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Gute Arbeitsbeziehungen funktionieren nur mit Tarifverträgen und Betriebsrat

© Daniel-Hohlfeld

Gute Arbeitsbeziehungen funktionieren nur mit Tarifverträgen und Betriebsräten

Fachkräfte wissen Betriebsrat und Tarifvertrag zu schätzen

23.10.2014 Ι Wo Betriebsräte mitbestimmen und Tarifverträge gelten, ist das Betriebsklima besser und die Fluktuation von Fachkräften geringer. Das belegen statistische Daten. Um den Fachkräftebedarf zu sichern, fordert die IG Metall deshalb in einem Vier-Punkte-Papier, die betriebliche Mitbestimmung auszuweiten und die Tarifbindung zu stärken.
Gute Arbeitsbeziehungen beugen Fachkräftemangel vor. Stimmen Betriebsklima, Entwicklungschancen, Einkommen und Beteiligung, lässt es sich auch gut und innovativ arbeiten und die Zufriedenheit steigt.

Mit guten Arbeitsbeziehungen verhält es sich jedoch ähnlich wie mit einer guten Partnerschaft - sie sind kein Zufall und schon gar kein Geschenk des Himmels. Genauso wenig wie gute Fachkräfte. Auch sie fallen nicht einfach so vom Himmel oder bleiben unter jeder Bedingung. Zwei entscheidende Kriterien verbinden heute viele mit attraktiven Arbeitsplätzen: Erstens, ist der Betrieb tarifgebunden und zweitens, gibt es dort einen Betriebsrat, der mitbestimmt und für gute Bedingungen sorgt?

Das sind auch die wesentlichen Indikatoren für eine gute Arbeitsbeziehung. Sie funktioniert nur mit starken Gewerkschaften, mitbestimmenden Betriebsräten und handlungsfähigen Arbeitgeberverbänden.

Bleiberate mit Tarif und Betriebsrat höher

Mit schlechten Arbeitsbedingungen und fehlenden Tarifverträgen lassen sich keine Fachkräfte binden und schon gar nicht finden. Fachkräfte wissen tarifgebundene Betriebe mit Betriebsräten zu schätzen. Die Fluktuation ist in Firmen, in denen Betriebsräte mitbestimmen und Tarifverträge gelten, wesentlich geringer. In Unternehmen mit Betriebsrat ist die Zahl der Arbeitnehmer, die weg wollen und kündigen, etwa 20 Prozent niedriger. Kommen noch Tarifeinkommen hinzu, sind es sogar 30 Prozent weniger.

Auch die Bleiberate der Ausgebildeten ist in Firmen höher, in denen es Mitbestimmung und Tarifverträge gibt: Nach fünf Jahren fühlen sich die jungen Fachkräfte in ihrem Ausbildungsbetrieb immer noch gut aufgehoben - ihre Quote ist um 15 Prozent höher als in anderen Unternehmen.

Ein Hauptargument zum Bleiben sind die deutlich höheren Tariflöhne: Arbeitnehmer, die nach Tarif bezahlt werden, bekommen heute real abzüglich der gestiegenen Preise gut zehn Prozent höhere Gehälter als vor vierzehn Jahren. Dagegen liegen die durchschnittlichen realen Bruttolöhne hierzulande nicht höher als zur Jahrtausendwende. Das war noch bis Mitte der 1990er Jahre anders.

Tarifflucht belastet Arbeitsbeziehungen

In Deutschland zahlen immer weniger Unternehmen nach Tarif. Ursachen für die schwindende Tarifbindung sind vor allem Mitgliederverluste bei den Arbeitgeberverbänden und Tariffluchten von Betrieben. Waren noch Anfang der 1990er Jahre rund 90 Prozent der Firmen tarifgebunden, so waren es 2012 im Westen nur noch 60 und im Osten 48 Prozent.

Diese Entwicklung haben die Verbände in den letzten beiden Jahrzehnten selbst befördert. Mit ihren angebotenen Mitgliedschaften ohne Tarifbindung" (OT) leisten sie Fluchthilfe aus Tarifverträgen und beschleunigen den Rückgang der Tarifbindung. Solche Aktivitäten belasten die Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften und sind kontraproduktiv. Denn um den Fachkräftebedarf zu sichern, braucht es starke verlässliche Sozialpartner, die gute und bindende Tarifverträge aushandeln und die betriebliche Mitbestimmung vorantreiben.

Die IG Metall fordert deshalb die Verbände auf, sich von OT-Mitgliedschaften zu lösen und nur ordentliche Mitgliedschaften anzubieten, die Betriebe in die Tarifbindung holen - wie etwa in Sachsen-Anhalt. Dort haben die Arbeitgeber erkannt, dass sie nur mit attraktiven Arbeitsplätzen und einer starken Tarifpartnerschaft Fachkräfte halten können. Damit die Ingenieure in Sachsen-Anhalt bleiben, haben sie mit der IG Metall und der Landesregierung 2010 eine "Erklärung zur Stärkung der Tarifpartnerschaft" vereinbart. Seitdem konnte die IG Metall die Tarifbindung von Unternehmen stetig erhöhen.

Tarifverträge - Gütezeichen für gute Arbeit und Innovation

Solche Beispiele sollten Schule machen. Deutschland muss insgesamt mehr tun, um die Fachkräftebasis für morgen zu sichern. Dazu gehören ein verlässliches und stabilisierendes Tarifsystem sowie eine erweiterte Mitbestimmung. Vertrauensleute und Betriebsräte tragen zu attraktiven, innovativen Unternehmen bei, die Fachkräfte langfristig binden können. Deshalb müssen Betriebsratswahlen erleichtert werden. Beschäftigte, die einen Betriebsrat gründen wollen, brauchen einen besseren Schutz - mit Sanktionen, falls ein störrischer Arbeitgeber ihnen droht, sie einschüchtert oder behindert.

Das Tarifsystem ist verbesserungsbedürftig. Die IG Metall fordert ein Verbandsklagerecht für Gewerkschaften, mit dem sie soziale Standards einklagen können sowie flächendeckende Tariftreuegesetze. Danach müssen Unternehmen, die öffentliche Aufträge bekommen wollen, Tarif- und Mindestlöhne an ihre Beschäftigten zahlen.

Tarifverträge und Betriebsräte - sie sind das Gütezeichen für gute Arbeit, Innovation und eine zukunftsorientierte Personalpolitik. Um im Wettbewerb um knapper werdende Fachkräfte und Auszubildende erfolgreich zu sein, bieten sie eine wichtige Grundlage für attraktive Entgelte und gute Arbeitsbedingungen sowie eine zukunftssichere, wettbewerbsfähige und wissensbasierte Industriegesellschaft.

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

Tarif-Fluchthilfe ist rechtswidrig

Mit "Mitgliedschaften ohne Tarif" (OT) "befreien" Handwerksinnungen ihre Mitgliedsfirmen von der Pflicht, die mit ihnen vereinbarten Tarifverträge zu übernehmen. Diese Fluchthilfe aus Tarifverträgen verstößt gegen das Gesetz, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geurteilt.

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