die unzureichende Reformperspektive kritisierte auch Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Die Kommission habe vor allem auf Kosten und Beiträge geschaut und erst dann nach den Leistungen gefragt, die damit zu finanzieren seien. „Damit wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Wir müssen wieder mehr in den Blick nehmen, wie hoch ein akzeptables Rentenniveau sein soll. Die Aufgabe der Rentenversicherung ist, eine auskömmliche Versorgung im Alter sicherzustellen und nicht die Beitragssätze möglichst klein zu halten“, forderte der Gewerkschafter.

Insgesamt greift die Diskussion über die Beitragshöhe nach Ansicht von Urban zu kurz. „Niedrige Beiträge sind nicht Ausdruck von Generationengerechtigkeit und auch nicht im Interesse der jungen Menschen. Niedrige Beiträge haben auch niedrige Renten zur Folge. Die Lücken müssen dann von den Jüngeren privat abgesichert werden, ohne finanzielle Beteiligung der Arbeitgeber.“

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